Für die große Ernte : Apfelbaum über 20 Mal veredelt

Schon an der recht unterschiedlichen Farbe der Früchte lässt sich  erkennen, dass der Apfelbaum im Kleingarten von Manfred Egerland  mehrere Sorten trägt. Rüdiger rump
1 von 3
Schon an der recht unterschiedlichen Farbe der Früchte lässt sich erkennen, dass der Apfelbaum im Kleingarten von Manfred Egerland mehrere Sorten trägt. Rüdiger rump

von
01. Oktober 2010, 11:00 Uhr

Parchim | Die ersten Äpfel von dem Baum hat Manfred Egerland im August geerntet: Klarapfel und dann Helius. Im September folgten James Grieve und Croncels. Insgesamt 130 Kilogramm hat er nach Lübz gebracht und dort gegen verschiedenste Säfte eingetauscht. Als nächste sind Herma, Gelber Köstlicher, Carola und Boskoop an der Reihe. Und alle von einem Baum, denn der trägt sage und schreibe 22 Sorten, selbst veredelt von dem passionierten Kleingärtner, der seit 1979 auch Vorsitzender des Parchimer Vereins "Vietingseck" ist.

Auf 60 Jahre oder noch mehr schätzt er den Apfelbaum. Der stand schon, als Egerland 1967 den Garten übernahm. Oder anders gesagt: die brach liegende Fläche. Damals führte dort eine Panzerstrecke der Sowjetarmee vorbei, heute die B 321 in Richtung Suckow, auf der es im Gegensatz zu damals ständig rollt. "So dicht an einer belebten Straße würde ich heute wohl keinen Garten mehr nehmen", sagt der Parchimer. Aber wer ihn derart in Schuss habe, denke darüber nicht groß nach.

Dem heutigen Wunderbaum verpasste er seinerseits erst einmal den richtigen Schnitt, "damit Licht, Luft und Sonne herankommen". Man müsse einen Hut durch den Baum werfen können, erzählt Manfred Egerland schmunzelnd. Der trage zwar weniger Früchte, die seien aber umso größer und besser. Der Apfelbaum hat eine weit ausladende Form entwickelt, eine so genannte Hohlkrone, üblich seien Spindelkronen. Und da es sich um einen Halbstamm handelt, geht er nicht riesig in die Höhe. "Ich achte darauf, dass ich alle Ecken des Baumes gut erreiche. Sonst wird er beschnitten."

Mit dem Veredeln ging es 1987 los. Croncels ist die Grundsorte des Baums, ein schmackhafter, aber kein lagerfähiger Apfel. Egerland brachte die Früchte zum Mosten nach Klein Laasch bei Neustadt-Glewe. Um weniger von dieser Sorte zu ernten, pfropfte er Herma und Boskoop auf den Baum. Der Parchimer hat sich das Pfropfen hinter der Rinde (siehe Tipp) zu eigen gemacht. "Weil das funktionierte, habe ich fast jedes Jahr weitergemacht", freut sich der erfolgreiche Kleingärtner. Leider kenne er gar nicht alle Sorten. "Ich habe sie zwar jedes Mal beschriftet, aber nicht dauerhaft, so dass manche Namen verloren gingen." Deshalb will Egerland bei der Apfelsortenschau, die der Regionalverband der Gartenfreunde Parchim-Lübz am 9. und 10. Oktober im BBM-Einrichtungshaus organisiert, nicht nur Früchte ausstellen, sondern auch welche bestimmen lassen. Dort werden zudem die älteste Apfel- und Birnensorte sowie die schwersten Früchte ermittelt. Vollreife Birnen, die dringend vom Baum mussten, hat Egerland in den Kühlschrank gelegt, damit sie sich bis nächstes Wochenende halten. Das sei schon eine besondere Sorte. Einmal habe eine Birne davon allein 720 Gramm gewogen.

Die Apfel- und Birnensorten kann jeder bestimmen lassen, ob die Früchte aus einer Kleingartenanlage oder einem Hausgarten kommen. Es müssen mehrere sein, voll ausgereift und gut erhalten. "Die Anforderungen an die Früchte, die vorgelegt werden, müssen so hoch sein, weil die Sortenbestimmung sehr schwierig ist. Ich habe mich anhand von Büchern selbst schon daran versucht, meist ohne Erfolg", räumt Egerland ein.

Im Obstanbau gäbe es die unterschiedlichsten Auffassungen wie auch immer wieder neue Erkenntnisse. Doch es bringe nichts, ständig zu experimentieren, meint der erfahrene Gartenfreund aus Parchim. Er halte sich an bestimmte Grundprinzipien und Bewährtes, besuche aber auch selbst noch Lehrveranstaltungen zum Obstbaumschnitt, wenn er sich was davon verspreche. "Das ist wie eine kleine Wissenschaft, man lernt nie aus, sondern kann nur gewinnen."

Die Obstbäume würden gute Pflege danken, weiß Manfred Egerland aus eigener Erfahrung. Er hofft, dass ihm sein Baum mit den 22 Sorten noch eine Weile erhalten bleibt, obwohl der in die Jahre gekommen und beim Sturm ein kräftiger, voll hängender Ast abgebrochen sei. Jetzt beginne die Haupternte, im Oktober ist für die meisten Sorten die Zeit zum Pflücken.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen