Debatte über Kleingärten in Parchim : Blühende Wortlandschaften

Selten: Eine mit Pollen beladene Biene
Selten: Eine mit Pollen beladene Biene

FDP will leerstehende Kleingärten als Pool urbaner Grünflächen zusammenfassen: Jetzt diskutieren erst mal die Kreistags-Ausschüsse

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01. November 2017, 05:00 Uhr

Vor drei Jahren starteten wir eine Serie über bedrohte Insekten- und Vogelarten. Naturschützer wie der Parchimer Bernd-Udo Heckendorf warnten damals schon vor einem Insektensterben und den Folgen. Jetzt ist das Thema auf der großen Bühne bundesweit Die Zeit: „Ökokatastrophe“) und auch im Kreistag präsent.

Die Fraktion von FDP und AfL hatte den Anstoß gegeben. Sie möchte die freien Flächen in leerstehenden Kleingärten als Pool zusammenzufassen und als urbane Blühflächen auf Zeit entwickeln. Auch Fördermittel sollte es dafür geben, findet der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Heiko Böhringer. Entweder ist er seiner Zeit voraus oder die anderen Fraktionen nehmen das Thema nicht ernst. Nach einer Debatte, die im Kreistag zwischen Prinzipienreiterei und Verständnis mäanderte, haben jetzt die Ausschüsse das Wort. Den Anfang macht der Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport am 6. November.

Heiko Böhringer hatte für den FDP-Vorschlag angeführt, dass der Kreistag mit „mit einer guten Entscheidung zwei Probleme – Kleingärten und Fluginsekten – anpacken“ könne. So eine Chance habe man selten. Einen Anstoß habe die Begegnung mit einer alten Dame gegeben. Die hatte dem Kreistagsmitglied erzählt, dass sie wohl ihren Sterbegroschen für die Beräumung ihres lange Jahre gern genutzten Kleingartens aufbrauchen werde. Diese Kosten könnte die Prämie für die Kleingarten-Blühfläche auffangen.

Ulrike Seemann-Katz, Kreistagsmitglied für Bündnis 90 / Die Grünen, unterstützt den Antrag, auch wenn sie bei den Worten „blühende Landschaften“ misstrauisch werde – eine Anspielung auf Helmut Kohls geflügeltes Wort. Sie sieht den Antrag eher als Appell: „Der Landkreis direkt hat ja keinen Zugriff auf die Flächen.“ Ulrike Seemann-Katz verweist auf unterschiedliche Ursachen, so auf den Einsatz von Pestiziden auf großen landwirtschaftlich genutzten Flächen: „Die Miniflächen werden das nicht verbessern.“ seemann-Katz möchte in der weiteren Diskussion erforschen, ob es Flächen gibt, auf die der Landkreis zugreifen kann.

Gustav Graf von Westarp (Umwelt/Piraten/Freie Wähler) wirft Heiko Böhringer vor, die Neigung zu haben, „gute Ansätze maximal zu verwässern“. Auch diesmal gingen die Zuständigkeiten durcheinander. Sein Fazit: „So nicht behandelbar.

CDU-Fraktionschef Wolfgang Waldmüller moniert „so viele offene Fragen“, sieht auch nicht die „großen zusammenhängenden Flächen“. SPD-Fraktionsvize Detlev Hestermann wird deutlicher: „Der Kreistag kann beschließen, was er will, Kleingärten gehören in den Zuständigkeitsbereich der Kommunen.“ Plaus Bürgermeister Norbert Reier (Die Linke) geht das Thema pragmatischer an: „Ich finde, die Idee ist gar nicht so schlecht. Man könnte das mit Biokonten verknüpfen.“

Heiko Böhringer sieht die Debatte durchaus als Gewinn: „Der Zweck des Antrags war ja nicht, alles gleich komplett auszudiskutieren. Wichtig ist die Richtung.“ Glaubt man Experten wie dem Parchimer Naturschutzwart Bernd-Udo-Heckendorf beschleunigt sich das Insektensterben: „Studien zeigen Rückgänge um bis zu 80 Prozent.“

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