Bedrohte Vögel : Auch der Steinschmätzer ist bedroht

Der Steinschmätzer sitzt gern auf erhöhten Stellen.
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Der Steinschmätzer sitzt gern auf erhöhten Stellen.

Einige Tiere sind bald nicht mehr in der Region zu finden. Ein seltener Vogel nistet auf der Kuhschellendüne bei Garwitz.

svz.de von
04. Februar 2018, 05:00 Uhr

Trockenstandorte, Brachen, Ödländer und Halbtrockenrasen sind besondere Lebensräume oder Biotope. Sie sind aufgrund ihrer charakteristischen Flora und Fauna bedeutsam für die Sicherung der Biologischen Artenvielfalt. Viele dieser Lebensräume sind nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) geschützt. Dazu gehören auch gekennzeichnete Landschaftsbestandteile ‚ wie die Kuhschellendüne bei Garwitz.

Ein typischer Vertreter dieses Ökosystems ist der Steinschmätzer (Rote Liste 2 – stark gefährdet). Er gehört zu einer von weiteren 22 Brutvogelarten‚ die in MV vom Aussterben bedroht sind (11 Prozent). Ebenfalls sind hier gefährdete Vogelarten, wie der Brachpieper (RL1 – vom Aussterben bedroht), die Haubenlerche (RL2)‚ Rebhuhn (RL 2)‚ Braunkehlchen (RL 3 – ), Ortolan (RL3 gefährdet), Grauammer (RL V), Goldammer (RL Vorwarnliste) und Schwarzkehlchen zu finden.

Im Zeitraum der letzten hundert Jahre wurde eine ständige Bestandsabnahme des Steinschmätzers festgestellt. Heute wird das Tier in der Roten Liste der Brutvögel MV mit dem Gefährdungsgrad 2 geführt. Die Ursache ist der Mangel an geeigneten Habitaten oder Lebensräumen. 2003 werden in MV noch 1000 Brutpaare und 2014 in der Roten Liste 650 bis 950 Brutpaare angegeben. Im Landkreis werden 50 bis 60 Brutpaare vermutet, mit abnehmenden Bruterfolgen.

Der Steinschmätzer gehört zu den Drosselvögeln, ist etwas größer als ein Sperling und kommt im zeitigen Frühjahr, um mit der Brutbiologie zu beginnen. Als bisher frühestes Ankunftsdatum in MV wurde der 18. März bestättigt. In der Regel kommen die Steinschmätzer aber Anfang April zu ihren Brutplätzen, was lokal und wetterbedingt schwankt. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim ist die früheste Erstbeobachtung der 25. März.

Der Steinschmätzer ist wegen seiner markanten Gesichtsmaske ein nicht zu übersehender Vogel. Die Tiere haben weiße Überaugenstreifen und eine schwarze Schwanzzeichnung, die ein Kopf stehendes T bildet. Die Weibchen zeigen sich oberseits mattbraun mit schwärzlichen Flügeln und isabellweißlicher Unterseite, aber mit dem gleichen auffälligen Bürzel-und Schwanzmuster wie die Männchen. Zur Balz vollführt das Männchen im Singflug anhaltende und abwechslungsreiche Pfeiftöne. Meist sitzt der Steinschmätzer erhöht auf Steinen, Grashügeln, Kieskuhlen oder Pfählen um nach Insekten, Spinnen, Würmern und kleineren Schnecken für seine vier bis sechs Nestjungen Ausschau zu halten. Steinschmätzer gelten als Bodenvögel, doch ihr Nest findet man nicht nur dort. In verlassenen Kaninchenbauten oder am Boden, auch bis 1,50 Meter über dem Boden zwischen Steinhaufen und Holzstapeln ist das mit Federn ausgeschmückte Nest versteckt. Die Eier sind weißlich bis hellblau. Auf Siedlungsflächen, Gewerbegebieten, Golfplätzen und Flugplätzen ist Ordnung vorgeschrieben, so dass geeignete Brutplätze und Nistgelegenheiten hier immer seltener werden – auch zum Nachteil anderer gefährdeter Brutvogelarten. Die zunehmende Verbuschung und Selbstaussaat der Nadel- und Laubbäume in den Heiden und Mooren wirkt sich negativ auf den Steinschmätzer aus. Pflegemaßnahmen in diesen Habitaten müssen gut abgewogen sein, um solche gefährdeten Arten der Fauna und Flora gezielt zu fördern und schnelle Schutzmaßnahmen einzuleiten.

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