Parchim: Stadtwerke bauen neues Kraftwerk : Biomasse soll Energiekosten dämpfen

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In Nachbarschaft zum Blockheizkraftwerk entsteht das neue Projekt.Pätzold

In Parchim haben die Vorarbeiten für den Bau eines Biomasseheizkraftwerkes begonnen. In unmittelbarer Nachbarschaft zum bestehenden Blockheizwerk soll Strom und Wärme künftig aus Holz produziert werden.

svz.de von
10. Januar 2013, 07:38 Uhr

Parchim | Mit der Jahresabrechnung wissen nun auch die Kunden der Parchimer Stadtwerke, was angesichts der angekündigten Preissteigerungen für Strom auf jeden zukommt. Geschäftsführer Dirk Kempke hatte vor wenigen Wochen gegenüber der Parchimer Zeitung klargestellt, dass man die vom Staat festgelegten beziehungsweise regulierten Bestandteile des Strompreises nicht mehr kompensieren kann. Ab Jahresbeginn machen die staatlich veranlassten Preisbestandteile über die Hälfte des Strompreises aus (wir berichteten).

Gleichzeitig hat Dirk Kempke angekündigt: "Der Anteil umweltfreundlicher Energie soll auch bei uns ansteigen. Deshalb investieren wir beispielsweise in ein neues Kraftwerk, das Holz aus dem Stadtwald in Wärme und Strom umwandelt. Damit erhöhen wir den Anteil an Elektroenergie, die unabhängig von staatlichen Mehrkosten produziert werden kann."

Inzwischen sind die Pläne so weit vorangetrieben, dass am künftigen Standort des stadtwerkeeigenen Biomasseheizkraftwerkes die Vorarbeiten beginnen können. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg hat als Genehmigungsbehörde eine standortbezogene Vorprüfung vorgenommen und festgestellt, dass "keine erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen" zu erwarten sind. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung sei daher nicht erforderlich.

An der Ziegendorfer Chaussee vis-a-vis des in den 90er Jahren gebauten Blockheizkraftwerkes konnten die Stadtwerke ein Grundstück der Immobilienverwaltung "Thon & Lüders", der auch die dort etablierte Tennishalle gehört, erwerben. Rund ein Drittel der bislang nur ungenügend genutzten Sportanlagen werden in den kommenden Tagen abgerissen. Mitarbeiter der Baufirma Josl haben den Zuschlag erhalten und sind bereits vor Ort aktiv. "Wir konnten einen vernünftigen Kompromiss finden. Für das neue Kraftwerk steht der benötigte Platz zur Verfügung und Teile der Tennishalle können weiterhin für den Freizeitsport genutzt werden", freut sich Dirk Kempke.

Parallel mit den Abrissarbeiten laufen die Ausschreibungen für das wichtige Investitionsvorhaben. Anfang Februar müssen beispielsweise die Interessenten für die Hochbauleistungen und den Rohbau Ihre Angebote eingereicht haben. Die Arbeiten für Kessel- und Maschinenraum sowie das Brennstofflager sollen noch vor Frühlingsbeginn starten und im Spätsommer erledigt sein. "Wenn alles gut läuft, beginnen wir noch in diesem Jahr mit den Probelauf", gibt sich der Stadtwerkegeschäftsführer zuversichtlich.

Das Biomasseheizkraftwerk, das nach Inbetriebnahme im Wesentlichen vollautomatisch läuft, wird im Jahr rund 5000 Tonnen Restholz aus dem Stadtwald verarbeiten. "Dafür muss kein Baum zusätzlich gefällt werden. Wir setzen vor Ort Industrieholz ein, dass ohne hin anfällt und bislang abtransportiert wurde", so Kempke. Täglich wird etwa eine Lkw-Ladung mit dem zerhackten Holzresten ins Kraftwerk rollen. Beim ORC-Prozess (Organic Rankine Cycle) wird ein Thermaöl soweit erhitzt, bis es bei 350 Grad verdampft. Das gasförmige Fluid kommt in die Turbine, die 0,3 Megawatt Strom erzeugt, der für die Versorgung von 450 Durchschnittshaushalten reicht. Der gleichzeitig entstehende Dampf soll den Fernwärmebedarf von nahezu 500 Parchimer Familien decken.

"Langfristige Lieferverträge für das benötigte Holz aus dem Stadteigentum und die Einsparung von 800 000 Kubikmeter Erdgas soll den Strom- und Fernwärmepreis spürbar stabilisieren. Davon werden unsere Kunden bereits 2015 profitieren", verspricht der Stadtwerkechef. Und auch die Umwelt soll entlastet werden: Die verwendete Technologie wird zu einer Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes von etwa 1500 Tonnen pro Jahr führen. Einen ersten Schritt in diese Richtung haben die Stadtwerke Parchim bereits mit ihrem Solarkraftwerk am Standort der Kläranlage am Möderitzer Weg beschritten. "Wir wollen uns auf lange Sicht als verlässlicher Partner unserer Kunden vor Ort engagieren. Die halten uns erfreulicherweise oft seit langem die Treue", so Dirk Kempke.

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