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Parchimer Zeitung

17. Oktober 2017 | 13:44 Uhr

Parchim : Damals auf dem Martinimarkt...

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Blick ins Geschichtsbuch: So wandelte sich der Martinimarkt vom Viehmarkt zu einem der beliebtesten Volksfeste des Nordens

svz.de von
erstellt am 26.Okt.2016 | 05:00 Uhr

In neun Tagen ist es so weit, dann startet der diesjährige Martinimarkt. Das begehrte Volksfest geht auf eine über dreihundertjährige Tradition zurück. Historiker datieren den Beginn des Herbstmarktes auf 1685. „Ursprünglich war es ein Vieh- und Krämermarkt. Belustigung und Kuriositäten fanden nur am Rande statt“, erzählt Dieter Dümcke, der sich mit der Geschichte des Martinimarktes bestens auskennt.

Früher war Parchim in Alt- und Neustadt geteilt, beide Bereiche veranstalteten unterschiedliche Märkte. „Nur der Herbstmarkt der ärmeren Neustadt behielt bis heute seine Bedeutung, während es andere Märkte irgendwann nicht mehr gab“, berichtet der ehemalige Lehrer.


Nach der Erntezeit war „Zahltag“


Um die St. Marienkirche herum fanden sich einheimische und auswärtige Krämer und Viehhalter zusammen, um am Jahresende ihre Kassen zu füllen. „Im November endete das Wirtschaftsjahr. Die Ernte war eingebracht, nun bezahlten Bauern Löhne und Pachten. Überzähliges Vieh wurde geschlachtet oder verkauft. Übrige Erträge auch. Bedienstete wurden meist entlassen“, weiß Dümcke, der als Mitglied des Heimatbundes e. V. zum Thema recherchierte.

Jedes Jahr, wenn der Winter vor der Tür stand, hieß das für Landleute „Zahltag“. Der Martinimarkt war kein Jahrmarkt, er galt schlichtweg dem Warenvertrieb. Man gab Überschüssiges ab und deckte sich mit Vorräten ein. Begehrt waren heimische Stoffe wie Wolle, Federn, Felle, Getreide, Kartoffeln, Wachs und Honig, ebenso Produkte des Handwerks wie Schuhe, Hüte, Tücher, Möbel,Töpfe und Backwaren, ist den Unterlagen des Museums Parchim zu entnehmen.


Handel veranlasste Feierstimmung


Der rege Handel brachte Geld in Umlauf und sorgte für heitere Stimmung. Für Händler und Kundschaft gab der Martinimarkt Anlass zum Feiern: „Natürlich gab es Ausschank. Wo gehandelt und gefeilscht wurde, musste es begossen werden“, erzählt Dieter Dümcke und fügt hinzu: „Damit erlangte der Martinimarkt den eigentümlichen Charakter eines Volksfestes“.

Durch Zufall stieß Dümcke auf die Historie des Parchimer Volksfestes, zunächst habe er zur Schulgeschichte geforscht. „Es gibt Berührungspunkte zwischen Schul- und Martimarkt-Geschichte. Schüler bekamen an den Tagen schulfrei, das fand ich interessant“, meint der Rentner. Schwänzen konnte also keiner , die wachsende Bedeutung des Marktes war auch strengen Lehrern bekannt.

Im 19. Jahrhundert nahm der Warenverkauf ab und das Markttreiben veränderte sich grundsätzlich. Rummelplatz-Atmosphäre kam auf und nahm Menschen aus Stadt und Land in Besitz. Vergnügen, Ablenkung, Kurzweiligkeit bestimmten das Fest. Schaubuden, Schießstände, Kettenkarusselle, Achterbahnen, verspiegelte Irrgärten, Drehorgelmusik und jede Menge Naschwerk machten den Martinimarkt zu einem Jahrmarkt wie aus dem Bilderbuch.


Schaulustige durch „Abnormales“ angelockt


Die Vielzahl der Besucher lockte es zu den Menschen, Tieren und Dingen, die sie bei Fernbleiben im Leben nicht gesehen hätten: die dickste Frau oder das kleinste Pferd der Welt als Beispiele. „Abnormitäten“ wie eine „Frau ohne Unterleib“ zogen Ströme an Schaulustigen an.

Nach der Jahrhundertwende erfreute man sich an technischen Wundern, wie am neu erfundenen Autoscooter. Die Blütezeit des Martinimarktes ging bis in die Dreißiger. Zur NS-Zeit fand der Markt tagsüber, später gar nicht mehr statt. Erst 1948 gab es eine Neuauflage. Dieter Dümcke zog als junger Lehrer nach Parchim. „Damals ist das Volksfest von der Neustadt in die Altstadt gerückt. Am traditionellen Standort wollte man die Durchfahrt nicht behindern“, erinnert sich Dümcke. Die Schausteller bauten auf dem Schuhmarkt, am Alten Markt sowie Ziegenmarkt, in der Blut- und Apothekenstraße auf. „Es gibt heute noch Leute, die von dieser Zeit schwärmen“, fügt er hinzu.

1968 verlegte die Stadt den Rummel auf den Festplatz an der Bergstraße, da die Fahrgeschäfte von mal zu mal größer und massiver wurden. „Es kamen immer mehr Schausteller angereist. Die Stadtvertreter überlegten sich mit ihnen gemeinsam ein Konzept. Die heute typische Innenblockweise und der Flanierring entstanden“, berichtet Dieter Dümcke aus der Zeit nach der Wende.

 

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