Entscheidung gefallen : AWG stellt Weichen in Parchim neu

Erhard Vick, Geschäftsführer der ABS Parchim, wickelt das Unternehmen nun ab. Fotos: W. Pätzold
Erhard Vick, Geschäftsführer der ABS Parchim, wickelt das Unternehmen nun ab. Fotos: W. Pätzold

Nach Fusion der Wohnungsgenossenschaften werden Geschäftsfelder überprüft / Tochterunternehmen ABS wird abgewickelt

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24. März 2015, 13:08 Uhr

„Es ist traurig, aber unvermeidlich“, sagt Norbert Karsten, Vorstandsvorsitzender der AWG Güstrow-Parchim. „Das Abenteuer ABS Parchim muss so schnell wie möglich beendet werden. Für uns hat Priorität, weitere Verluste zu vermeiden.“ Der Vorstand der AWG hat hat bereits vor Wochen die Reißleine gezogen und das Aus für die Tochterfirma ABS besiegelt. Im Sommer 2012 hatte die Parchimer Wohnungsgenossenschaft PWG – die  im Vorjahr  mit der AWG Güstrow fusioniert ist – die komplette Beschäftigungsgesellschaft ABS Parchim überraschend übernommen. Damit sollten einerseits Projekte in Kooperation mit dem Jobcenter weitergeführt und andererseits der Servicebereich der Wohnungsgenossenschaft neu gestaltet werden. „Es war eine gut gemeinte Idee, die letztendlich betriebswirtschaftlich nicht umsetzbar war. Geändert haben sich vor allem die arbeitsmarktpolitischen Rahmenbedingungen. ABM waren politisch nicht mehr gewollt “, gibt Norbert Karsten zu bedenken. Inzwischen sei nicht nur rund die Hälfte des Betriebsvermögens der ABS verbraucht worden, sondern auch Verluste in sechsstelliger Höhe aufgelaufen. Nun käme es darauf an, das Inventar und das Grundstück möglichst bald zu veräußern, um weiteren Schaden von der AWG abzuwenden. Für die Abwicklung, die bis Jahresende abgeschlossen sein soll, ist der bisherige ABS-Geschäftsführer Erhard Vick zuständig. „Es gibt erfreulicherweise Interessenten“, sagt er.

 Mit der ABS geht in der Kreisstadt eine Ära zu Ende. 1992 war sie als eine der ersten Beschäftigungsgesellschaften aus der Taufe gehoben worden, um vor allem frühere Mitarbeiter des Hydraulikwerkes aufzufangen. Die Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur war überaus erfolgreich. In zwei Jahrzehnten haben hier mehr als 3000 Frauen und Männer einen Job auf Zeit gefunden und mit anspruchsvollen Projekten die Stadt und die Region voran gebracht. Dazu gehören der Ausbau des Pingelhofes, viele Tourismus- und Umweltprojekte, die Ausgestaltung des Buga-Außenstandortes Parchim, die Vorbereitung der Sanierung der großen Kirchen, der Aufbau der Elde-Flotte mit vier Schiffen und die Bewirtschaftung des Wasserwanderrastplatzes am Fischerdamm. „So wie zugesagt, werden wir den Hafen in der bevorstehenden Saison ebenso wie die Ausflugsschiffe Elde-Queen und Räuber Vieting noch einmal übernehmen. Danach ist aber auch bei diesen für eine Wohnungsgenossenschaft artfremden Betätigungsfeldern definitiv Schluss“, stellt Norbert Karsten klar. „Wir sind unseren Mitgliedern verpflichtet, ihnen gutes und sicheres Wohnen zu bieten. Darauf müssen wir unsere tägliche Arbeit ausrichten“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Ihm sei wichtig, dass die AWG Güstrow-Parchim sich zur Kreisstadt bekennt. „Deshalb kommt vieles auf den Prüfstand. Wir leben in der Marktwirtschaft und werden nur zukunftssicher, wenn wir uns auf die Vermietung konzentrieren und diese professionell betreiben“, betont Karsten.

Neben der Abwicklung der ABS, rückt auch der Leerstand von AWG-Wohnungen in Parchim in den Fokus. „Rund acht Prozent Leerstand sind im Vergleich mit der Situation in Güstrow, wo nur bis zu 3,5 Prozent der Wohnungen nicht bewohnt sind, völlig unbefriedigend. Da kommen wir an einem Rückbau nicht vorbei. Dies wird die Parchimer Weststadt betreffen. Wir werden das mit betroffenen Mietern gründlich besprechen und vorbereiten“, verspricht der Genossenschaftsvorsitzende. Schon am kommenden Sonnabend (28. März) gibt es dafür am Tag der offen Tür Gelegenheit, um am Verwaltungssitz der AWG am Ostring 20 ab 9 Uhr das Gespräch zu suchen.

Ein weiteres Themenfeld ergibt sich für die AWG in Parchim aus dem demografischen Wandel. In Güstrow gibt es bereits 200 altersgerechte Genossenschaftswohnungen. In Parchim ist der Nachholebedarf groß. „Wir wollen auf diesem Gebiet vorankommen und uns nicht mehr auf Nebenschauplätze  verzetteln, sondern beispielsweise in der Parchimer Innenstadt investieren. Das ist für die AWG eine Herausforderung“, sagt Norbert Karsten. Neu geregelt wurde inzwischen auch die so genannte Geschäftsbesorgung für die Wohnungsgenossenschaft in Grabow. Seit 2007 hatte sich die frühere PWG hier engagiert.  Seit  Anfang März  ist Erhard Vick  dort als hauptamtlicher Vorstand für rund 350 Mieter in 399  Wohnungen zuständig. Die Wohnungsgenossenschaft „An der Elde eG Grabow“ ist  eigenständig.

Die Zusammenarbeit mit dem Förderverein „Uns Hüsung“ liegt dem AWG-Vorstand sehr am Herzen. „Wir wollen die Geschäftsbeziehungen transparent gestalten und ein normales Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen herstellen. Alles, was wir anbieten, muss hinsichtlich der Kosten, der Organisation und der Zielgruppen sinnvoll sein und ökonomisch funktionieren“, gibt Norbert Karsten zu bedenken. 

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