Parchim : Babys brabbeln nicht alle gleich

Volles Haus: Zur Vorlesung über kindlichen Spracherwerb kamen rund hundert Schüler. Fotos: F. Gutt
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Volles Haus: Zur Vorlesung über kindlichen Spracherwerb kamen rund hundert Schüler. Fotos: F. Gutt

Start ins Herbstsemester bei der Parchimer Nachwuchsakademie/ Rostocker Professorin referierte über frühkindlichen Spracherwerb

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28. September 2017, 21:00 Uhr

Zum Sprechen braucht es mehr als eine schnelle Zunge. Das Zusammenspiel von Gehör, Gehirn, Lunge, Stimmbändern und Mund macht die verbale Kommunikation überhaupt möglich. Der Spracherwerb, also die natürliche Entwicklung zum Sprechen, fängt bereits im Mutterleib an. Wie aus dem Brabbeln eines Säuglings die spätere Dialogfähigkeit von Erwachsenen werden kann, erklärte am Mittwoch die Logopädin Prof. Annette Fox-Boyer vor etwa hundert Schülern des Parchimer Gymnasiums.

Erfolgreicher Start in das neue Semester der Parchimer Nachwuchsakademie (Panak): Bis auf den letzten Platz war das Atrium des Gymnasiums gefüllt, als um 14 Uhr die Vorlesung mit dem Vorwort des Panak-Gründervaters Prof. Dr. Bernd Klausch begann. Er sprach über die Entstehungsgeschichte der Sprache beim frühen Menschen. „Es gibt Hinweise, dass die Sprache im Südwesten Südafrikas, im heutigen Namibia, entstand“, so Klausch zur Frage, woher Sprache kommen könnte. „Überall auf der Welt sprechen Mütter mit ihrem Baby – obwohl die doch gar nicht antworten können. Doch Kinder besitzen die angeborene Fähigkeit des Spracherwerbs“, sagte er und übergab dann an die Gastdozentin Annette Fox-Boyer, die von der Europäischen Fachhochschule Rostock in die Eldestadt kam. Sie ist Expertin auf dem Gebiet von Diagnostik und Therapie kindlicher Aussprachestörungen.

Den Vortrag, den die Akademikerin von der Küste vor den Parchimer Jugendlichen der Klassen 7 bis 10 hielt, wertete sie mit vielen, interessanten Hör- und Videobeispielen auf. Die Juniorstudenten sahen ein Video, in dem ein zwei Stunden alter Säugling weint und eine Hand das Kind tröstend streichelt. Im Anschluss erzählte die Referentin: „Babys schreien nicht alle gleich. Französische Babylaute unterscheiden sich von deutschen Lauten.“ Grund hierfür sei, dass sich Kinder bereits im Mutterleib die Sprachmelodie ihrer Eltern aneignen, da sie ab der sechsten Schwangerschaftswoche mithören können. Demzufolge kommuniziert das Baby bereits kurz nach seiner Geburt ansatzweise in seiner Muttersprache, da es den Sprachrhythmus seines Umfelds imitiert.

Im Verlauf der Veranstaltung erklärte Annette Fox-Boyer, dass die größten Sprünge beim Spracherwerb in den ersten drei Lebensjahren passieren: „Diese rasante Entwicklung ist von vielen Voraussetzungen abhängig.“ Die Dozentin empfahl abschließend: „Sich mit den Kleinen zu unterhalten, ist eine sehr interessante Erfahrung.“

Das Herbstsemester an der Panak ist vielversprechend: in den kommenden Monaten geht es um Dinosaurier, den Sternberger Kuchen sowie um die Theorie, ob es ein Anfang und ein Ende des Weltalls gibt. Die Exkursion führt nach Rostock. Neben der Astronomischen Uhr besuchen die Teilnehmer den Zoo.

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