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Parchim : Börse ade: Schutt birgt kleine Schätze

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Was viele nicht mehr für möglich gehalten haben, ist in dieser Woche endlich wahr geworden: Die Bagger sind da, die Börse ist weg. Viele Diskussionen sind um die ehemalige Parchimer Kneipe geführt worden.

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erstellt am 18.Jun.2013 | 06:54 Uhr

Parchim | Was viele nicht mehr für möglich gehalten haben, ist in dieser Woche endlich wahr geworden: Die Bagger sind da, die Börse ist weg. Viele Diskussionen sind um die ehemalige Kneipe geführt worden und doch gab es nie abschließende Lösungen für das historische Gebäude. Schlussendlich hat Petrus sein übriges getan - die Regenfälle am Stadtfestwochenende brachten die Decken des maroden Hauses am Schuhmarkt zum Einsturz, sodass es schließlich hieß: Gefahr in Verzug.

Viele Parchimer beobachten dieser Tage den Fortschritt auf der Baustelle. Unter ihnen ist auch Günter Rautenberg, der in der Blutstraße aufgewachsen ist und viele Erinnerungen seiner Jugend mit der alten Börse verbindet. "Ich bin selbst vom Bau - war 45 Jahre lang Fliesenleger - aber einen Abriss habe ich so noch nie beobachten können", erklärt der Rentner, der den Bauleuten am Montag drei Stunden lang zusah und auch gestern die Augen nicht von den Abrissarbeiten nehmen konnte. Besonders das Fingerspitzengefühl von Baggerführer René Burmeister beeindruckt ihn und die übrigen Zuschauer.

Bauleiter Uwe Schwanz von der WAS Immobilien & Bau GmbH sieht das ähnlich: "Er hat ein wirkliches Fingerspitzengefühl bewiesen. Wir haben bislang keine Beschädigungen an den Nachbarhäusern zu beklagen und das ist wirklich eine unglaubliche Leistung und nur durch jahrelange Erfahrung möglich." Ab heute wird René Burmeister durch einen weiteren Bagger unterstützt. Der Radbagger ermögliche ein schnelleres Sortieren von Holz, Stein, Metall und anderen Baumaterialien. "Insgesamt werden hier bis zum Ende der Abrissarbeiten 50 Container mit Holz und etwa 2000 Tonnen Abraum zusammenkommen", so Uwe Schwanz, der gestern nervös wurde, als sich der tonnenschwere Bagger am Vormittag plötzlich nicht mehr drehen ließ. Doch nach einem kurzen Auslesen des Fehlerspeichers konnte das Problem mit dem Magnetventil schnell behoben werden. Am Mittag rollte das 30-Tonnen-Gefährt schließlich wieder, um die marode Börse dem Erdboden gleich zu machen.

Doch die alte Parchimer Kneipe birgt sogar noch ein paar Schätze. Das weiß auch Birger Nickel, Inhaber des Zweiradhandels Nickel, der gestern neben der Eingangstür der Börse am Schuhmarkt 6 eine Flügeltür mit Rauchglas und filigranen Verzierungen aus dem Börseninneren vor dem Schrott-Container bewahrte. Darauf angesprochen verrät er: "Ich liebe alte und historische Dinge und diese Türen sind eben auch einfach ein Stück Parchimer Stadtgeschichte. Ich werde sie erstmal aufarbeiten und später sicher ein schönes Plätzchen dafür finden."

Ein Problem macht nach wie vor der Giebel, der mal als Brandschutzwand zwischen der Börse und dem heutigen Eiscafé gedient hat. Um kein Risiko einzugehen untersuchte ein Statiker die Bausubstanz gestern Mittag erneut. "Wir müssen zur Sicherheit noch ein paar Laschen einziehen, um das Erd- mit dem ersten Obergeschoss zu verbinden. Dann steht einem kontrollierten Abriss nichts mehr im Weg", erklärt Bauleiter Uwe Schwanz, dessen Team im Zeitplan liegt.

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