Stadt investiert in kreative Verkehrsüberwachung : Damit der Schulweg sicherer wird

Langsam: Ab 31 Km/h heißt es, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.
1 von 3
Langsam: Ab 31 Km/h heißt es, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.

Vor einer Grundschule in Parchim wird Fahrern auf einer neuen Tafel die Geschwindigkeit angezeigt. Das Besondere: Wer sich an Tempo 30 hält, bekommt ein "Danke". Das Gerät kann alle Daten anonym aufzeichnen.

von
08. Februar 2011, 07:41 Uhr

Parchim | "Oh, was ist das? Wurde ich jetzt womöglich geblitzt?", mag gestern so mancher Kraftfahrer gedacht haben, der den Fischerdamm vorbei an der Adolf-Diesterweg-Grundschule in Richtung Mühlenstraße befuhr. Auf einer neuartigen Anzeigetafel, die gut einsehbar an einem Lampenmast montiert worden ist, tauchten wie aus heiterem Himmel die gerade gefahrene Geschwindigkeit und der Schriftzug "Danke" bzw. "Langsam" auf. Fast jeder ging auf die Bremse und konnte sich sofort davon überzeugen, dass die Geschwindigkeit auf der Anzeigetafel sank.

Hinweis wirksamer als Strafe nach dem Blitzen

"Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, Straßenabschnitte vor Schulen und Kindereinrichtungen sicherer zu machen. Eine mobile Geschwindigkeitsmesstafel scheint uns dafür bestens geeignet", sagt Holger Geick, zuständiger Fachbereichsleiter in der Stadtverwaltung. Derartige Geräte sind vor allem in skandinavischen Ländern seit langem im Einsatz und setzen sich langsam auch in Deutschland durch. In der Region setzt bereits Ludwigslust auf eine Geschwindigkeitsmesstafel, um an das Verantwortungsbewusstsein der Kraftfahrer zu appellieren. "Es macht Sinn, den Autofahrern die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit direkt vor Augen zu halten", meint Lutz Jakobi von der städtischen Verkehrsbehörde. Und er sollte schon beim ersten Praxistest am Fischerdamm vor der Adolf-Diesterweg-Grundschule Recht behalten. Viele Autofahrer näherten sich mit Geschwindigkeiten über den hier zugelassen 30 km/h dem 250 Meter umfassenden Messbereich. Als die Tafel dies mit dem Hinweis in roter Laufschrift "Langsam" anzeigte, gingen die meisten sofort auf das Bremspedal. Und auch für die vorbildlichen Kraftfahrer gibt es eine Botschaft: "Danke".

Die Technik hat der Stadt 2000 Euro gekostet. "Die Sicherheit der Kinder ist es uns wert", betont Bürgermeister Bernd Rolly. Er sieht in Parchim durchaus Handlungsbedarf. "Vor der Kita in Putlitzer Straße und beispielsweise auch vor der Goethestraße in der Wallallee werden wir die Geschwindigkeitsmesstafel anschließend für jeweils mehrere Wochen einsetzen", verspricht Rolly.

Für die Verkehrsbehörde bringt die Technik weitere Vorteile. "Zum ersten Mal können wir an Schwerpunkten die Zahl der durchfahrenden Fahrzeuge und ihre Geschwindigkeit aufzeichnen und anschließend auswerten", so Holger Geick. Alles erfolgt ohne die Erfassung der jeweiligen Kennzeichen. Daraus lassen sich Daten gestützte Schlussfolgerungen für zusätzliche Verkehrsmaßnahmen ziehen.

Wer annimmt, dass künftig in Parchim nur noch auf den gut gemeinten Hinweis bei der Geschwindigkeitsmessung vor Schulen und Kitas gesetzt wird, könnte schnell ein böses Erwachen erleben. "Blitzer und Lasermessungen wird es trotzdem geben. Dafür sind die Polizei oder das kreisliche Ordnungsamt zuständig", betont der Bürgermeister.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen