zur Navigation springen

Parchim: Skulpturbildhauer Oliver Guse stellt aus : Beinahe vom "Holzweg" abgekommen

vom

In seiner kürzlich in der ebe-artgalerie eröffneten Ausstellung "Transform" zeigt Oliver Guse erstaunliche Konstanz in künstlerischer Wandlungsfähigkeit. Dabei schien es, als sei er von seinem "Holzweg" abgekommen.

svz.de von
erstellt am 09.Dez.2011 | 05:38 Uhr

Parchim | Beinahe hatte es in jüngster Zeit den Anschein, als sei der gelernte Tischler und Holzbildhauer gänzlich von seinem "Holzweg" abgekommen. In seiner kürzlich in der Parchimer ebe-artgalerie eröffneten Personalausstellung unter dem Titel "Transform" zeigt Oliver Guse jedoch anhand von über 70 seiner aktuellen Arbeiten erstaunliche Konstanz in künstlerischer Wandlungsfähigkeit.

Bronze, Eisen, Aluminium, Feldsteine und Beton aber auch Acryl, Wachs, Blattgold, Ölfarben und schließlich doch Eichenholz gehören zu den bevorzugten Materialien des "gebürtigen 68ers". Oliver Guse verarbeitet sie alle in seiner Werkstatt hinter Siggelkows Alter Büdnerei, in der er seit zwölf Jahren mit seiner Angetrauten, Antje Zimprich, und mittlerweile zwei gemeinsamen Söhnen Janko und Wito zu Hause ist.

Neben den angestammten Werkzeugen der Holzbearbeitung (einschließlich Kettensäge) sowie Malerei und Grafik - die er ebenfalls regulär studierte, handhabt der begierige Autodidakt seit den 90er Jahren mit Vorliebe auch Trennschleifer, Schweißgerät, Schmiedehammer und all die unentbehrlichen Utensilien des Metallgusses. Damit entstehen gegenständliche Kunstwerke, die Materialien und Techniken durchaus frei und scheinbar ohne Konvention kombinieren.

Umformen, ja Verwandeln ist dabei des Schöpfers Intension, wie Galerist Eckhard Bergmann nicht nur aus dem vom Künstler selbst gewählten Ausstellungstitel "Transform" zutreffend deutet. Und der Parchimer Kunstförderer beobachtet diese Verwandlung auch bei Oliver "Oli" Guse selbst, dem Bergmann etwa mit der damals für den Neu-Mecklenburger aller ersten Einzelausstellung vor acht Jahren ein Podium bot, von dem aus dieser inzwischen zu den bekannten und anerkannten regionalen Künstlern wurde.

Eine Entwicklung, welche wohl keinem besser gefallen würde als Olis Vater, dem leider früh verstorbenen Schleswiger Künstler Gerd Guse. "Lieber Oli, Kunst ist schön - macht aber viel Arbeit! Dein Vater" hatte dieser seinem Sohn einst geschrieben, und es sich damals nicht hatte nehmen lassen, eben jene Debüt-Ausstellung in Parchim todkrank noch persönlich anzusehen.

Auch darum sei diese neue Personalausstellung in der Galerie ebe für ihn mit vielen Emotionen verknüpft, gestand Oliver Guse den nahezu 50 Besuchern der Vernissage am Sonntagvormittag und klärte sie gleich über die im ersten Anblick verwirrende Betitelung einer kleinen Bilderreihe auf.

"Japanische Schriftkunst" - so der Name - sei vor langer Zeit eine Ausstellung im äußersten Norden Deutschlands gewesen, deren übrig gebliebene Plakate sein damals bei der Lokalzeitung beschäftigter Vater aufbewahrt habe. Als experimentierfreudiger Sohn hat Oli diese von der Zeit überholten Drucke nun quasi wiederbelebt, und zwar als teilweise bewusst durchschimmernde Unterlage für neu geschaffene Bilder.

Meist seien seine Arbeiten sowieso Serien, die sozusagen "aus dem Bauch heraus" Gestalt annehmen, erläuterte der vielseitige Künstler, dessen manchmal lebens- und sogar überlebensgroßen Skulpturen folgerichtig zunächst als Skizzen "zur Welt" kommen, um anschließend en miniature auf ihre figürliche Wirkung getestet zu werden, wie beispielsweise jetzt anhand des "Ikarus" gut nach zu spüren.

Konstant und typisch für Oliver Guse seien Menschenbilder, und zwar menschliche also humanistische Bilder, meinte der Galerist Eckhard Bergmann. "Was gibt es wichtigeres." Er persönlich schätze ihn und sein Schaffen sehr: u.a. "weil er kein Perfektionist ist, weil seine Kunstwerke Seele haben" und weil Oli ein Typ sei, durch den die Welt bunter werde.

Obwohl in seinen Arbeiten Schwarz und Weiß vorherrschten, sei Oliver Guse kein Schwarz-Weiß-Maler. "Ich finde es unheimlich spannend, was er tut." Dem konnten die Gäste der Vernissage wohl ehrlichen Herzens zustimmen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen