Parchim : Bühnenlos? Nicht mehr lange

Nach der baupolizeilichen Schließung der Hauptbühne müssen die Parchimer Ensemblemitglieder wie Vagabunden durchs Land touren, spielen aber wacker weiter.
Nach der baupolizeilichen Schließung der Hauptbühne müssen die Parchimer Ensemblemitglieder wie Vagabunden durchs Land touren, spielen aber wacker weiter.

Kreistags-Ausschuss votiert einstimmig für Theaterfusion mit Schwerin. Land sichert fünf Millionen Euro für neue Spielstätte in Parchim zu.

von
14. Juni 2016, 21:00 Uhr

Eine weitere Hürde auf dem Weg zur Theaterfusion in Westmecklenburg ist genommen. Neben der Schweriner Stadtvertretung hat der Bildungsausschuss des Kreistages Ludwigslust-Parchim dem Fusionsvertrag zugestimmt – sogar einstimmig. Das letzte Wort hat der Kreistag im Juli.

Staatstheater Schwerin und Landestheater Parchim sollen möglichst zum Beginn der neuen Spielzeit zum Mecklenburgischen Staatstheater verschmolzen sein. In Parchim hat künftig das Junge Staatstheater seinen Sitz, wie auch die Fritz-Reuter-Bühne und die Puppenbühne. Es sieht gut aus, auch wenn die „Verhandlungen nach wie vor ein stetiger Fluss“ seien, wie der Beigeordnete Andreas Neumann berichtet. Das bedeutet, dass „Kleinigkeiten“ noch geändert werden könnten.

Ansonsten könne das Parchimer Theater mit dem Fusionsvertrag sehr gut leben, wie Intendant Thomas Ott-Albrecht lobt. Bei der neuen Theater-GmbH spielt das Land mit 74,9 Prozent Anteilen die Hauptrolle. In den Nebenrollen agieren der Landkreis Ludwigslust-Parchim mit 10 Prozent, die Stadt Schwerin mit 10 Prozent und die Stadt Parchim mit 5,1 Prozent. Entscheidungen der Gesellschaft zur Schließung von Sparten, hierzu gehören dann auch die drei für den Standort Parchim benannten, bedürfen einer einstimmigen Beschlussfassung durch die Gesellschafter, sind also gegen den Willen des Landkreises und der Stadt Parchim nicht möglich.

Bildungsausschuss-Vorsitzender Stefan Sternberg (SPD) verriet eine kleine Anekdote aus den Verhandlungen. Der Name der neuen großen Bühne lautet Mecklenburgisches Staatstheater. Das Kinder- und Jugendtheater mit seinem Intendanten Thomas Ott-Albrecht darf sich aber Junges Staatstheater Parchim nennen. Schwerins OB Angelika Gramkow (Die Linke) sehe den Ortsnamen als Marketingvorteil gegenüber Schwerin. Stefan Sternberg gibt sich gelassen: „Wir sollten die Kirche im Dorf oder das Schloss in Schwerin lassen.“

Kleine Hakeleien auf der politischen Bühne ändern nichts am fast schon euphorischen Gesamteindruck der Theatermacher. Jungtheater-Intendant Thomas Ott-Albrecht: „Wenn ich den Applaus der Schweriner Kollegen bei der Vorstellung der neuen Spielzeit nehme, steht es gut um das eine große Theater. Wir gehen auf Augenhöhe miteinander um.“ Der Standort Parchim werde „dramatisch aufgewertet“ und das Theater habe eine große Perspektive im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Mit einer Zielvereinbarung sicherte die Landesregierung gestern die Bereitstellung von fünf Millionen Euro für die Sanierung der Parchimer Bühne zu. Weitere fünf Millionen Euro steuert der Kreis bei, der den Umbau der alten Elde-Mühle favorisiert. Hier legt das Land sich nicht fest, will erst Gutachter-Ergebnisse abwarten, die auch die Sanierung des bisherigen Standorts prüfen. Der allerdings werde kaum groß genug sein, die Fritz-Reuter-Bühne und das Puppentheater zusätzlich aufzunehmen.

Gratis gibt es die Theaterzukunft allerdings nicht. Von 2016 bis 2020 zahlt der Landkreis für den Spielbetrieb jährlich einen Zuschuss von 458 900 Euro, die Stadt Parchim löhnt 111 130 Euro, Schwerin zahlt 6,6 Millionen Euro.

Wir bleiben Parchim - Kommentar von Udo Mitzlaff
Jetzt mal fair: Was wurde nicht rumgeunkt, der Kreis, insbesondere der Landrat wolle das Parchimer Theater gar nicht wirklich retten. Das fast fertige Verhandlungsergebnis sieht anders aus.  Elde-Mühle gekauft, für Millionenzuschuss beim Land gekämpft und auch noch den Namen Parchim gerettet (Junges Staatstheater Parchim). Dass alles gedauert hat und noch dauern wird, überrascht nicht. Es geht um Steuergeld und größtmögliche Transparenz. Auch hier erfreut das Ergebnis. Die Akzeptanz des Parchimer Ensembles ist kreisweit mit Händen zu greifen. Die Politik hat bisher auf der Theaterbühne gut mitgespielt.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen