Staatspreis verliehen : Bayern vergolden Parchimer Idee

Reinhard Mohn will den Grafitspachtel schnell auf den Markt bringen.
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Reinhard Mohn will den Grafitspachtel schnell auf den Markt bringen.

Staatspreis für die Spachtelmasse der Sigro GmbH Parchim - die Innovation könnte die Handynutzung in Haftanstalten wirksam eindämmen

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23. März 2015, 15:20 Uhr

Für Reinhard Mohn, Geschäftsführer der Sigro GmbH Parchim, ist ein beruflicher Traum in Erfüllung gegangen. „Wir waren uns sicher, dass wir mit unserem selbst entwickelten Graphitspachtel  punkten können, hätten aber nicht geglaubt, dass es für einen hochkarätigen  Preis reicht“, räumt der Erfinder ein. Für eine eher unscheinbare, graue Masse – in Fachkreisen als Graphitspachtel bekannt –  erhielt das  Parchimer Unternehmen in München den Bayrischen Staatspreis. Urkunde und Goldmedaille bekommen im Firmengebäude nahe der Parchimer Schleuse einen Ehrenplatz.

Die Sigro GmbH Parchim hatte kurz vor Meldeschluss Ende Januar die Zusage für die Teilnahme an der 67. Internationalen Handwerkermesse in München bekommen. „Vor Ort wurde uns schnell klar, wie groß das Interesse für innovative Produkte des Handwerks ist. Mit unserem Graphitspachtel haben wir offenbar ins Schwarze getroffen“, freut sich Reinhard Mohn.

Das Thema  beschäftigt viele: Schwer messbare Strahlungen  – allgemein als Elektrosmog bekannt –  gehen  von elektrischen Leitungen, Haushaltsgeräten, Sendern und magnetischen Materialien aus. „Immer mehr Menschen sind elektrosensibel. Dagegen kann man etwas tun“, so  Mohn.  „Wir haben für uns einen interessanten  Werkstoff, den expandierenden Graphit, entdeckt. Aus Naturgraphit wird durch Hitzeeinwirkung und der gleichzeitigen Einlagerung von Schwefel und Stickstoff ein Blähgraphit gewonnen, der ungeahnte Möglichkeiten eröffnet“, sagt der Fachmann. Vor mehr als zwei Jahren hat er zusammen mit Partnern begonnen, eine neuartige Graphitspachtelmasse zu kreieren, die auf verschiedenen Oberflächen per Hand oder mit der Maschine auftragen werden kann und gleichzeitig für eine gleichmäßige Wärmeverteilung auf großen Flächen sorgt. „Dass Graphit außerdem über hervorragende Eigenschaften zur Abschirmung von elektromagnetischen Wellen verfügt, ist ein angenehmer Nebeneffekt“, weiß der gelernte Bauingenieur genau.  Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundes  garantierte dem mittelständischen Handwerksunternehmen die notwendige Förderung bei der Entwicklung. Ein Gutachten der Uni München   hat die Wirksamkeit der Spachtelmasse inzwischen bestätigt.   

„Für uns beginnt  nun  die Marktoffensive. Der Staatspreis gibt uns dabei Rückenwind“, meint Mohn. Zu den möglichen Kunden könnte schon bald die Justiz in ganz Deutschland gehören. Die sucht für ihre Haftanstalten bezahlbare Möglichkeiten, um die Handynutzung der Häftlinge wirksam zu unterbinden. Der Parchimer Graphitspachtel wäre dazu hervorragend geeignet.

Hintergrund: Staatspreis

Der Bayerischer Staatspreis  wird bereits seit 1952 für besondere gestalterische und technische Spitzenleistungen im Handwerk verliehen.  Für gestalterische und technische Lösungen  wurden vor wenigen Tagen auf der Internationalen Handwerksmesse in München 30 teilnehmende Firmen, darunter die Sigro GmbH aus Parchim, ausgezeichnet. Es wurden Preise verliehen, die aus finanziellen  Zuwendungen, einer Goldmedaille sowie einer Urkunde bestehen. In diesem Jahr stand die Internationale Handwerkermesse unter dem Motto „Leidenschaft ist das beste Werkzeug“. Aus Mecklenburg-Vorpommern waren in diesem Jahr 15 Unternehmen mit Innovationen vertreten.

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