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Parchimer Zeitung

23. September 2017 | 07:42 Uhr

Parchim : Bauernkreis landesweit spitze

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Ludwigslust-Parchims Landwirtschaft mit höherem Wertschöpfungsanteil als Landesschnitt

von
erstellt am 21.Feb.2017 | 17:01 Uhr

Mit dem Trecker kam gestern keiner, aber bodenständig ging es zu beim landesweit ersten großen Bauerntreffen des Jahres. Der Bauernverband Parchim hatte geladen und mehr als hundert Landwirte bestellten den Saal in der Begegnungsstätte lütt pütt. Auch Prominenz wie Landrat Rolf Christiansen (SPD) und Detlef Kurreck, Präsident des Bauernverbands Mecklenburg-Vorpommern machten in Dargelütz ihre Aufwartung.

Selbstbewusster Tenor: Ohne Landwirtschaft wäre der Landkreis Ludwigslust-Parchim nicht in einer wirtschaftlichen Spitzenposition. Aber es ist längst nicht alles gut an der Agrarfront. Deswegen beschworen die Verbandsoberen die Gemeinsamkeit der Bauern.


Das Beste am Jahr 2016: Es ist vorbei


Dass Landwirtschaft den Kreis insgesamt voranbringt, bewies Christiansen mit Zahlen. Der Anteil des Agrarsektors an der Bruttowertschöpfung betrage im Landkreis Ludwigslust-Parchim sieben Prozent, der Landesschnitt liegt bei 3,7 Prozent, der Bundesschnitt nur bei 0,9 Prozent. Auf diese starke Position müsse die Kreisentwicklung Rücksicht nehmen. Christiansen: „Ich lade Sie ein, bringen Sie sich intensiv in die Diskussion zum Kreisentwicklungskonzept ein. Dort werden die Leitlinien und die Verteilung der Finanzen festgeschrieben. Sonst schreiben andere, was Ihnen nicht passt.“

Dr. Regina Rinas, Leiterin, des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt
Westmecklenburg, unterstrich die führende Position des Landkreises. Von den ausgereichten Prämien gingen im vergangenen Jahr 65 Prozent nach Ludwigslust-Parchim, 35 Prozent nach Nordwestmecklenburg. Im Umweltbereich fließen sogar 87 Prozent der Mittel in den Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Doch jenseits der Erfolgsmeldungen bleiben die Probleme im Agrarsektor. MV-Bauernpräsident Detlef Kurreck: „Das Beste am Jahr 2016 ist, das es vorbei ist.“ Der leichte Klageton früherer Jahre scheint aus der Debatte verschwunden. Fairer Dialog ist das Stichwort.

Die Bauernregeln von Bundes-Umweltministerin Barbara Hendricks haben die Landwirte gewurmt. Kurreck: „Ja, nicht alles ist verkehrt an den Plakaten. Die Probleme sind uns auch bekannt, aber wir arbeiten daran.“ Das Mittel sei allerdings der Dialog, nicht gegenseitige Verhöhnung. Nur, so Detlef Kurreck kämpferisch: „Sie können die Messlatte im Dialog noch so niedrig hängen. Es gibt immer irgendjemanden, der aufrecht untendurch marschiert.“

Frank Piehl, seit Oktober an der Spitze des Bauernverbands Parchim, zieht aus der angespannten wirtschaftlichen Lage der Bauern den Schluss, näher zusammenzurücken. „Wir sind Landwirte mit Leidenschaft und wir lassen uns das nicht mit postfaktischen Sprüchen vermiesen.“ Piehl will eine Initiative starten, damit die heimische Landwirtschaft in den Schulen präsenter wird: „Wir müssen schon in den Vor- und Grundschulen erklären, was Landwirtschaft leistet.“ Bauernmärkte, Tag des offenen Hofes und dazu der Dialog von Bauer zu Kundin, am besten mit frisch geschmierten Schmalzstullen – das sei der richtige Weg.

Höchster Besuch beschert allerdings auch Erkenntnisse. Ministerpräsident Erwin Sellering muss bei seiner Hoftour im vergangenen Jahr einen bleibenden Eindruck in der Region hinterlassen haben. Piehl: „Ich bin ernüchtert, wie weit weg ein Ministerpräsident von der Landwirtschaft sein kann.“

Die aktuellen Probleme sind der anstehende Generationswechsel auf den Höfen und die weiter steigenden Bodenpreise. Generationswechsel sollte nicht Eigentümerwechsel sein, so Landes-Bauernchef Detlef Kurreck. Wenn allerdings der Verkehrswert der bäuerlichen Betriebe über dem Ertragswert liege, gerate etwas aus dem Lot. Kurreck zeigte sich skeptisch, dass ein Gesetz die steigenden Bodenpreise regeln könne, setzt auch hier auf intensiven Dialog. Landrat Rolf Christiansen unterstützte: „Ackerland gehört in die Hände der Landwirtschaft.“


Mehr am Schreibtisch als auf dem Acker


Ein altes Problem treibt wohl nicht nur die Bauern um, die überbordende Bürokratie. Frank Piehl: „Ich möchte meinen Beruf auf dem Acker oder im Stall ausüben, nicht im Schein der Schreibtischlampe.“ Der Bauernverband Parchim zählt 144 Mitglieder, dazu 34 Fördermitglieder. Die Mitgliedsbetriebe bewirtschaften 72 866 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche.

 

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