Marnitz : „Auch Uhren haben eine Seele“

Der „Rund-um-die Ecke-Uhr “ verordnet Helmut Schmidt für die Zeitumstellung eine Zwangspause.
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Der „Rund-um-die Ecke-Uhr “ verordnet Helmut Schmidt für die Zeitumstellung eine Zwangspause.

Umstellung auf Sommerzeit wird zum Kraftakt. Technikgenie Helmut Schmidt als „Uhrmacher der Ruhner Berge“ weltbekannt

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24. März 2018, 16:00 Uhr

Im Frühjahr kommen die Gartenmöbel vor die Tür und die Zeiger der Uhren rücken eine Stunde voran. Soweit so gut. Doch bei Schmidts in Leppin trifft die beliebte Eselsbrücke für die Umstellung auf Sommerzeit nur bedingt zu, wird bei einem Besuch in den Ruhner Bergen schnell klar. „Bei der Eröffnung der Gartensaison habe ich diesmal wohl die Rechnung ohne Petrus gemacht“, nimmt es Ehefrau Bärbel mit Humor. Und auch bei Helmut Schmidt, besser bekannt als „Uhrmacher der Ruhner Berge“, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Gleich nach dem Frühstück beginnt für den 69-Jährigen die Mission „Zeiger drehen“. Dafür wird er den ganzen Tag benötigen. Zum Auftakt wird sein liebstes Kind, die „Um die Ecke-Uhr“, um eine Stunde vorgestellt. „Wenn die ersten Urlauber am späten Vormittag durchs Dorf spazieren ist die Uhr der Zeit zwar um eine Stunde voraus, aber rechtzeitig auf Sommerniveau“, ist dem Meister wichtig. Weltweit bekannt wurde der Leppiner, ein Techniker aus Leidenschaft, für diese selbst erdachte und gebaute Uhrenrarität. Die Chronographen-Sensation ließ vor fast 20 Jahren aufhorchen und läuft an einer Giebelwand der Leppiner Metallwerkstatt stets sekundengenau. Dafür gab es sogar ein eigenes Hinweisschild an der Straße von Marnitz nach Ziegendorf. Auf Schmidts Hof steht außerdem die wohl größte Drehpendeluhr der Welt, ebenfalls selbst konstruiert.

Jede seiner Uhren ist ein Wunderwerk der Technik.
Jede seiner Uhren ist ein Wunderwerk der Technik.
 

Nach dem ersten Akt geht es quer durchs Wohnhaus und danach durch die Werkstatträume. Die Zahl der Zeiger, die dort um eine Stunde vorzustellen sind, hat Helmut Schmidt nicht gezählt, doch kennt die Geschichte jeder seiner Zeitmesser ganz genau. „Auch Uhren haben eine Seele“ gibt er unumwunden zu, spricht die eine oder andere persönlich an und bekommt den wohlklingenden Takt der Zeiger, Pendel und Zahnräder zurück. An einer Standuhr kommt Helmut Schmidt nicht vorbei. Das schlichte Exemplar stammt aus Frankreich und dürfte um 1750 von Schmieden gebaut worden sein. Sie haben sich mit der Inschrift „Wir sind zwei Brüder und haben versucht eine Uhr zu bauen“ verewigt. Helmut Schmidt ist von ihrer Arbeit sehr beeindruckt, hat den Chronographen liebevoll aufpoliert und hält das Erbe in Ehren. Andere hochbetagte Uhren warten noch darauf, vom Meister wieder in Gang gebracht zu werden. „Mir fehlt einfach die Zeit“, stellt er nüchtern klar.

Schon als 13-Jähriger ist der Güstrower Junge nach der Schule am liebsten zum Uhrmacher gegangen. „Die Technik faszinierte mich. Mit einer eigenen Werkstatt habe ich mir später einen Traum erfüllt“, sagt Schmidt und ist ein wenig traurig, dass er die Firmennachfolge noch immer nicht regeln konnte. Individuell gefertigte Zahnräder seien zwar gefragt, aber junge Leute beherrschen einfach nicht das Handwerk, meint der 69-Jährige.

Nachmittags geht es für Helmut Schmidt noch hoch hinaus. Auch die Kirchturmuhr im benachbarten Suckow muss vorgestellt werden.

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