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Parchimer Zeitung

19. November 2017 | 04:27 Uhr

Domsühl : Auf Spuren der Heimatgeschichte

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Siebtklässler der Regionalen „Eldetalschule“ Domsühl finden Projektpartner in Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin

Seit Februar beschäftigen sich die 32 Mädchen und Jungen der Klassen 7a und 7b an der Domsühler Eldetalschule im Unterricht mit einem Jugendbuch namens „Hanas Koffer“, das viele von ihnen sehr berührt und weiter reichende Fragen aufgeworfen hat. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Janin Schünemann, welche sie schon bei einigen Gelegenheiten mit fächerübergreifenden Projekten zu begeistern verstand, haben sich die Schüler für das aktuelle Vorhaben Partner in der Nachbarschaft gesucht.

Waren den Schulkindern bisher bei der Erkundung von Spuren behandelter Geschichte in heimatlichen Umfeld u.a. bereits das Parchimer Stadtmuseum, der Heimatbund der Kreisstadt, die Burg Neustadt-Glewe aber auch der nahe gelegene Pingelhof ausgesprochen hilfreich gewesen, so kamen ihnen diesmal die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin entgegen. Denn die von Ramona Ramsenthaler geleitete Einrichtung ist darauf eingestellt, Erinnerung an „hier verortete Geschichte“ wach zu halten.

Und die Ereignisse rund um das im Frühjahr 1945 nur zehn Wochen existente „KZ Wöbbelin“ – ein Vernichtungslager der Nationalsozialisten, in dem von etwa 5000 Häftlingen aus 20 Nationen mehr als 1000 ums Leben kamen – kommen den in besagtem Jugendbuch beschriebenen tatsächlich sehr nahe. Der Koffer, um den sich die Erzählung dreht, gehörte nämlich Hana, einem jüdischen Mädchen, das unter der Schreckensherrschaft nicht nur seine gesamte Familie verlor, sondern in eben so einem „Konzentrationslager“ ermordet wurde.

Wie die Schüler im Buch „Hanas Koffer“ wollen die Domsühler Regionalschüler nun ebenfalls auf Spurensuche gehen und erkunden, was sich in der Zeit um 1945 exakt in der Region zugetragen hat, in der sie heute zu Hause sind. „Kriegsende, Befreiung, Flucht und Vertreibung sind nicht imaginär, sondern greifbare Regionalgeschichte“ betonte Ramona Ramsenthaler im Gespräch mit Schulleiter Bernhard Weimer und regte an, dass die Schüler u.a. Zeitzeugen aus ihrem familiären Umfeld oder auch dem Gemeinwesen befragen könnten.

Der Schulleiter war gleich begeistert von den Anregungen und meinte, dass ein derartiges Projekt nicht nur über die Schuljahre 7 bis 10 systematisch von denselben Mädchen und Jungen verfolgt werden, sondern darüber hinaus nachhaltige Präsentationen der Heimatgeschichte beispielsweise in den an seiner Schule bereits angedachten „Zeitstrahl“ erbringen könnten. Zunächst aber formuliert Lehrerin Janin Schünemann einen Antrag auf Zuwendungen aus dem Initiativ- und Aktionsfonds im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ – Lokale Partnerschaften im Landkreis Ludwigslust-Parchim, damit die Domsühler Siebtklässler beispielsweise zum Projektstart noch im Mai nach Wöbbelin fahren und eventuell auch noch eine fachmännisch geführte Radtour zu Gedenkorten in Domsühl und Umgebung unternehmen können.

Da am 24. Juni die Eldetalschule wieder zu ihrem alle zwei Jahres stattfindenden „Kleinen Fest im großen Haus“ einlädt, würden die ersten von den Kids selbst erstellten Dokumentationen (Fotos, Filmchen, Plakataufsteller etc.) aus diesem Schülerprojekt sicher „ganz hervorragend“ dazu passen, freuen sich der Schulleiter und natürlich auch die Mädchen und Jungen, denen Frau Schünemann die Zustimmung zu ihrer Projektidee gleich brühwarm mitteilte. 


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