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Parchimer Zeitung

17. Oktober 2017 | 15:24 Uhr

Parchim : Blick hinter die Kleider-Klappe

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Deckel auf, Tüte rein, Deckel zu - und weg mit den alten Klamotten. Doch was passiert dann eigentlich mit den Kleidern und Schuhen?

svz.de von
erstellt am 26.Aug.2017 | 16:00 Uhr

Sandra Schönekerl aus Parchim steigt aus dem Auto, öffnet ihren Kofferraum und greift nach der dunklen Tüte neben dem Beutel mit den Pfandflaschen. Gleich will sie in den Supermarkt um einzukaufen. Praktischerweise parkte sie neben dem Altkleidercontainer, so kann die Studentin ihre Tüte mit etwa zehn Paar Schuhen direkten Weges entsorgen. „Ich habe meinen Kleiderschrank ausgemistet. Die ganzen Schuhe, die ich nicht mehr anziehe, wollte ich nicht einfach so in die Mülltonne werfen“, erzählt die 21-Jährige. Sie hielte Kleidercontainer für eine gute Sache und hoffe nun, dass ihre Spende einem vernünftigem Zweck dient.


Beim Ausmisten das Gefühl, Gutes zu tun


Da in ein paar Wochen der Herbst an die Tür klopft, werden viele Sandra Schönekerls Beispiel folgen und saisonbedingt ausmisten. Kurze Hosen, Röcke, T-Shirts oder Sommerkleider - was bleibt und was kann weg von den Klamotten? Platz für Neues schaffen lautet die Devise, aber bitte mit reinem Gewissen. Altkleidersammlungen seien wie Beruhigungspillen, sagte ein Greenpeace-Mitarbeiter gegenüber dem Online-Magazin „bento“. Sie gäben das Gefühl, Gutes zu tun. Dass es unterschiedliche Arten von Containern gibt, in die man die ausgedienten Sachen werfen kann, das wissen nicht alle. Neben gemeinnützigen Behältern von karitativen Institutionen, gibt es kommerzielle Container, deren Inhalt recycelt oder auf ausländischen Märkten verkauft wird. Ohne Siegel oder Symbol versehen, gibt es zudem Entsorgungsstationen, bei denen nicht ersichtlich ist, welchen Zweck die Kleiderspenden erfüllen. Teilweise handelt es sich um illegale Behälter, die zum reinen Profitmachen aufgestellt wurden.

Wer denkt, dass sei zu unseriös und möchte auf Nummer sicher gehen, der kann sich im Internet u.a. über Logos vertrauenswürdiger Organisationen informieren. Auch bei der Verbraucherzentrale fragen viele um Rat. „Am besten ist es natürlich, seine Spenden direkt in die Hände einer vertrauenswürdigen Organisation vor Ort zu geben“, so Matthias Wins von der Verbraucherzentrale MV in Rostock am Telefon. Unkompliziert ist sie trotzdem, die Variante, seine Sachen im nächsten Container zu entsorgen. Die mancherorts beigen Quader sind auch nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken. An vielen Straßenecken, meist neben Containern für Glas und Altpapier, stehen die Behälter und haben eine große Klappe. Im Parchimer Stadtgebiet und in den Ortsteilen sind es 32, erfuhr die SVZ von der Stadtverwaltung. Vier Träger, darunter die Diakonie und das Deutsche Rote Kreuz (DRK), sammeln in Parchim und Umgebung alte Kleidung. Die Nutzung der Stellflächen ist vertraglich geregelt, denn für jeden aufgestellten Container geben die Träger eine Sondernutzungsgebühr ab. „Wilde“, also illegale Behälter dulde die Stadt nicht, sie würden umgehend entfernt werden, so die Information aus dem Parchimer Ordnungsamt.

Am bekanntesten sind u.a. die DRK-Container. Katrin Krumbholz vom DRK Kreisverband Parchim ist für die Entleerung in der Region zuständig. In den Städten werden die Tonnen einmal die Woche, auf dem Land alle zwei Wochen entleert. „Alles was in einem ordentlichen Zustand ist, verkaufen wir in den Charity-Shops Parchim und Lübz“, sagt die Leiterin vom DRK-Fahrdienst . Der Erlös kommt karitativen Projekten zu. Dann spricht Krumbholz ein zunehmendes Problem an: „Manche Leute schmeißen Restmüll in die Container. Dann ist vieles der noch brauchbaren Kleidungsstücke hinüber.“

 

 

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