Schulseelsorger des Kirchenkreises Mecklenburg : Damit Trauer nicht sprachlos macht

<fettakgl>Schulpastor Stephan Dann:</fettakgl> Der Holzkoffer ist wie ein Werkzeugkasten. Darin finden sich verschiedene Kerzen, Fotowände, Handschmeichler und Tücher. Dazu ein Buch mit Texten und Vorschläge für Musik. <foto>Kirchenkreis Mecklenburg/C.Meyer</foto>
Schulpastor Stephan Dann: Der Holzkoffer ist wie ein Werkzeugkasten. Darin finden sich verschiedene Kerzen, Fotowände, Handschmeichler und Tücher. Dazu ein Buch mit Texten und Vorschläge für Musik. Kirchenkreis Mecklenburg/C.Meyer

Schulseelsorger begleiten, wenn das Herz schwer wird und Sprachlosigkeit auszuhalten ist. 40 Notfallseelsorgekoffer sollen die Arbeit an den Mecklenburger Schulen erleichtern.

svz.de von
18. Januar 2013, 10:36 Uhr

Parchim | Für Lehrerkollegium und Schüler ist es eine schreckliche Vorstellung: Von einem Tag auf den anderen bleibt ein Platz in der Klasse leer, weil jemand gestorben ist. "Die Trauer macht sprach- und hilflos. Und die Mitschüler brauchen einen Ort, an dem ihre Gefühle einen Platz haben und sein dürfen", sagt Schulpastor Stephan Dann, der nach vierjähriger Tätigkeit in Parchim seit Ende 2012 in Schwerin seelsorgerisch tätig ist. Um in diese und andere Krisenfälle hinein eine Brücke zu schaffen, haben die Schulseelsorger des Kirchenkreises Mecklenburg einen Notfallkoffer entwickelt. Abschied, Trauer und Schmerz sind Wirklichkeiten, die oft unvermittelt in den Schulalltag einbrechen. So ist Schulseelsorge immer wieder mit kleinen und großen Katastrophen im Leben einer Schule konfrontiert. Krankheit und Unglück, Aggressionen, Gewalt oder Missbrauch, wie beispielsweise jüngst an einer Schule im Landkreis Ludwigslust-Parchim. "Die Schulen und die Lehrerschaft sind auf solche Fälle kaum vorbereitet", sagt Schulpastor Stephan Dann. "Mit Trauer und Angst umzugehen, fordert vor allem die Lehrkräfte heraus, um Kindern oder Jugendlichen gleich zu Beginn Hilfe, Orientierung und ein Ventil anzubieten."

Zusammen mit Pastorin Stefanie Schulten und den Pastoren Frank Martens und Ralf Schlenker stellte Stephan Dann geeignete "Medien" zusammen, die in Situationen helfen können, "wo Vernunft keine Erklärung mehr bietet. Wo das Herz schwer wird, wo Wut, Ohnmacht und Sprachlosigkeit auszuhalten ist und zu begleiten". So finden sich in dem Holzkoffer wie in einem Werkzeugkasten verschiedene Kerzen, Fotowände, Handschmeichler und Tücher. Dazu ein Buch mit Texten und Vorschläge für Musik. "Wir bieten keine fertigen Lösungen an. Vielmehr ist unser Koffer eine Anregung, den eigenen Umgang mit Krisensituationen in der Schule zu entfalten und zu profilieren", so der Schulseelsorger, "damit Sprachlosigkeit einen Ort bekommt und Starre sich lösen kann".

In Zusammenarbeit mit der AG TEO (Tage Ethischer Orientierung) der Nordkirche sind 40 Notfallseelsorgekoffer gepackt und schon fast vergriffen - vor allem bei Multiplikatoren, vier Koffer gehen jetzt direkt an die ersten Schulen. Mit Unterstützung der Propstei Parchim und verschiedenen Spenden "konnten wir die erste Auflage" gut finanzieren, so Schulpastor Dann . Durch weitere Spenden - für jeden Koffer sind 100 Euro nötig - sollen die nächsten für Mecklenburg und die gesamte Nordkirche folgen. Allerdings werden diese nicht einfach an die einzelnen Schulen verteilt. "Wir können bei Fachtagen mitarbeiten oder die schulinterne Fortbildung nutzen, um in die Thematik einzuführen und die Materialien vorzustellen", so Stephan Dann und ergänzt: "Wir hoffen, dass Lehrerinnen und Lehrer sich dabei ausprobieren können, sich inspirieren lassen, sich auseinandersetzen, um eigene Empfindungen und Gedanken zu den Themen Abschied, Tod und Krise in der Schule einen Platz zu geben. Von hier aus kann das Leben verändert und neu und auf dem Weg zu Heilung sein."

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