zur Navigation springen
Parchimer Zeitung

20. September 2017 | 18:40 Uhr

Domsühl : Dankbarkeit auf dem Pingelhof

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Erntefest auf dem ältesten Bauernhof Mecklenburgs lockte massenweise Besucher nach Alt Damerow

Wurde dem Erntedankfest zu früherer Zeit noch weitaus mehr Bedeutung beigemessen, so ist es ein heute ein seltener werdendes Phänomen. Zu Unrecht. In dem Lied von Matthias Claudius, „Wir pflügen und wir streuen“, ein bekanntes Stück zu Erntedank, wird diese Tradition auf angemessene Weise gewürdigt. Darin heißt es:

Was nah ist und was ferne, von Gott kommt alles her

der Strohhalm und die Sterne, das Sandkorn und das Meer

Von ihm sind Büsch und Blätter und Korn und Obst von ihm

das schöne Frühlingswetter und Schnee und Ungestüm

Er läßt die Sonn aufgehen, er stellt des Mondes Lauf

er läßt die Winde wehen und tut die Wolken auf

Er schenkt uns soviel Freude, er macht uns frisch und rot

er gibt den Kühen Weide und seinen Kindern Brot.

Ob gottesfürchtig oder nicht, hier wird eine Tugend wieder zu Tage gefördert, die in Zeiten des Überflusses so manch einem abhanden gekommen scheint: Dankbarkeit. Und genau dieser wurde auf dem Pingelhof an Sonntag gedacht.

Zahlreich waren die Besucher zur freudigen Festivität angereist und selbst das Wetter zeigte sich nur von seiner sonnigen, fast schon erwärmenden Seite. Zwischen sattgrünen Bäumen und festlich geschmückter Erntekrone machte man es sich gemütlich, lauschte den Lewitz-Rändlern bei ihrer Musik, schwang das Tanzbein und besah sich manche Tracht, die, angelehnt an original Mecklenburger Trachten, gefertigt worden war.

So auch bei den Witziner Danzlüd, welche in gekonnter Art und Weise die Polka und anderes zum Besten gaben. Doch auch für das technikbegeisterte Publikum gab es einiges zu entdecken. Das wieder instandgesetzte Lokomobil war fleißig im Einsatz und schrotete mit einigem Getöse erfolgreich säckeweise Körner, welche von den Besuchern mitgebracht und als fertiges Mehl auch wieder nach Hause genommen werden konnten.

Von diesem beinah antiquarischen Original war es dann auch nur ein Katzensprung zum Oldtimer Stammtisch, der seine glänzenden Karossen in der Sonne funkeln ließ und so manch bewundernden Blick auf sich zog. Auch anfassen war erlaubt und so wurde ein BMW aus dem Jahre 1956 geentert und das Fahrgefühl eines vergangenen Jahrhunderts heraufbeschworen. Dieses Alter konnte die Elde-Mühle locker toppen, in der Walter Scheurich bis 2005 als gelernter Müller das Sagen hatte. Mit unendlicher Geduld erklärte er Laien die Produktion des Mehles von heute und vor 150 Jahren, indem die riesigen Mühlensteine, bis zu einer Tonne schwer, als Beispiel herangezogen wurden.

Die weitgehende Organisation des Festes oblag jedoch einer durch und durch weiblichen Hand: Museumsleiterin Regina Zimmermann flitzte in auffällig rosa Tracht von einem Ort des Geschehens zum nächsten und fasste in einer Atempause ihr Resümee in folgende Worte: „Rundum glücklich und zufrieden“, sei sie und schaute dankbar in den Himmel. Der ließ auch weiterhin sein blauestes Blau leuchten und somit auch Bürgermeister und Fördervereinsvorsitzenden Hans-Werner Beck zuversichtlich dreinblicken, welcher jedoch noch einige Wünsche fürs nächste Jahr hätte. Es sollten „mehr junge Leute kommen“ und dass der Förderverein immer „offen für neue Ideen“ sei. Wie auch schon das Theaterevent im Sommer, so wird nächstes Jahr neues Kulturelles auf dem Plan stehen, auf das man gespannt sein darf. Ob modern neu interpretiert oder traditionell gehalten mit dem Erntedankfest – auf dem Pingelhof ist für jeden was dabei.  



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen