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Verkehrsbelebung in Parchim : Aufschwung in der Langen Straße

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Seit Jahresbeginn gilt in Parchims Altstadt für den bislang als "Fußgängerzone" deklarierten Abschnitt der Langen Straße eine neue Verkehrsregelung, welche eine von vielen gewünschte Belebung zum Ziel hat.

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erstellt am 17.Feb.2012 | 05:20 Uhr

Parchim | Seit Jahresbeginn gilt in Parchims Altstadt für den bislang als "Fußgängerzone" deklarierten Abschnitt der Langen Straße eine neue Verkehrsregelung, welche eine von vielen gewünschte Belebung zum Ziel hat. Für Donnerstagabend waren 70 betroffene Anlieger des gesamten Straßenzuges schriftlich zu einem ersten Erfahrungsaustausch eingeladen worden.

Am langen Tisch im Beratungsraum 301 im Stadthaus taten schließlich knapp 20 Gewerbetreibende und Anwohner den gastgebenden Vertretern der Stadt Parchim und des Unternehmerverbandes ihre ersten Eindrücke nach sechs Wochen tagtäglicher Praxis kund. Und diese waren, sowohl nach den mündlichen als auch den drei schriftlichen Wortmeldungen zu schließen, überwiegend positiv.

Arnold Hessmann von der Moltke-Apotheke beispielsweise registrierte deutlich mehr Kundschaft, welche die nun gegebene Möglichkeit nutzte, mit dem Auto direkt am Geschäft vorzufahren, um ein- bzw. auszuladen, was sich wiederum in der umgesetzten Warenmenge niederschlägt, die früher längere Wege zu Fuß hätte getragen werden müssen. Hessmann beobachtete vor allem auch ältere Leute, die sich mit dem Taxi hierher chauffieren ließen, um anschließend noch benachbarte Geschäfte zu besuchen. Brigitte Kratky vom gleichnamigen Friseursalon vis-a-vis der St. Georgenkirche bestätigte dies u.a. auch für "Kundschaft von Außerhalb".

Für eine "Belebung" sprechen laut Fachbereichsleiter Holger Geick auch die Messergebnisse der automatischen Verkehrszählung, welche über den kurzen Zeitraum und wegen nicht optimaler Auswertungsmöglichkeiten allerdings noch längst nicht repräsentativ seien. "Daran arbeiten wir aber, denn die Stadt möchte eine belastbare Datenbasis für die in zwei Jahren anstehende Entscheidung."

Die seit der Installation des Zählkastens am 4. Januar aufgenommen Daten zeigen tageweise schwankenden Fahrzeugverkehr z.B. zwischen 371 an einem Freitag, 149 an einem Sonntag und 122 an einem Mittwoch. Laster und Transporter (knapp über 100 vor allem montags, dienstags und donnerstags) nutzten danach verstärkt auch die Stunden zwischen 9 und 18 Uhr, welche in der Fußgängerzone bislang tabu waren. Dadurch sei es insgesamt "ruhiger" geworden, meinten Anlieger vor allem in Bezug auf den früher oft chaotisch anmutenden Stau während der kurzen erlaubten Lieferzeiten.

Probleme verursachen dagegen immer wieder Zeitgenossen, die mit ihren Fahrzeugen die Lange Straße entgegen der vorgegebenen Fahrtrichtung benutzen. Das sind laut der elektronischen Statistik tagtäglich immerhin ein Dutzend oder mehr. Hierbei sowie bei anderen Rücksichtslosigkeiten wurden von den Anwesenden vor allem Radfahrer namhaft gemacht. Ein Apothekenkunde sei jüngst gar beim Verlassen des Ladenlokals durch einen Radfahrer erheblich verletzt worden, merkte Geschäftsmann Hessmann an.

An dieser Stelle stellte Holger Geick noch einmal klar, dass in der so genannten verkehrsberuhigten Zone für alle Verkehrsteilnehmer das Gleiche gelte, und zwar zwischen den gegenüberliegenden Hauswänden, unabhängig von der baulichen Ausführung etwa als Gehweg oder Fahrbahn. Gegenseitige Rücksichtnahme sei oberstes Gebot.

Bezüglich der geltenden "Schrittgeschwindigkeit" (deutlich unter 20 km/h laut Bundesgerichtshof) habe die Automatik eine reale Spanne zwischen 10 und 30 als gefahrene Geschwindigkeiten der allermeisten Benutzer der Langen Straße registriert, was von Polizei und Ordnungsamt auch toleriert werde.

Wie von den Anwesenden gefordert, versprach der städtische Fachmann, allerdings gegenüber Rasern künftig unnachgiebig zu sein.

Weil der geänderte Verkehrsfluss jedoch nur ein Aspekt der angestrebten Belebung der Langen Straße in Parchim sein kann, sei Mitwirkung der Öffentlichkeit unabdingbar. "Auch Ihre Anregungen sind gefragt", ermunterte Cordula Hohmann vom Unternehmerverband und riet jedem Parchimer, sich beispielsweise bezüglich der noch nicht beschlossenen Satzung zur Sondernutzung der öffentlichen Straßen direkt an die Stadtvertreter zu wenden.

Ein Erfahrungsaustausch zum Thema "Belebung der Langen Straße" könnte nach Hohmanns Vorstellungen vierteljährlich stattfinden.

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