Platschow : Auge in Auge mit den ganz großen Tieren

Fühlt sich bei den grauen Riesen richtig wohl: Tierlehrerin Nadja Kröplin
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Fühlt sich bei den grauen Riesen richtig wohl: Tierlehrerin Nadja Kröplin

Den Traumberuf im Zirkus gefunden: Nadja Kröplin blickt auf 40 Jahre in der Manege und drei Jahrzehnte als Tierlehrerin mit Elefanten zurück

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08. Juni 2018, 12:00 Uhr

Sie verstehen sich auf den ersten Blick. Wenn sich Nadja Kröplin den grauen Riesen nähert, flattern die mit ihren Ohren, trompeten kurz und nehmen mit den magisch wirkenden Augen Kontakt auf. Sekunden später hat die zierliche Frau ihren Lieblingsplatz auf Timbas Rüssel eingenommen. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, ist sich Nadja Kröplin, Schwägerin des international bekannten Tierlehrers Sonni Frankello, der mit der Familie seit der Jahrtausendwende den Elefantenhof in Platschow an der Landesgrenze zu Brandenburg betreibt, sicher. Seit 30 Jahren tritt die heute 53-jährige Tierlehrerin mit Elefanten auf. Mitte der 1980er Jahre waren graue Riesen in die Zirkusfamilie Frankello gekommen. „Ich war auf meine Mutter, die im Elefanten-Ballett in der großen Show auftrat, sogar ein wenig eifersüchtig. Jede freie Minute habe ich genutzt, um Timba, die seit 1984 zur Familie gehört, ganz nah zu sein“, erzählt sie. Fotos aus jener Zeit, die Nadja als junges Mädchen mit Gummistiefeln beim Elefantenfüttern zeigen, werden im Familienarchiv gut bewahrt. Geduld war gefragt, bis Nadja ihrem Ziel, selbst mit Elefanten in der Manege aufzutreten, näher kam. Zunächst durfte die junge Frau die grauen Riesen vor der Zaubershow im Chapiteau einreiten. Da gab es noch kein Publikum, das zuschaute und applaudierte. Vor 30 Jahren war es dann soweit. Der Familienzirkus war in Skandinavien unterwegs. Die 23-Jährige war zusammen mit ihrem Schwager in der Show zu erleben. „Es waren tolle Zeiten. Die Zirkusbesucher in Dänemark, Schweden und Norwegen haben uns in immer bis auf den letzten Platz gefüllten Vorstellungen gefeiert“, so die Tierlehrerin aus Leidenschaft.

Geboren ist Nadja „zwischen zwei Vorstellungen“, wie sie voller Stolz erzählt. Ihre Eltern waren mit dem seinerzeit berühmten Zirkus Busch-Roland in der Welt unterwegs. Die Mutter hatte dort einen festen Platz als Show-Girl und der Vater galt als Tierexperte. „Für das Leben einer Zirkusfamilie war das ziemlich normal. Andere Kinder haben uns oft beneidet, dass wir mit kleinen und großen Tieren aufgewachsen sind“, weiß Nadja noch sehr genau. Sie gehörte mit zu den ersten Kindern, die in eine eigene Zirkusschule gingen. Nach dem Unterricht war Nadja in der Nachmittagsvorstellung als Verkäuferin fürs Tierfutter fest eingebunden. „Pro Portion verkauftem Futter bekam ich einen Pfennig für die Sparbüchse.“ Doch der schönste Lohn war für das fröhliche Mädchen, wenn sie am Ende der Kindervorstellung ihren Spagat zeigen durfte und dafür jede Menge Applaus bekam. An Nadjas 13. Geburtstag, der auf den ersten Weihnachtstag fiel, hatte ihr Vater eine weitere Überraschung: Ab sofort durfte das zirkusbegeisterte Mädchen ganz offiziell in der Show auftreten. Ein schwarzes Abendkleid und Plateauschuhe, die die Größe kaschieren sollten, gehörten dazu.

Nadja gehörte nun zum Ensemble. Tourneen führten in die Schweiz, nach Dänemark, Schweden und Norwegen. Unvergessen sind die Begegnungen mit der Königsfamilie in Dänemark, die die Elefanten sogar auf den privaten Rasen eingeladen hatten. Die Wende brachte auch die Zirkuswelt in Turbulenzen. Frankellos mussten ihr Winterquartier in Niedersachsen aufgeben und wurden in Mecklenburg fündig. „Platschow hat mir auf Anhieb gefallen. Die schöne weite Landschaft und die netten Leute machten uns Mut, hier richtig durchzustarten“, meint Nadja. Zusammen mit ihrem Schwager bekam sie vom Publikum und Tierlehrerkollegen viel Anerkennung. Einer der Höhepunkte war der Auftritt beim Internationalen Zirkusfestival in Monte Carlo. Als Frankellos mit einer Elefantendressur aus den Händen von Prinzessin Stefanie von Monaco den zweiten Preis überreicht bekamen und damit den Wipfel des Zirkusolymp bestiegen hatten, ging der größte Traum in Erfüllung.

Auf dem Elefantenhof in Platschow, der seit 13 Jahren in den Sommermonaten jeweils Ziel von mehr als 40 000 Besuchern aus nah und fern ist, steht Nadja nicht nur mit den Elefanten, sondern auch mit ihren gelehrigen Laufenten und dem Ponny im Rampenlicht. Und die Herausforderungen werden nicht kleiner. Im Winter soll es hier erstmals einen Weihnachtszirkus geben. Nadja freut sich darauf schon sehr.

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