Umfrageergebnisse zur Langen Straße in Parchim : Belebte Lange Straße bleibt umstritten

Der  zur Belebung der Langen Straße seit Januar eingeführte verkehrsberuhigte Bereich bleibt auch nach acht Monaten umstritten.Wolfried Pätzold
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Der zur Belebung der Langen Straße seit Januar eingeführte verkehrsberuhigte Bereich bleibt auch nach acht Monaten umstritten.Wolfried Pätzold

Die mit Spannung erwarteten Umfrageergebnisse zur Akzeptanz der zur verkehrsberuhigten Zone testweise umgewidmeten Langen Straße in Parchim liegen jetzt auf dem Tisch. Die Verwaltung löst damit ihre Zusage ein.

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28. September 2012, 07:35 Uhr

Parchim | Die mit Spannung erwarteten Umfrageergebnisse zur Akzeptanz der zur verkehrsberuhigten Zone testweise umgewidmeten Langen Straße liegen jetzt auf dem Tisch. "Es sind für mich keine großen Überraschungen, aber auf jeden Fall unverzichtbare Daten für weiteren Entscheidungen", meint Nico Skiba (Fraktion CDU) als Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der Stadtvertretung. Auf der jüngsten Beratung des Gremiums hat Holger Geick als zuständiger Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung neuste Zahlen und Fakten präsentiert.

Im August hatten 130 Anwohner und Eigentümer sowie 46 Gewerbetreibende Umfragebögen per Post erhalten. Gleichzeitig wurden an sieben Tagen zu unterschiedlichen Zeiten insgesamt 800 Passanten vor Ort angesprochen. Obwohl sich nur 24 Geschäftsleute , 72 Bewohner und 172 Zufallspassanten auf der Straße beteiligt haben, ist Holger Geick durchaus zufrieden: "Das Interesse, sich aktiv einzubringen, wächst".

Die Verwaltung löst ihre Zusage ein, regelmäßig belastbare Daten öffentlich vorzulegen. Die zwölf Fragen von "Meinen Sie, dass die Öffnung der Langen Straße für den Fahrzeugverkehr gut und richtig ist? bis "Stellen Sie seit Öffnung der Langen Straße eine Verschlechterung Ihrer Wohnqualität fest?", sollten das gesamte Spektrum der Problematik widerspiegeln. "Es fällt auf, dass die aktuelle Situation von den unterschiedlichen Interessengruppen überwiegend konträr bewertet wird", so Geick. So sind beispielsweise 58 Prozent der Gewerbetreibenden der Meinung, dass man nach Öffnung für den Fahrzeugverkehr "besser einkaufen" kann. Doch nur 13 Prozent der Kunden (Anwohner und Passanten) stimmen dem zu. Die Hälfte der Händler (12) geben an, dass sich die Öffnung für den Verkehr bereits positiv auf ihr Geschäft ausgewirkt hat. Demgegenüber sind fast 70 Prozent der Anwohner und Hauseigentümer frustriert, denn ihre Wohnqualität habe seit Jahresbeginn deutlich gelitten.

"Ich halte es für problematisch, dass sich selbst die Gewerbetreibenden untereinander nicht einig sind. Das war leider schon öfter ein Problem", sagt Nico Skiba. Doch es gibt auch übereinstimmende Auffassungen: 96 Prozent der befragten Passanten und die gleiche Zahl der Gewerbetreibenden erwarten, dass mehr für die Attraktivität der Langen Straße getan werden sollte.

Auch die neue Verkehrssituation bleibt nicht ohne Folgen. Bis zu 900 Kraftfahrzeuge wurden schon an einem Tag in der Langen Straße gezählt. Am 3. September fuhren selbst in der Zeit von 22 bis 23 Uhr - alle Geschäfte waren längst geschlossen - 82 Fahrzeuge durch diesen Bereich. "Leider sind viele deutlich zu schnell. Die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit wird ignoriert", ist sich Holger Geick sicher. Er gibt aber auch zu bedenken, dass seit Öffnung der Langen Straße andere Altstadtbereiche vom Verkehr dadurch entlastet wurden. "Die Kontrollen müssen wie seit langem gefordert verstärkt werden", ist sich Nico Skiba mit seinen Ausschussmitgliedern einig. Waldemar Skrocki, Chef des Parchimer Polizeihauptreviers, hält dagegen: "Wir sind in diesem Teil der Stadt durchaus präsent und haben vor allem Radfahrer ermahnt. Für Tempomessungen in diesem verkehrsberuhigten Bereich fehlt uns die geeignete Technik". Für Skrocki liegen die Ursachen tiefer: "Hier gibt es derzeit keine geeigneten baulichen Voraussetzungen für einen verkehrsberuhigten Bereich, der Händlern, Anwohnern und Passanten gerecht wird".

Bereits im Oktober will Holger Geick erneut alle Beteiligten einladen. Dann soll auch über Vorschläge zur Verkehrsberuhigung, den Einbau von so genannten Schikanen oder einem Nachtfahrverbot beraten werden. "Das ist allerdings verkehrsrechtlich problematisch", meint der Experte. Der Weg zur dauerhaft belebten Langen Straße bleibt steinig.

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