Parchim : Bußgeld-Aprilscherz landete vor Gericht

Die A 24 mit vorbildlichen Kraftfahrern, die den Sicherheitsabstand einhalten.
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Die A 24 mit vorbildlichen Kraftfahrern, die den Sicherheitsabstand einhalten.

Verschiedene Fotos, gleicher Datensatz: Verkehrsüberwacher des Kreises weisen Manipulationsverdacht zurück

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01. April 2017, 05:00 Uhr

Auf den ersten Blick hat sich der Landkreis einen Aprilscherz geleistet: Einem Autofahrer flatterte ein Bußgeldbescheid ins Haus, weil er am 15. April 2016 auf der A 24 zu dicht aufgefahren sein soll. Der Parchimer Anwalt des Autofahrers forderte das Beweismittel an – und staunte nicht schlecht: Das Foto war auf den 1. April 2016 datiert und zeigte eine ganz andere Verkehrssituation. „Fehler passieren“, sagt Anwalt Martin Doller, „also informierte die Richterin den Landkreis über den Irrtum.“ Der schickte prompt das richtige Foto vom 15. April, allerdings mit exakt unveränderten Daten. „Wie geht das“, fragt sich Rechtsanwalt Martin Doller. Wenn Foto und Daten „freihändig“ zusammengefügt werden können, wären doch Manipulationen möglich.

Links das falsche Foto und rechts dann das richtige - aber mit den gleichen Daten.
Links das falsche Foto und rechts dann das richtige - aber mit den gleichen Daten.
 

Manfred Sprinz, Leiter der Stabsstelle Verkehrsüberwachung, winkt ab: „In diesem Fall ist das Referenzbild bei der Einrichtung der Messstelle versehentlich nicht gelöscht worden. Der Datensatz gehört aber zu einem Videofilm, aus dem das Standbild für das Beweisfoto stammt.“ Das Foto fügen Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung tatsächlich am Computer ein. Aber es existiert eben auch das komplette Video. „Das ist ein zweifelsfreier Beweis“, sagt Manfred Sprinz. Auf Wunsch verschickt der Landkreis die Videodatei auch. Der Messtrupp steht meist auf Brücken über der A 24.

Aus Datenschutzgründen darf der fließende Verkehr nicht ständig gefilmt werden. Eine Software analysiert Abstände und löst bei einem Anfangsverdacht aus. Zusätzlich fotografiert eine Kamera mit höherer Auflösung den Fahrer. Im vergangenen Jahr waren die Mitarbeiter 635 Stunden unterwegs und dokumentierten 4209 Fälle. In absoluten Zahlen ist das weniger als 2015, bezogen auf die Messzeit aber ein Anstieg. Diesen Trend kann Klaus Wiechmann, Sprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust, bestätigen. Er sieht zu geringen Sicherheitsabstand als zunehmende Gefahr: „Im Jahr 2015 ist das mit 917 Fällen Unfallursache Nummer eins.“ Der erwähnte Aprilscherz-Fahrer konnte übrigens zuletzt lachen: Die Richterin stellte das Verfahren ein. 
 

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