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Landrat auf Testtour : „Bin froh, dass es den Rufbus gibt“

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Über 1000 Fahrgäste in drei Monaten: Rufbusprojekt der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim lief gut an. Der Landrat ging auf Testtour

svz.de von
erstellt am 31.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Karin Luth aus Suckow staunt nicht schlecht, als sie an der Bushaltestelle ihres Heimatdorfes ankommt. Sie hat wie bereits des Öfteren eine Fahrt mit dem Rufbus der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP) bestellt. Auch heute Morgen soll es zum Parchimer Bahnhof gehen. Dieses Mal empfängt sie an der Haltestelle nicht nur der erfahrene Busfahrer Thomas Kröger, für den die Tour eine willkommene Abwechslung zum alltäglichen Betrieb ist. Ein freundliches „Hallo“ vom Straßenrand kommt außerdem von niemand anderem als Rolf Christiansen, Landrat von Ludwigslust-Parchim. Er ist auf Testfahrt mit dem VLP-Rufbus unterwegs und will sich persönlich überzeugen, wie das Projekt des kreiseigenen Unternehmens funktioniert. Über tausend Fahrgäste mit dem Rufbus verzeichnet der Verkehrsbetrieb bereits.

Mit dem Landrat hat Karin Luth nun wirklich nicht gerechnet. Immer noch verblüfft von dieser Spontanbegegnung, steigt sie in den knallgelben Caddy-Kombi. Da ihr Lebensgefährte das eigene Auto für den Weg zur Arbeit braucht, ist Karin Luth auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Derzeit absolviert sie in der Kreisstadt ein Bewerbungstraining von der Arbeitsagentur, an dem sie teilnehmen muss. „Ich bin froh, dass es den Rufbus gibt, um von Suckow wegzukommen. Ansonsten wären wir völlig abgeschnitten“, sagt die Dorfbewohnerin. Unter der Woche hält frühs und nachmittags der Schülerverkehr in dem 500-Seelen-Ort. Am Wochenende und in den Ferien sieht es mit der Mobilität zwischen Land und Stadt noch schlechter aus, da fährt quasi gar nichts außer der private Pkw.

Es sei denn, man greift zum Hörer und ruft unter 03883/ 61610 in der Zentrale an. Hier werden von Montag bis Sonnabend, von 6 bis 18 Uhr Anmeldungen entgegen genommen. Die Angabe von Name, Rufnummer, Personenanzahl, Strecke und die mögliche Mitnahme von Tieren oder Gegenständen ist erforderlich. Ist der Rufbus dann bestellt, kann die Fahrt von dort aus losgehen, wo im Rahmen der Neugestaltung Ende 2016 die herkömmlichen Linienfahrten reduziert oder gestrichen wurden. „Für die Menschen auf den Dörfern ist das eine Riesenmöglichkeit. Öffentliche Mobilität sieben Tage die Woche, das hatten wir vorher nicht“, sagt Christiansen.

„Alle angeschnallt?“, erkundigt sich Thomas Kröger bei den Fahrgästen und wirft einen Blick auf die Rückbank. Karin Luth hält bereits das Geld für ihre Fahrkarte in der Hand. Kröger kassiert 4,70 Euro für die 20-minütige Einzelfahrt in die Eldestadt. Die frühlingshafte Tour durch die südmecklenburgische Landschaft geht pünktlich um 8.55 Uhr los. Eigentlich ist es im Fall von Karin Luth eine normale Überlandtour mit dem Auto. Also vergleichbar mit einer Taxifahrt, doch ist es nicht dasselbe, denn die VLP bietet einen fest getakteten Streckenplan und Fahrtkosten, die sich nach dem regionalen Tarif richten. Eine Taxifahrt wäre um einiges teurer. Nicht nur der barrierefreie Caddy, der bis zu sechs Leute mitnimmt, ist als Rufbus unterwegs. Ab neun Personen, zum Beispiel bei Schüler- und Betriebsausflügen, fahren Klein- bis Großbusse. Karin Luth nutzt nahezu täglich das System. „Zwei Mal die Woche gebe ich telefonisch die Bestellungen für die nächsten Fahrten durch. Die kennen mich schon, wenn ich in der Zentrale anrufe“, sagt sie. Über Buschfunk habe sie von der neuen Möglichkeit erfahren. „Die guten Erfahrungen, dass immer alles klappt, gebe ich auch weiter“, meint Karin Luth.

Dass Werbung für das System nötig sei, habe man erkannt, sagt Rolf Christiansen zum Ende der Testfahrt. Dennoch: „Es läuft besser als gedacht. Das Verkehrsangebot wird ausgeweitet. Man muss nur selbst aktiv werden.“ Ab Dezember sollen weitere Rufbus-Zonen dazukommen, ist der Landrat zuversichtlich.

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