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Parchim hält Streckenschließungen für unwahrscheinlich : "Bahn-Kahlschlag" - oder doch nicht?

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Schiebt das Land den Schienennahverkehr aufs Abstellgleis? Meldungen, wonach das Schlotmann-Ministerium bereits am vergangenen Sonnabend einen Bahnkahlschlag eingeleitet habe, lassen einiges befürchten.

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erstellt am 20.Mär.2012 | 06:37 Uhr

Parchim | Schiebt das Land den Schienennahverkehr aufs Abstellgleis? Meldungen, wonach das Schlotmann-Ministerium bereits am vergangenen Sonnabend einen regelrechten Bahnkahlschlag eingeleitet habe, lassen einiges befürchten. Nach dem Aus für 17 wenig genutzte Zugverbindungen ab 2013, hat der Verkehrsminister die Ausschreibung von drei weiteren Strecken, nämlich Schwerin - Hagenow Stadt, Rehna - Schwerin - Parchim und Hagenow - Ludwigslust - Waren - Neustrelitz gestoppt, obwohl die erst Mitte Dezember erfolgt war. Die Folge wäre eine weitere Ausdünnung des Netz-Angebotes, was gerade für die Menschen im Flächenland verheerend wäre.

Detlev Hestermann, Parchims Erster Stadtrat, sieht die aktuellen Meldungen weniger dramatisch. Zumindest vorerst nicht. Wie er aus einer Ministeri umsquelle erfahren habe, sei der Ausschreibungsstop o. g. Verbindungen nicht erfolgt, weil diese ab 2014 eingestellt werden sollen. "Noch gibt es nichts Offizielles, doch meinen Informationen zufolge, wird, was in Richtung Westen auf der ÖPNV-Schiene unterwegs ist, auch künftig rollen", sagt Hestermann. Gerade durch die Zusammenlegung der Landkreise und der Verwaltung habe die Verbindung Parchim - Ludwigslust an Bedeutung gewonnen. "Diese Strecke werden immer viele Leute nutzen - Leute aus den Verwaltungen, Pendler, Berufsschüler…" Die Züge nach Ludwigslust und Schwerin seien zudem Parchims wichtige Brücken an das ICE-Netz, betont Hestermann, räumt aber ein, dass es mit der Rentabilität der Strecken in Richtung Osten nicht annähernd so gut aussehe. "Sollten die jetzt genannten vier Strecken wirklich geschlossen werden, wovon ich persönlich nicht ausgehe, wird sich die Stadt von der mit der Bahn vereinbarten Drittelfinanzierung zur Sanierung der Eisenbahnkreuze Möderitzer und Dargelützer Weg verabschieden."

Während die Geschäftsleitung der Ola (Ostseeland Verkehr) mit ihrer Bewertung der Lage noch die Ergebnisse der momentanen Verhandlungen zwischen beteiligten Unternehmen und der Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern mbH (VMV) abwarten will, geht die Odeg in die Offensive. "Für uns ist definitiv noch nicht aller Tage Abend", sagt Arnulf Schuchmann, Sprecher der Geschäftsführung. Die Politik habe die Not, ein Budget zusammenzubringen, um die anfallenden Netzkosten zu decken. Und damit habe sie ein Problem. "In dieser Phase Züge, Strecken und Zeiten zu benennen, ist in meinen Augen blödsinnig." Es werde umfangreiche Kürzungen und Einsparungen geben müssen, sagt Schuchmann, nur anders als die VMV sie reichen will, und auch anderswo. Möglicherweise werden diese Einsparungen auch nicht ohne personelle Einschnitte gehen. Wo diese gegebenenfalls erfolgen und wie viele Beschäftigte davon betroffen seien, könne momentan nicht gesagt werden. Die Odeg wolle qualifizierten Mitarbeiter Job-Alternativen in anderen Bereichen bzw. auf anderen Strecken bieten.

Schuchmann: "Wir haben unsere Vorschläge gemacht und hoffen, dass sie von der VMV unterstützt werden." Mit einer Bereinigung der jetzigen Situation rechne das Unternehmen, das in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert, in etwa zwei Wochen.

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