12. Sternfahrt mit Landrat Rolf Christiansen : Biker-Tour für Toleranz durchs Land

Landrat Rolf Christiansen steigt morgen wieder in Motorradkluft, um bei der Sternfahrt für mehr Demokratie und Toleranz dabei zu sein.
Landrat Rolf Christiansen steigt morgen wieder in Motorradkluft, um bei der Sternfahrt für mehr Demokratie und Toleranz dabei zu sein.

Am morgigen Sonnabend findet zum 12. Mal die Sternfahrt für Demokratie und Toleranz statt. Zu der Motorradausfahrt durch den Landkreis Ludwigslust-Parchim werden mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet.

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11. Mai 2012, 11:19 Uhr

Parchim | Am morgigen Sonnabend findet zum 12. Mal die Sternfahrt für Demokratie und Toleranz statt. Zu der rund 150 Kilometer langen Motorradausfahrt durch den Landkreis Ludwigslust-Parchim werden mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Norddeutschland erwartet. Stationen nach dem Start in Ludwigslust sind die Städte Wittenburg, Hagenow, Crivitz, Sternberg und Parchim. Veranstalter der Sternfahrt sind der Landkreis Ludwigslust-Parchim und der Motorsportclub Grabow.

SVZ sprach mit Landrat Rolf Christiansen über die politischen Inhalte der Tour und über die Freude am Trike-Fahren.

Herr Christiansen, Sie sind einer der "Väter" der Sternfahrt für Demokratie und Toleranz und seit Anbeginn auch Schirmherr dieser jährlichen Motorrad-Rundfahrt. Was motiviert Sie?

Rolf Christiansen: Der Ausgangspunkt war vor mehr als zwölf Jahren. Das war die Zeit, als Aktivitäten der rechtsextremen Szene auch im Landkreis Ludwigslust merklich zunahmen. Zu Gegendemonstrationen aufzurufen, schien uns wenig originell, Aber als Demokraten wollten wir diese martialischen Aufmärsche in Ludwigslust, Hagenow, Neustadt-Glewe und weiteren Orten auf jeden Fall nicht einfach so hinnehmen. Gefragt war eine Ideen mit Ausstrahlung auf den gesamten Landkreis. Die Antwort war letztlich eine Motorradrundfahrt durch den Landkreis. Gemeinsam mit dem Motorsportclub Grabow als verlässlichem und engagiertem Partner veranstaltet unser Landkreis immer im Mai die Sternfahrt für Demokratie und Toleranz. Der Anlass ist für mich heute so aktuell wie damals. Und das motiviert mich.

Schon seit mehreren Jahren konzentrieren sich rechtsextreme Parteien und Organisationen mit ihren Aufmärschen nicht mehr auf die Region, die heute der Landkreis Ludwigslust-Parchim ist. Trägt die Idee der Sternfahrt für Demokratie und Toleranz in dieser Form heute noch?

Es ist richtig: Mit verstärktem Einzug der NPD in die Parlamente ist es, was Aufmärsche betrifft, ruhiger geworden. Das ist jedoch nur eine Verlagerung der Gefahr. Im Kreistag Ludwigslust war die NDP seit 2004 vertreten, ebenso im Landkreis Parchim und nun auch im neuen Kreistag Ludwigslust-Parchim. Ich empfinde es als geradezu unerträglich, dass eine Partei, die verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, die unsere rechtsstaatliche demokratischen Grundordnung ablehnt, einen Kreistag nutzen kann, um ihr Gedankengut zu verbreiten. Vor diesem Hintergrund bin ich mit allen demokratischen Kräften einig, dürfen wir auch im Landkreis Ludwigslust-Parchim nicht nachlassen, auf die Gefahr von rechts aufmerksam zu machen. Rechtsextremismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intolerant haben hier keinen Platz. Darauf machen wir auch weiterhin mit der Sternfahrt für Demokratie und Toleranz aufmerksam.

Was rechtsextreme Positionen betrifft, haben sich ja auch die demokratischen Fraktionen im neuen Kreistag deutlich positioniert. Aber reicht das aus?

Jedes Zeichen gegen Rechtsextremismus ist ein gutes und richtiges Zeichen. Die demokratischen Parteien engagieren sich da sehr. Und auch wir als Kreisverwaltung tun sehr viel, um den Demokratiegedanken zu fördern. Zum Beispiel mit Projekten wie "Toleranz fördern - Kompetenz stärken" oder auch "Stärken vor Ort", um die Situation gerade für junge Leute in unserer Region zu verbessern. Wir bringen uns intensiv in die Gedenkstättenarbeit ein, ein ganz wichtiger Aspekt. Es geht 67 Jahre nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft insbesondere um die Verantwortung der jüngeren Generation und den Opfern gegenüber. So habe ich es kürzlich anlässlich des Jahrestages der Befreiung des KZ Wöbbelin formuliert. Und es geht um unsere Verantwortung für kommende Generationen. Kinder werden nicht rechts geboren, deshalb haben die Verantwortlichen, die Eltern; Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher und vor allem auch die Politiker die Aufgabe, eine offensive Geschichtsaufarbeitung zu betreiben und klar zu stellen bzw. vorzuleben, dass die einzige Alternative eine demokratische Gesellschaft, eine Vielfalt an Kulturen und Religionen ist.

Aber es macht - die politische Botschaft mal außen vor - doch auch das Fahren an sich Spaß…

Auch die politische Botschaft zu transportieren, kann Spaß machen. Aber na klar: Echte Biker fahren gern durch unseren schönen Landkreis, zumal in der Gruppe und bei gutem Wetter. Das ist schon ein besonderes Erlebnis. Nicht ohne Grund sind seit Anbeginn immer auch Motorradfreunde aus unserem Partnerlandkreis Borken in Westfalen dabei, sie unterstützen ausdrücklich das Tour-Motto, aber sie schätzen eben auch die Gemeinschaft der Biker. Und ich kann es nur bestätigen: Es ist ein tolles Gemeinschaftserlebnis. Dazu gehört auch, dass in den Städten und Dörfern viele Menschen zuwinken.

Sie selbst fahren immer mit, als Landrat, Schirmherr und als Motorradfan?

Rolf Christiansen: Bisher habe ich keine Sternfahrt ausfallen lassen und bin immer vorweg gefahren, bei Wind und Wetter. So werde ich es auch in diesem Jahr halten. Einen Motorradführerschein habe ich allerdings nicht, das habe ich in all den Jahren immer versäumt. Aber ein Trike, das man mit Pkw-Führerschein fahren darf, ist eine gute Alternative für eine solche Rundfahrt. Deshalb leihe ich mir für diesen Tag ein Trike aus, obendrein ein ganz bequemes Gefährt für die 150 bis 200 Kilometer.

Diesmal führt die Sternfahrt auch in die Region Parchim, es gibt Haltepunkte in Crivitz und in Sternberg. Endpunkt ist die Kreisstadt Parchim gegen 16.15 Uhr.

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