Magna-Konzern : Autozulieferer schließt Werk Parchim

Magna-Konzern verlagert Produktion nach Polen. 130 Mitarbeiter sind betroffen.

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26. September 2019, 16:05 Uhr

Hiobsbotschaft für Dutzende Arbeiter: Der Autozulieferer Magna Car Top Systems schließt sein Werk in Parchim und verlagert Teile der Produktion nach Polen. Die in MV produzierten Komponenten für Dachsysteme seien am Markt nicht mehr nachgefragt, begründete Magna-Europa-Sprecher Rej Husetovic gestern die Entscheidung des börsennotierten Unternehmens.

Die Aufträge seien rückläufig, so dass das Werk „langfristig nicht zu halten“ sei. In Parchim hat Magna bislang Bewegungselemente und Verschlusssysteme für Cabriodächer produziert. Von der Schließung des Standortes seien 130 Mitarbeiter betroffen, sagte Husetovic. Inzwischen seien Sozialplanverhandlungen angelaufen. Magna prüfe zudem, ob betroffenen Mitarbeitern an anderen Konzern-Standorten Stellenangebote unterbreitet werden könnten.

Belegschaft wurde informiert

Zuvor war nach Informationen der Gewerkschaft IG Metall die Belegschaft informiert worden. Das Werk solle im Mai dicht gemacht werden. Die Entscheidung kam überraschend. Bislang galt das Werk als profitabel. Magna habe in Parchim über Jahre auf niedrigem Lohnniveau produzieren lassen, kritisierte IG-Metall-Geschäftsführer Stefan Schad. Jetzt ziehe der Konzern einfach nach Polen weiter und lasse langjährige Mitarbeiter im Regen stehen.

Indes schaltet sich auch das Wirtschaftsministerium ein: Sollte es zu einer Standortschließung oder -verlagerung kommen, wäre dies bedauerlich, sagte Sprecher Gunnar Bauer. Das Ministerium habe Kontakt zum Unternehmen aufgenommen. Fördermittel aus der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur seien nicht geflossen.

Sind höhere Lohnforderungen schhuld?

Während Magna die Werksschließung mit Auftragsrückgängen begründet, wird vor Ort vermutet, dass auch höhere Lohnforderungen zur Aufgabe des Standortes geführt hätten. Erst im Frühjahr hatte die IG Metall Magna Car Top Systems zu Haustarifverhandlungen aufgerufen, um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Die Verhandlungen seien später abgebrochen worden, sagte Schad. Wie es hieß, habe Magna stattdessen eine Betriebsvereinbarung mit dem Betriebsrat für fünf zusätzliche Urlaubstage abgeschlossen. Von einem Zusammenhang mit den Lohnverhandlungen will Magna indes nichts wissen. Entsprechende Vermutungen wies Konzern-Sprecher Husetovic zurück.

Der in New York und Toronto börsennotierte Konzern ist einer der größten Automobil-Zulieferer. Die Firmengruppe lässt nach eigenen Angaben in 347 Produktionsbetrieben und 92 Produktentwicklungs-, Engineering- und Vertriebszentren in 28 Ländern fertigen – u. a. Elektronik, Allradsysteme, Getriebe, Sitzsysteme und Karosseriestrukturen. Der Konzern beschäftigt weltweit 168 000 Mitarbeiter.

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