zur Navigation springen

Ludwigslust-Parchim : Bald kostenloser Schulbus für alle?

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Kreisverwaltung soll Varianten prüfen, Landrat Rolf Christiansen macht Weg frei für Schüler-Freizeitticket

von
erstellt am 16.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Kinder in die Busse: Das Freizeit-Ticket für Schüler kommt. Für das Unterrichts-Ticket sollen jetzt Varianten geprüft werden – bis hin zum komplett kostenlosen Schulbus für Linien der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim VLP. Mit dem Prüfauftrag setzte sich der Kreistag gegen die Verwaltungsmeinung durch, Landrat Rolf Christiansen (SPD) behält sich nun einen Widerspruch gegen den Beschluss vor.

Zunächst zur Übersicht der momentanen „Tickeritis“: Das Freizeit-Ticket macht Fahrten außerhalb der Schulzeit möglich. Der Prüfauftrag bezieht sich auf die Fahrten zum Unterricht.

Um das Freizeit-Ticket, besser um dessen Urheberschaft, war zuletzt heftiger Streit entbrannt. Nachdem die CDU angekündigt hatte, dass sie dieses Thema – plus kostenlose Schülerbeförderung zur zuständigen oder auch nicht zuständigen Schule – in den Kreistag einbringen wolle, hagelte es Kritik vom Kreisjugendring und von den Linken, die die Idee für sich beanspruchten.

Landrat Rolf Christiansen schwieg dazu und handelte. Völlig überraschend verkündete der Verwaltungschef vor dem Kreistag die Einführung des Freizeit-Tickets bereits zum 1. Januar 2018. Die VLP habe einen entsprechenden Antrag gestellt. Für zehn Euro können Mädchen und Jungen damit die VLP-Busse außerhalb der Schulzeiten nutzen. „Dieser Antrag wurde am 26. April erstmals im Jugendhilfeausschuss beraten“, sagte Christiansen. Zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 6. September habe die VLP eine Berechnung der möglichen Auswirkungen vorgestellt. Christiansen: „Je nach Annahme des Angebotes ist, wenn überhaupt, wahrscheinlich nur mit geringen Einnahmeverlusten für die VLP zu rechnen.“ Er bezifferte die Summe auf 30 000 bis 40 000 Euro.

Christian Rosenkranz (CDU) nahm das „gern zur Kenntnis“, konstatierte aber, es könnte den Anschein haben, „wir laufen der Musik hinterher.“ Rosenkranz appellierte, die „Copyright-Ansprüche auf das Thema“ hintenan zu stellen und einen Antrag „nicht gleich der Verdammnis zu übergeben“, wenn er eine schwarze Plakette trage. Der CDU-Fraktionsvize führte das Thema dann weiter, um Ungerechtigkeiten bei der Schülerbeförderung zum Unterricht abzustellen. Das sei das Ziel des gemeinsamen Antrags von CDU und Linken.

Wegen der mit Satellitentechnik neu vermessenen Schulwege war es in Plate dazu gekommen, dass Schüler, die bisher den Schulbus kostenlos nutzten, jetzt zahlen sollen. Ab Klasse 5 braucht es einen Schulweg von mehr als vier Kilometern für den kostenlosen Schulbus. Rosenkranz: „3,9 oder 4,05 Kilometer, muss das wirklich einen Unterschied machen? Hundert Meter trennen jetzt einen Schüler von dem kostenlos vor seiner Haustür haltenden Schulbus.“ Weil es für die Fahrt zur nicht zuständigen Schule bis zu 750 Euro Zuschuss pro Jahr gäbe, komme es zur paradoxen Situation, dass manche Eltern für den Schulbus zur zuständigen Schule mehr löhnen müssten. Zudem erfordere die Entfernungs-Prüfung hohen Aufwand. Linken-Fraktionschef Wolfgang Bohnstedt begründete den geforderten Variantenvergleich: „Einige fahren kostenlos, andere nicht. Da muss Politik nun mal langsam handeln. Das Thema liegt uns allen sehr am Herzen.“

Stefan Sternberg, SPD-Fraktionsvize und Bildungsausschuss-Vorsitzender, wäre mitgegangen, wenn „Plate dringestanden“ hätte. Er sprach sich gegen eine komplette neue Evaluation aus: „Sollen wir jetzt für 20 000 Schüler, davon 10 000 Fahrschüler einen Anspruch aktivieren?“ Schon jetzt leiste sich kein anderer Landkreis so viele freiwillige Leistungen auf diesem Gebiet. Sternberg: „Sagen wir doch gleich: Die Kreisumlage muss steigen.“ Das bescherte dem Grabower den Zwischenruf von Elke-Luise Skiba (Linke): „Schulz hat für soziale Gerechtigkeit gekämpft. Und Ihr?“ Landrat Rolf Christiansen warnte: „Diesen Antrag können wir so nicht prüfen. Wir müssen am Ende jeden von der Haustür abholen.“ Seine Worte fanden kein Gehör, die Mehrheit von CDU und Linke stimmte dem Antrag zu. Christiansen behält sich einen Widerspruch vor, weil der Antrag so nicht umzusetzen sei oder außerplanmäßige Mittel für Gutachter: „Das wird aber nicht ganz billig.“

Drei Varianten sollen jetzt verglichen werden: 1. Die Einführung eines kostenlosen Schülertickets zur zuständigen Schule (unabhängig von der Distanz). 2. Schülerticket zur örtlich zuständigen und auch nicht zuständigen Schule. 3. Schülerticket mit Kostenbeteiligung für alle Fahrten mit dem ÖPNV innerhalb des Kreisgebiets.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert