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Obere Warnow : Bürgermeister Hartmut Bahl tritt zurück

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Gemeindeoberhaupt an der Oberen Warnow legt sein Amt nieder. Neuwahlen sind notwendig. Bernd Kock amtiert

von
erstellt am 08.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Es kam überraschend: Hartmut Bahl, bisher ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Obere Warnow, legte zu Wochenbeginn sein Amt nieder. Das Amt Parchimer Umland bestätigte am Dienstag, dass Bahl schriftlich seinen Rücktritt erklärt habe.

Der Bürgermeister selbst gab auf Nachfrage unserer Zeitung keinerlei Aussage zu seinen Gründen. Aus Insiderkreisen war von Streit im Zusammenhang mit der Investition in das Gemeindehaus in Grebbin die Rede. Ob das der Rücktrittsgrund ist, lässt sich allerdings nur vermuten.

Seit 2014 war Hartmut Bahl ehrenamtlicher Bürgermeister in der Gemeinde. Bahl (Aktive Wählergruppe Obere Warnow - AWOW) hatte sich bei der Direktwahl des neuen Bürgermeisters mit einer klaren Mehrheit von 302:100 gegen Mitbewerber Maik Kindler durchgesetzt.

Sein damaliger Mitbewerber bezeichnete gestern den Rücktritt von Bahl als einen „echten Verlust“. Auch wenn beide Konkurrenten gewesen seien, zollte Kindler dem zurückgetretenen Bahl Respekt. Kein Bürgermeister habe bisher innerhalb kurzer Zeit so viel Schwung und so viele Fördermittel in die Gemeinde geholt, meinte Kindler.

Nach der Konstituierung der neuen Gemeindevertretung Obere Warnow vor gut drei Jahren hatte sich Hartmut Bahl, der in Grebbin lebt, optimistisch geäußert. „Der Wille ist bei allen da, für unsere Gemeinde zu arbeiten“, sagte er seinerzeit gegenüber unserer Zeitung.

 Ein einstimmiges Votum gab es damals bei der offenen Abstimmung über die beiden Stellvertreter des Bürgermeisters. Erster Stellvertreter wurde Bernd Kock aus Kossebade, zweiter Stellvertreter Roland Schmidt aus Lenschow. Das Ziel ging damit auf, Vertreter aus mehreren Ortschaften an der Gemeindespitze zu platzieren, erklärte der Bürgermeister danach. „Um Bürgernähe zu schaffen“, wie Hartmut Bahl sagte. Schmidt und Kock hatten bei der Wahl der Gemeindevertreter hinter dem neuen Bürgermeister die meisten Stimmen bekommen.

In den vergangenen Jahren machte die Gemeinde Obere Warnow unter der Leitung von Hartmut Bahl viele positive Schlagzeilen. So wurde ein Projekt für das Gemeindehaus in Grebbin auf den Weg gebracht. Die Gemeinde erhält für den Umbau des ehemaligen Konsums zum multifunktionalen Gebäude Fördermittel. Den größten Teil in Parterre soll künftig eine Arztpraxis einnehmen.

Bahl, der in Frauenmark geboren wurde, war vor gut einem Jahrzehnt nach Grebbin gezogen. Als sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Herzberg und Grebbin zusammenschlossen, kandidierte er erstmals als Gemeindevertreter und war erstaunt, dass er gleich relativ viele Stimmen bekam. Als Chef des Bauausschusses kam er danach mit vielen Bürgern ins Gespräch. Er sah, wie er in der Kommune etwas bewegen konnte. „Appetit kommt beim Essen“, erklärte er vor der Wahl sein Interesse für das ehrenamtliche Bürgermeisteramt.

Vom Rücktritt des Bürgermeisters waren auch die Vertreter in der Schreibstube der Gemeinde, im Amt Parchimer Umland, überrascht. Die jüngste Gemeindevertretersitzung war nicht beschlussfähig, erfuhr SVZ von Hauptamtsleiterin Christiane Schirdewahn. Der ehrenamtliche Bürgermeister fehlte wegen Urlaub. Man habe besprochen, bei einer weiteren einberufenen Gemeindevertretersitzung über Beschlussvorlagen zu entscheiden. So geht es um Kredite für das Gemeindehaus.

Die Gemeinde bleibt weiter handlungsfähig. Bernd Kock amtiert jetzt als Bürgermeister in der Gemeinde Obere Warnow, ihm zur Seite steht Roland Schmidt. Christiane Schirdewahn erklärt zu den nächsten Schritten: Die Gemeindevertreter müssen zusammenkommen, um offiziell festzustellen, dass Hartmut Bahl sein Amt niedergelegt hat und einen Termin für die Neuwahl festlegen. Die muss innerhalb von fünf Monaten nach dieser Feststellung erfolgen. Bei einer Krisensitzung gestern morgen im Amt wurde geprüft, ob sich das mit der Bundestagswahl im September zusammenlegen lässt. Das sei allerdings nicht möglich, da Fristen gewahrt werden müssen.

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