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Parchim : Blühende Landschaften, jetzt richtig

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Alarmierendes Insektensterben: FDP will leerstehende Kleingärten als Pool urbaner Grünflächen zusammenfassen

von
erstellt am 09.Okt.2017 | 17:43 Uhr

Weniger Insekten, hörbar weniger Vögel: Das ist das Naturthema des Sommers. Jetzt wird auch der Kreistag über Libellen und Schmetterlinge diskutieren. Den Anstoß hat die Fraktion von FDP und AfL mit einer praktikablen Idee gegeben. Sie möchte die freien Flächen in leerstehenden Kleingärten als Pool zusammenzufassen und als urbane Blühflächen auf Zeit entwickeln. Auch Fördermittel sollte dafür geben, findet der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Heiko Böhringer.

Die Zahl der Fluginsekten sei in den vergangenen Jahren durch unterschiedliche Einflüsse stark zurückgegangen. Böhringer: „Das hat dazu geführt, dass uns als Selbstverständlichkeit angesehene natürliche Vorgänge, wie zum Beispiel das Bestäuben von Pflanzen, so langsam aus dem Gleichgewicht geraten.“ Die Folgen seien noch nicht abzuschätzen. In der Landwirtschaft gebe es zur Zeit schon intensive Bemühungen, durch die Schaffung von Blühwiesen diesem Prozess entgegenzuwirken. Das Ludwigsluster Kreistagsmitglied: „Leider ist der Umfang dieser Maßnahmen noch nicht so, dass der Rückgang der Fluginsekten gestoppt, geschweige denn umgekehrt werden konnte.“ So sei es naheliegend, auch im urbanen Raum nach Flächen zu suchen, die aktuell keiner direkten Bewirtschaftung unterliegen und die somit für eine derartige zeitlich begrenzte Nutzung geeignet sind.

Der 55-jährige Parchimer Naturschutzwart Bernd-Udo-Heckendorf bestätigt den Befund: „Das Insektensterben ist eindeutig keine Medienerfindung. Naturschützer in allen Bundesländern bestätigen diese Zahlen. Libellen, Käfer und Schmetterlinge machen sich rar. Haben Sie in diesem Sommer schon Grillen gehört? Ich kaum.“ Heckendorf sieht Kleingärten als hilfreiche Biotope.

Ähnlich der Vorschlag der FDP/AfL: „Fündig wird man schnell bei den Kleingärten, denn hier hat sich in den letzten Jahren vielerorts ein nicht unerheblicher Leerstand entwickelt. Bei der aktuellen demografischen Entwicklung ist nicht davon auszugehen, dass dort kurzfristig Änderungen eintreten. Ganz im Gegenteil ist aktuell der Zeitpunkt erreicht, wo viele weitere Kleingärtner aus Altersgründen ihre Parzelle aufgeben. Wenn diese Kleingärtner dann keinen neuen Nutzer finden, sind sie verpflichtet, ihren Garten zu beräumen. Für viele von ihnen ist dies nicht nur ein körperlicher, sondern auch ein finanzieller Kraftakt.“ Der Antrag zielt darauf ab, diese freien Flächen in den Kleingärten als Pool zusammenzufassen und als urbane
Blühflächen temporär zu entwickeln. Da diese Flächen dann eine gleiche Funktion übernehmen, wie die bereits
in der Landwirtschaft aktiven und geförderten Flächen, sollte es für die beteiligten Kleingartensparten mindestens die gleiche, wenn nicht sogar auf Grund der Kleinteiligkeit noch höhere Förderung geben, als sie bisher in der Landwirtschaft schon erfolgt.

Der Vorstoß der FDP/AfL passt zum Trend naturnaher Gärten. Eine entsprechende Initiative zeichnete jetzt das Kulturforum Pampin aus (Seite 11).

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