zur Navigation springen
Parchimer Zeitung

23. Oktober 2017 | 23:05 Uhr

Parchim : AWG-Fusion bleibt steiniger Weg

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Vorstand und Aufsichtsrat informieren Mitglieder über akute Probleme / „Nebenkriegsschauplätze“ belasten Betriebsergebnis

von
erstellt am 13.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Als Familie G. (Name der Redaktion bekannt) vor wenigen Tagen Post von ihrer Wohnungsgenossenschaft bekam, wurde sie hellhörig. Da ist zu lesen: „Es hilft kein Drum-Herum-Reden. Wir müssen die Probleme, die wir feststellen und die durch Mitglieder und ehemalige Mitglieder an uns herangetragen werden, klären“. Und der u.a. vom Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Manfred Müller und Vorstand Norbert Karsten unterschriebene Brief, der auch unserer Redaktion vorliegt, stellt klar: „Schon heute lässt sich einschätzen, dass das Betriebsergebnis 2015 wieder negativ beeinflusst wird“. 15 Monate nach der Fusion der AWG in Güstrow mit der PWG in Parchim zur Allgemeinen WohnungsbauGenossenschaft Güstrow-Parchim und Umgebung eG ist die Anfangseuphorie verflogen. Schon im Frühjahr hatte Norbert Karsten als Vorstand klar gestellt: „Vieles kommt auf den Prüfstand. Wir leben in der Marktwirtschaft und werden nur zukunftssicher, wenn wir uns auf die Vermietung konzentrieren und diese professionell betreiben“. Daran hat es offenbar in der Vergangenheit unter der Fahne der PWG gemangelt. Als Beispiel wird in dem Schreiben an die Mitglieder die Betriebskostenabrechnung für das Jahr 2014 genannt. Später als gehofft, wurden die Berechnungen fertig. „Trotz aller Bemühungen ist es uns nicht gelungen, diese eher abzuschließen. Wir stoßen immer wieder auf Zusammenhänge, die ihren Ursprung in der Zeit vor der Verschmelzung haben und nachgearbeitet werden müssen“. Auf Nachberechnungen für 2012 und 2013 wolle man aber verzichten. „Es ist jedoch die Verpflichtung für uns als Vorstand, darauf zu achten, dass alle Betriebskosten nach den gesetzlichen Bestimmungen erfasst werden, eine faire Abrechnung gegenüber den Mitgliedern erfolgt und die Genossenschaft keinen Schaden nimmt“, betonen die nunmehr Verantwortlichen.

Der frühere PWG-Chef hat inzwischen sein Vorstandsmandat niedergelegt. „Dieses halten wir für eine logische Konsequenz“, betonen Aufsichtsrat und Vorstand. Als Beispiel für „Fehlleistungen“ wird das Projekt „Balkone in der Ringstraße 1-2 und 6-7“ genannt. Dafür hatte der frühere PWG-Chef nun als Projektverantwortlicher der AWG persönlich den Hut auf. „Neben Fehlinformationen gab es Gefährdungen für die dort Wohnenden.“ So wurden zwar Türen eingesetzt, aber auf die Balkone mussten die Betroffenen ohne zwischenzeitliche Sicherung warten.


„Uns Hüsung“ bleibt ein Problemfall


Ein besonders brisanter „Nebenschauplatz“ ist weiterhin die Zusammenarbeit mit dem Verein „Uns Hüsung“. Der juristisch eigenständige Verein hat 331 Mitglieder. Nur 81 sind selbst Mitglied in der AWG. „Die innere und äußere Ordnungsmäßigkeit des Vereins lässt zu wünschen übrig. Keines der Mitglieder – selbst der Vereinsvorsitzende – hat eine Übersicht zu aktuellen Fragen der Satzung“, hat eine Prüfung der inneren Strukturen ergeben. Die Genossenschaft hat seit Gründung des Vereins drei Begegnungsstätten kostenlos zur Verfügung gestellt, Betriebskosten, Telefon und die Reinigung finanziert und die Vergütung des Vereinsvorsitzenden übernommen. „Die soziale Arbeit soll auch weiterhin ein Markenzeichen unserer Genossenschaft bleiben. Es stellt sich aber die Frage, ob für 81 Mitglieder der jährliche Aufwand in derzeitiger Höhe gerechtfertig ist“, meint die AWG-Führungsspitze.

Für viele überraschend hatte die PWG 2012 – und damit vor der Fusion – die Beschäftigungsgesellschaft ABS Parchim inklusive der Eldeflotte komplett übernommen. „Das Abenteuer ABS Parchim muss so schnell wie möglich beendet werden. Für uns hat Priorität, Verluste zu vermeiden“, so AWG-Vorstand Norbert Karsten im Frühjahr. Ob die erhofften Erträge im Zuge der Abwicklung erzielt werden, ist fraglich. Insider gehen davon aus, dass beispielsweise die dazu gehörenden Schiffe der Eldeflotte zu hoch bewertet wurden. Fest steht bereits, dass die AWG im kommenden Jahr auch den Hafen am Fischerdamm nicht mehr bewirtschaften wird.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen