Musikgeschichte in Parchim : Amiga: 70 Jahre und kein bisschen leise

Geschichte trifft auf Geschichten zum Anfassen: Parchims Museumsleiter Dr. Sven-Hinrich Siemers, Torsten Sielmon vom Museum Schloss Bernburg und Schallplattensammler Tobias Meyer beim Fachsimpeln (v.l.)
Geschichte trifft auf Geschichten zum Anfassen: Parchims Museumsleiter Dr. Sven-Hinrich Siemers, Torsten Sielmon vom Museum Schloss Bernburg und Schallplattensammler Tobias Meyer beim Fachsimpeln (v.l.)

In Parchim wird Musikgeschichte auf besondere Weise lebendig: Ausstellung über das erste deutsche Schallplatten-Label Amiga

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03. März 2018, 05:00 Uhr

Diese Ausstellung wird die reinste Einladung, mal wieder im eigenen Plattenschrank zu stöbern, ein längst vergessenes Amiga-Schätzchen aus der Versenkung hervorzukramen und in Erinnerungen zu schwelgen: Mythos und Kult des ersten mit Sitz in Deutschland gegründeten Schallplatten-Labels rückt eine Schau in den Mittelpunkt, die in diesem Kultursommer gleichzeitig im Parchimer Stadtmuseum sowie im Zinnhaus zu sehen sein wird. Der genaue Termin steht zwar noch nicht ganz fest, doch die Rede ist von Juli und August.

Kurator Torsten Sielmon verspricht nicht zu viel, wenn er ankündigt: „Die Besucher erwartet eine sehr unterhaltsame musikalische Zeitreise. Das Plattenlabel Amiga hat in 70 Jahren Musikgeschichte zahlreiche Stars und Trends hervorgebracht. All das wird auf vielfältige Art nacherlebbar.“ Garniert werden die 70 modern gestalteten Bild- und Texttafeln zum Beispiel mit TV-Sequenzen von alten Schlagersendungen, Schallplattenwänden sowie persönlichen Erinnerungsstücken, u. a. aus dem Nachlass der Silly-Frontfrau Tamara Danz oder des Schlagersängers Fred Frohberg.

Von Torsten Sielmon, als Öffentlichkeitsarbeiter und Museumspädagoge im Museum Schloss Bernburg tätig, stammt die Idee zu dieser Jubiläumsschau. Ganz nebenbei möchte sie auch daran erinnern, dass die Erfindung der Schallplatte überhaupt bereits 130 Jahre zurück liegt. Inhaltlich konzipiert und verwirklicht wurde die Ausstellung mit tatkräftiger Unterstützung vom letzten Amiga-Chef Jörg Stempel. Dank unzähliger Leihgeber kamen bis hin zum ersten 1988 ausgelobten Schallplattenpreis insgesamt 3000 Einzelstücke zusammen. Die überwältigende Resonanz hat die Ausstellungsmacher voll überrascht. Auf Grund des anhaltenden Besucherinteresses wurde die seit Oktober 2017 laufende Ausstellung in Bernburg sogar noch um zwei Wochen verlängert, bevor sie nun nach Plauen und im Anschluss in die Eldestadt wandert.

Zu verdanken ist das dem neuen Leiter des Parchimer Stadtmuseums Dr. Sven-Hinrich Siemers. Er wurde bei einer Internetrecherche auf die viel beachtete Schau aufmerksam und nahm daraufhin sofort Kontakt mit Torsten Sielmon auf. Parchims Museumschef ist sich sicher: Die Besucher werden diese Ausstellung mögen. „Wenn Geschichte sich mit Geschichten zum Anfassen verbindet, dann findet ein emotionaler Zugang statt“, weiß der Experte, der auch selbst Schallplattensammler ist und nun Neuland betritt: Derzeit erschließt er sich ganz privat mit großer Entdeckerfreude die angesagtesten Amiga-Legenden. Sven-Hinrich Siemers wuchs im anderen Teil Deutschlands auf. Aus den Tiefen des Museumsfundus förderte er schon mal als kleinen Vorgeschmack auf die Ausstellung u. a. eine Musikbox aus DDR-Produktion sowie einen leider nicht mehr reparierbaren Loch-Plattenspieler ans Tageslicht.

Natürlich schwingt jetzt bei Siemers die große Hoffnung mit, dass in den nächsten Monaten so mancher Besucher zu ihm ins Museum in die Lindenstraße findet, zu einer besonderen Rarität gleich eine persönliche Erinnerung mitbringt und auf diese Weise zum Teil der Ausstellung wird.

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