Parchim : Baumfällungen in geschützter Wallanlage - Bewohner entsetzt

Die ersten (auf den ersten Blick) gesunden Bäume wurden bereits gefällt. Wann die nächsten folgen, ist offen.
Die ersten (auf den ersten Blick) gesunden Bäume wurden bereits gefällt. Wann die nächsten folgen, ist offen.

Geplante Beseitigung von 101 Bäumen in denkmalgeschützter Wallanlage sorgt für Sturm der Entrüstung. Stadt hält sich bedeckt.

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11. Januar 2018, 05:00 Uhr

Selbst beim täglichen Spaziergang mit den geliebten Vierbeinern will keine Freude aufkommen. „Es ist ja wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis wir unsere Wallanlagen für lange Zeit verlieren. Ich war sprachlos, als ich schwarz auf weiß in der Zeitung gelesen habe, dass hier hundert Bäume gefällt werden sollen“, sagt ein Anwohner, der seinen Namen nicht preisgeben will. Eine ältere Frau stimmt zu: „Hier stehen doch nur gut hundert Bäume. Nicht auszudenken, wenn alle verschwinden. Das war doch wohl ein Druckfehler?“

Kurz vor Weihnachten hat die Stadtverwaltung darüber informiert, dass ab der zweiten Januarwoche 2018 in den Wallanlagen hundert Bäume gefällt werden (wir berichteten). Begründet wurde das Vorhaben mit der bevorstehenden Sanierung der historisch wertvollen und denkmalgeschützten Parkanlage. Die betroffenen 101 Bäume (diese Mengenangabe wurde in der Ausschreibung genannt) sind zum Teil marode und eine Gefahr für Spaziergänger, stehen ursprünglichen Sichtachsen im Wege oder sind schlicht Wildwuchs, heißt es. Die Stadt verweist auf eine Bürgerinformationsveranstaltung in der Vorweihnachtszeit, die immerhin zwei Stunden gedauert habe.

Mit einem Sturm der Entrüstung reagieren seit Tagen Leser der Parchimer Zeitung. „Auch wenn die Sanierung in den Wallanlagen mit der großen Abholzung schon lange beschlossene Sache ist, bedauere ich diese Maßnahme sehr und habe kein Verständnis für die Dimension der geplanten Baumfällungen“, so Ute Jaritz in ihrer Zuschrift und meint „auch vergreiste Bäume müssen in den seltensten Fällen gefällt werden“. Christa Grau stößt ins gleiche Horn: „Ich bin entsetzt über die Pläne von Experten für die neue Gestaltung der Wallanlagen und wundere mich sehr, dass in Parchim nicht ein Sturm der Entrüstung losbricht. Ich finde die Begründungen in den meisten Fällen nicht nachvollziehbar. Weil die Bäume nicht historisch belegt seien, weil Sichtachsen wieder hergestellt werden, haut man fast alle dieser großen , ehrwürdigen Bäume einfach um?“, fragt die Parchimerin fassungslos. Acht ihrer Nachbarn haben ihren Protestbrief mit unterschrieben.

Bis Redaktionsschluss blieb die Stadtverwaltung bei ihrer Haltung: Schweigen im Wald, statt Antworten auf Fragen.

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