Natur : Auch Igel vom Aussterben bedroht

Seltener Anblick: Ein Igelalbino, in der Parchimer Region fotografiert
Seltener Anblick: Ein Igelalbino, in der Parchimer Region fotografiert

Geschützte Tiere und Pflanzen der Roten Liste in unserer Region / Bis zu 80 Prozent aller Jungigel überleben den ersten Winter nicht

svz.de von
30. Dezember 2014, 17:41 Uhr

Der Igel (Erinaceus europaeus), den wohl jeder kennt, gehört zu den 75 Säugetierarten die in Mecklenburg-Vorpommern nachweislich vorkommen oder deren Existenz bestätigt worden ist. Der häufigste und bekannteste ist der Braunbrustigel und der wenig bekannte Weißbrustigel. Dieser ist inzwischen in MV ausgestorben oder verschollen (Rote Liste, 0).

Bekannte Fundorte gab es von der Insel Usedom. Als letzter Nachweis gilt das Jahr 1934. Als Ursache des Aussterbens wird beim Weißbrustigel (Erinaceus concolor roumanicus) Konkurrenz vermutet.

Unser Europäischer Igel, oder Braunbrustigel, wird auch Westigel genannt, weil wohl alle in Europa westlich des 13. Längengrades hierzu gehören. In der Roten Liste (RL) für die Säugetiere in Mecklenburg-Vorpommern gehört der Igel zu den Gefährdeten (3) Arten. Hierzu gehören noch weitere neun Arten (13,2%). Weitere Kategorien: stark gefährdet (6,6%), vom Aussterben bedroht (11,8%), potenziell gefährdet (11,8%), ungefährdet (34,2%) und ausgestorben (21,1%).

Die Ursachen des Rückganges sind von vielfältigen Gefährdungsfaktoren abhängig, für den Igel gilt der Verkehrstod als Hauptursache. Zwischen 100 000 und 250 000 Igel finden auf den Straßen in Deutschland den Tod, in anderen Ländern ist die Zahl ähnlich hoch. Weltweit kommen nach Schätzungen zwei Millionen Tiere unter die Räder. Ungefähr 14 Prozent der Jungigel und nur vier Prozent der erwachsenen Igel dienen natürlichen Fressfeinden als Nahrung.

Igel können ein Alter von sieben Jahren erreichen. Die durchschnittliche Lebenserwartung in der Natur liegt bei zwei Jahren, das ergaben Untersuchungen. Den ersten Winter überleben 60 bis 80 Prozent aller Jungigel nicht. Auch 20 bis 45 Prozent der erwachsenen Igel überleben kalte Winter nicht. Die Temperatur spielt dabei keine wesentliche Rolle.

Andere weitere Todesursachen sind Konkurrenz, Nachstellung, Lebensraumbelastungen, Klimaveränderungen und Lebensraumveränderungen. Diese Gefährdungsfaktoren gelten selbstverständlich auch für die anderen Säugetierarten in unserer Fauna. Der Igel ist als Kulturfolger in menschlichen Siedlungen, Gärten, Parkanlagen, auch in einer Großstadt anzutreffen. Er ist dämmerungs- und nachtaktiv auf Nahrungssuche, die aus Mäusen, Insekten, Fröschen, Schnecken, Obst, Beeren und gar Schlangen bestehen kann.

Im Garten ist der Igel sehr nützlich. Auch der Einatz von Giften in unseren Gärten sollte überlegt sein, weil sich hierdurch das Nahrungsangebot verkleinert. Für den Winterschlaf fressen sich die Tiere Fettreserven an. Einmal in der Woche unterbrechen die Igel ihren Schlaf, um zu fressen. Sein Nest ist aus Gras und Laub, meistens geschützt unter einem Reisighaufen. Er hat eine Körperlänge von 23 bis29 cm und eine Schwanzlänge von 2 bis3,5 cm. Die Zehen haben scharfe Krallen und die Stacheln eine Länge von 25 Millimetern, wenn sie aufgerichtet sind. Sie werden meistens bei Gefahr hochgestellt. Der Igel kann sich auch zusammenrollen. Ein Fuchs versucht ihn dann ins Wasser zu bekommen, wo der stachelige Geselle dann schwimmen muss und zur leichten Beute wird. Stacheln sind eigentlich umgebildete Haare und bestehen hauptsächlich aus einer Eiweißsubstanz, Keratin genannt. Ein ausgewachsener Igel hat mehr als 8000 Stacheln. In 12 bis 18 Monaten fällt ein Stachel aus und wird durch einen anderen ersetzt. Ein Albino unter den Igeln ist sehr selten, hat nicht nur weiße Stacheln, rote Augen, sondern auch eine rosafarbene Haut. Im Gegensatz dazu gibt es auch als Farbvariante den völlig schwarzen Igel. Von April bis August sind bis zwei Würfe mit zwei bis 10 Jungen möglich. Die Säugezeit beträgt 18 bis 20 Tage und Jungigel öffnen die Augen nach 14 bis 18 Tagen, um mit 40 bis 45 Tagen selbstständig zu werden. Der Jahreszyklus eines Igels beginnt von April bis zum Oktober, wenn auch unsere Gärten dann Winterfest gemacht worden sind und wir vielleicht einen Laubhaufen für unseren geschützten Igel übrig haben.

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