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Fotokunst in Parchim : „Aus Liebe zu meiner Heimatstadt Parchim“

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Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Foto-Urgestein Willy Voß stellt Bilder aus sieben Jahrzehnten fürs neue Museum zur Verfügung. Historische Aufnahmen digitalisiert. Der ungeschminkte Blick

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erstellt am 13.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Wer das Heimatmuseum in der Lindenstraße 38 besucht, kann es nicht übersehen. Alle Ausstellungsräume sind prall gefüllt und fast täglich kommen neue Exponate dazu. Am vergangenem Wochenende konnten sich die Besucher der Jahresauftaktveranstaltung davon überzeugen, dass das kleine Museumsteam seine Hauptaufgabe, das Sammeln historischer Exponate, Dokumente und Bücher sehr ernst nimmt. „Die meisten Räume tragen inzwischen Magazincharakter, weil es kaum noch Platz im Fundus gibt. Nach dem Verkauf eines angrenzenden Gebäudes wurde der Platz zum fachgerechten Einlagern von wertvollen Stücken der Vergangenheit noch kleiner“, beklagt der langjährige Museumschef Wolfgang Kaelcke die Situation.

Doch eine Lösung ist bereits in Sicht. Längst ist der Grundsatzbeschluss gefallen, dass das Parchimer Museum umziehen wird. In der früheren Eldemühle, die zur Kunstmühle und Theaterstandort umgebaut werden soll, wird auch das Museum eine neue Heimatstatt finden. Im Haushalt für das Jahr 2017 hat die Stadt für die „Verlegung“ bereits die stattliche Summe von 2,5 Millionen Euro eingeplant. Bis ins Jahr 2018 kostet dieses Vorhaben der Stadt rund fünf Millionen Euro (wir berichteten). Aber nicht alleine das Geld, sondern auch Ideen für die künftige inhaltliche Ausgestaltung des Parchimer Museums sind nun gefragt.

Zehntausende Fotos inzwischen digitalisiert

 

„Aus Liebe und Verbundenheit zu meiner Heimatstadt Parchim möchte ich meine Bilder und Fotobücher dem Museum am neuen Standort zur Verfügung stellen“, so Willy Voß in einem Brief an Parchims Bürgermeister. Kein zweiter hat die Geschichte Parchims so umfangreich mit Fotoapparat und Filmkamera dokumentiert, wie der 77-Jährige. Im Rathaus traf das auf offene Ohren und die Freude ist groß: „Wir werden die Einbindung in das neue Museumskonzept prüfen“. Auch wenn es derzeit noch nicht möglich ist, Umfang und Form der Präsentation von Fotos klar zu umschreiben, ist Foto-Urgestein Willy Voß gut vorbereitet. „Die meisten meiner Fotos sind inzwischen digitalisiert und damit für Multimedia-Präsentationen bestens geeignet“, sagt der leidenschaftliche Fotograf. Hinzu kommt, dass Willy Voß seit frühester Jugend nicht nur fotografiert, sondern als Technik-Freak inzwischen bereits 1500 Fotoapparate, Zubehör und Schmalfilmkameras gesammelt hat. „Ich komme einfach an keiner alten Kamera vorbei“, sagt er und könnte sich vorstellen, dass das eine oder andere Exponat als Leihgabe die Fotopräsentation ergänzen könnte.

Vor sechs Jahren hat Willy Voß im Museum seine vorerst letzte große Fotoausstellung mit dem Titel „QuerBeet“ gezeigt. Das Interesse war riesengroß. Zu sehen war alles, was ihm seit 1952 vor die Kamera gekommen ist. Fein aufgezogene schwarz-weiß Bilder, die Voß als junger Bauernsohn in Stolpe aufgenommen hat, farbenfrohe mecklenburgische Landschaftsmotive und Porträts vieler Parchimer, die ihm im Alltag vor sein Objektiv kamen, waren zu sehen. Seine Fotos sind vor allem der ungeschminkte Blick auf die Realität. Und das macht offenbar den Reiz der Lichtkunst von Willy Voß aus, die auch aus Sicht der meisten Historiker für jedes anspruchsvolle Museum unverzichtbar sind. Nicht selten ist der Fotograf mit allzu nüchternen Fotos aus dem DDR Alltag angeeckt. „Schönmalerei ist nicht mein Ding“, gibt er unumwunden zu. Willy Voß hielt die historischen Tage der Wende in Parchim mit der Kamera fest und sorgte auch damit für unwiederbringliche historische Dokumente.

In der jüngeren Vergangenheit hat sich für den Fotografen, der in der Dunkelkammer mit Entwickler, Fixiersalz, Vergrößerungsapparat und Fotopapier bestens auskennt und so manche Ausstellung seines Fotozirkels, den er seit 1972 auch geleitet hat, einiges geändert.

„Die neue Technik bietet ungeahnte Möglichkeiten. Es macht mir Spaß, mit alten und neuen Fotos dieses Potenzial auszuschöpfen“, meint er, fährt den Computer hoch und bearbeitet Einzelaufnahmen zu eindrucksvollen Panoramafotos seiner Heimatstadt. Alleine im zurückliegenden Jahr hat Willy Voß sieben Fotobücher, darunter über die Eisbahngeschichte und die Kreisstadt, in kleiner Auflage herausgegeben.

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