„Betroffene haben Schutzrechte“

Personen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, haben Schutz- und Persönlichkeitsrechte, die gewahrt werden müssen.
Personen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, haben Schutz- und Persönlichkeitsrechte, die gewahrt werden müssen.

Darum machen die Behörden nur begrenzte Angaben zu den Corona-Infizierten im Landkreis

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30. März 2020, 05:00 Uhr

Über den aktuellen Stand der Corona-Infektionen in der Region informiert das Landesamt für Gesundheit und Soziales einmal täglich. Mit Stand 15 Uhr werden in der Übersicht für die sechs Landkreise und die zwei kreisfreien Städte die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus und die Gesamtzahl der positiv getesteten Personen vermeldet. Im Kreis Ludwigslust-Parchim ist der Virus mit Stand vom Sonnabend 17 Uhr bei 37 Menschen nachgewiesen worden. Zu dem Zeitpunkt gab es den ersten Todesfall in Mecklenburg-Vorpommern. Ein 57-jähriger Mann aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim ist an den Folgen einer bestätigten Corona-Infektion verstorben. Der Betroffene hatte sich Anfang März im Skiurlaub in Österreich aufgehalten. Seit etwa einer Woche hatte er grippeähnliche Symptome. Der Patient wies chronische Vorerkrankungen auf.

Aber mit dieser Corona-Statistik gibt sich längst nicht jeder zufrieden. Kritisiert wird die Informationspolitik der Behörden über die Ausbreitung des neuen Coronavirus insbesondere in den sozialen Netzwerken. Besorgte Kommentatoren wollen unter anderem wissen, aus welchen Orten im Kreis die positiv getesteten Menschen konkret kommen. Der Landkreis lehnt das ab. Dass sich die Behörden mit detaillierten Auskünften über Corona-Infizierte zurückhalten, hat laut Kreissprecher Andreas Bonin einen triftigen Grund: „Die Betroffenen haben Schutz- und Persönlichkeitsrechte, die gewahrt werden müssen“, betont Bonin. Es dürfe nicht dazu kommen, dass Menschen stigmatisiert würden. Wie unangenehm die Situation für Corona-Infizierte durchaus werden kann, hat kürzlich die FDP-Politikerin Karoline Preisler aus Mecklenburg-Vorpommern in einem Interview beschrieben. Als sie von zu Hause abgeholt wurde, stand demnach eine Menschentraube von Schaulustigen in ihrer Straße. Die Leute beobachteten, wie ein Krankentransport mit Mitarbeitern in Schutzanzügen eintraf und Preisler in den Wagen einstieg. „Das war nicht der beste Moment meines Lebens“, schilderte die Politikerin.

Den Wohnort von Infizierten oder Erkrankten öffentlich bekannt zu geben, wäre nach Einschätzung des Kreissprechers ohnehin nicht sonderlich zielführend. „Was sollte das bringen? Die Betroffenen werden doch isoliert und die Kontaktpersonen ermittelt. Es besteht dadurch keine Möglichkeit der Ansteckung mehr“, sagt Bonin. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales teilt in der Debatte zu Auskünften über Corona-Patienten mit: „Wir achten die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen. Dazu zählt auch die Einhaltung von Belangen, die den Datenschutz betreffen.“

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