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Parchimer Zeitung

23. Oktober 2017 | 15:38 Uhr

Rom : Ballerina ist reif für den Kochtopf

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Ernte der Frühkartoffeln in Rom läuft . Landwirte sichern durch den Knollenanbau Arbeitsplätze. Neue Sorten auf den Feldern.

von
erstellt am 26.Jul.2016 | 05:00 Uhr

Sie heißt wie eine Solotänzerin im Theater und ist in vielen Küchen in der Parchimer Region beliebt: „Ballerina“. Diesen Namen trägt die Frühkartoffel-Sorte, die seit wenigen Jahren auf den Feldern der Agrargenossenschaft Rom angebaut wird. Meister Tim Dobbertin schneidet zur Kontrolle auf dem Feld eine Knolle auf. „Sie ist schön gelbfleischig“, sagt Genossenschaftschef Dr. Volker Toparkus. Die Sorte werde von den Kunden nachgefragt.

Seit über drei Wochen wird geerntet – aber immer nur eine kleine Menge. In Fünf-Kilo-Abpackungen geht Ballerina in den Verkauf – direkt an Kunden, die zum Betriebshof nach Rom kommen, sowie in zwei Märkten in Parchim.

Die Römer Agrargenossenschaft hat sich als einer von wenigen Landwirtschaftsbetrieben in der Region den Kartoffelanbau erhalten - zumindest in kleinem Umfang. Das rechnet sich nur durch die direkte Vermarktung in der Region Parchim/Lübz für Privathaushalte und Gaststätten. Und vor allem hat es den Sinn, Arbeitsplätze über den Winter zu erhalten. Speisekartoffeln müssen sortiert und an den Mann gebracht, Stärkekartoffeln von Steinen befreit und in die Fabrik transportiert werden.

Auf rund 50 Hektar Acker wachsen in Rom Kartoffeln mit unterschiedlichen Reifeklassen heran. Die Ballerina ist die erste Sorte, die reif ist. Auch wenn viele der Knollen in den nächsten Wochen noch im Boden bleiben, wird jetzt das Kraut abgeschlagen. Die Kartoffeln werden nach und nach gerodet - zweimal in der Woche.

Die Römer haben in diesem Jahr mehr Sorten als in den Vorjahren angebaut. Die vorrangig fest kochende Gala und die vorrangig mehligkochende Adretta gehören traditionell dazu. Gleichzeitig werden neue Sorten getestet wie Megusta und Wendy. Gaststätten, die die Römer beliefern, wollen vor allem fest kochende Kartoffeln, sagt Toparkus.

Die Rodung der späteren Kartoffeln hat noch lange Zeit. Erst wenn es kühl wird, kommen die Sorten aus dem Boden, die lange gelagert werden sollen.

Ballerina soll dagegen gleich in den Kochtopf. Die großen Knollen, die Tim Dobbertin aus dem Boden holt, kommen für hiesige Kartoffelschäler gerade recht. Doch für die Vermarktung im Handel wären sie schon zu groß, erfährt SVZ von den Landwirten.

Das Wetter hat in diesem Jahr beim Kartoffelanbau mitgespielt. Nachdem Mitte April gepflanzt worden war, wurde es zügig warm. Durch eine warm-nasse Phase haben sich die Kartoffeln zügig entwickelt. Die Eisheiligen im Mai fielen dieses Jahr aus, und auch die Schafskälte brachte 2016 nicht den Einbruch. Die Römer haben zudem die Voraussetzungen, dass sie ihre Kartoffeln bei Trockenheit mit dem Nass aus der Müritz-Elde-Wasserstraße bewässern können.

Trotz Freude über die großen Kartoffeln – insgesamt backen die Bauern in diesem Jahr wohl sehr kleine Brötchen. Die Milchpreise sind bekanntlich seit langem im Keller und bedeuten auch für die Römer stetige Verluste. Die fehlenden Einnahmen lassen sich auch nicht durch Raps und Weizen kompensieren, erklärt Toparkus. Denn auch hier sind die Weltmarktpreise unten. „Wir mussten gegensteuern.“ Investitionen wurden auf Eis gelegt. „Wir machen nur das Nötigste.“ Das würden auch andere zu spüren bekommen, die Leistungen für die Landwirtschaft erbringen. Der Römer Genossenschaftschef sagt: An jedem Job in der Landwirtschaft hängen acht andere.

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