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Lehrgrabungen Groß Pankow : Alter erforscht, Geheimnis bleibt

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Hamburger Archäologiestudenten beenden sommerliche Lehrgrabungen. Professor sehr zufrieden

Geschlagene vier Wochen lang hat Felicitas Göhrke nun im sandigen Boden gebuddelt und dabei „eine Überraschung nach der anderen“ erlebt. Dabei war die Master-Studierende der Archäologie keinesfalls zur Erholung im schönen Mecklenburg, sondern absolvierte mit tatkräftiger Unterstützung „jüngerer Jahrgänge“ ihre erste eigenständige Untersuchung als Grabungsleiterin. Diese hier bei Groß Pankow und eine weitere zeitgleich unweit von Karbow waren die diesjährigen Lehrgrabungen der vor- und frühgeschichtlichen Archäologie der Universität Hamburg.

Lehrstuhlinhaber Professor Dr. Frank Nikulka – der es sich als langjährig im heutigen MV-Landesamt für Kultur und Denkmalpflege für die Archäologie zuständiger Dezernent nicht nehmen ließ, persönlich vor Ort mitzumischen – äußerte sich zum Abschluss dieser Kampagne sehr zufrieden: „Wir haben erreicht, was wir wollten!“ Dass dabei einige wichtige Fragen der Forschung geklärt, andere dafür jedoch neu aufgeworfen wurden, liege „in der Natur der Sache“, ergänzte er schmunzelnd.

Für die Nachwuchswissenschaftlerin Felicitas Göhrke kurz vor Vollendung ihrer Master-Arbeit bedeutete dies konkret, sich „nach allen Regeln der Kunst“ (hier Methoden der archäologischen Wissenschaft) ihrem Forschungsobjekt genähert zu haben, ohne seine Geheimnisse jedoch vollständig entschlüsseln zu können.

„Wir haben es hier tatsächlich mit einem sogenannten vorgeschichtlichen Grabhügel zu tun, der sich auf Luftbildern deutlich abzeichnete aber inzwischen nachweislich bereits zu Beginn der mittelalterlichen Siedlungsperiode nicht mehr oberirdisch erkennbar war“, erklärte die Rothaarige, um sich gleich darauf symbolisch die Haare zu raufen.

Bei dieser Grabung sei letztlich nichts von dem Gefundenen genau das gewesen, wofür es die Ausgräber bei der Entdeckung hielten. So hätten sich etwa lehmartige Strukturen im Bereich einer sogenannten Nachbestattung nicht als Leichenreste, sondern als seltenes aber doch natürliches Phänomen erwiesen. Der für die entsprechende Expertise extra vom Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie LUNG aus Güstrow hinzugezogene Dipl. Geologe Karsten Schütze identifizierte dagegen Steinpackungen, welche ein ebenfalls nach Luftbildaufnahmen aufgespürtes Grabenwerk bei Karbow zu großen Teilen füllten, als „eindeutig antropogen“ also von Menschen gemacht.

Felicitas Göhrke ist nun gespannt, ob die von ihr geborgenen Keramikfragmente dazu ausreichen, um die Datierung der bronzezeitlichen Bestattung bei Groß Pankow weiter zu präzisieren. Auf jeden Fall ordneten sich ihre Funde in den sogenannten Nordischen Kreis ein, welcher zwischen dem 18. und 13. vorchristlichen Jahrhundert im Ostseeraum (heute MV, Schleswig-Holstein und Dänemark) siedelte – sprich: vor dreieinhalbtausend Jahren.

Rund um das selbst in ältesten Flurkarten als „Kirchhofsberg“ bezeichnete Bodendenkmal bei Karbow bleibt es dagegen weiter geheimnisvoll bis mysteriös, denn laut Prof. Nikulka wurden bisher weder Körpergräber noch Fundamente oder ähnliche Gebäudespuren entdeckt, welche man gewöhnlich im Zusammenhang mit derartigen Landmarken finde. Dafür lasse sich anhand der oben erwähnten Steinpackungen (und vor allem der darin verstreuten Zivilisationsabfälle) ziemlich exakt sagen, dass sowohl das im Vorjahr gründlich untersuchte Grabenoval als auch der neu entdeckte Ringgraben um die Hügelkuppe des „Kirchhofsbergs“ zur selben Zeit Anfang des 13. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung (nach Christi) aufgefüllt und eingeebnet wurden. Während das Oval zuvor ziemlich sicher eine Siedlung umgab, welche auch noch eine Weile im Mittelalter bestand, bleibt die Funktion des Rundgrabens mit etwa 76 Metern Durchmesser auf dem Hügel weiter „im Dunkeln“, zumal allein der Aushub aus dem V-förmigen Querschnitt von 90 Zentimetern Tiefe und 1, 5 bis 2 Metern Breite oberirdisch einen „ziemlich imposanten Erdwall gern mit Palisaden obenauf“ ergeben haben müsste, von denen aber bisher keinerlei Spuren gefunden wurden.

Eindeutig identifizieren konnte dagegen Grabungsleiter Rolf Schulze jene slawische Siedlung am Fuße des Hügels zum Gehlsbach, die seine Forschung zum sagenhaften Ort „Cesemowe“ stützt, welcher bereits in einer Urkunde von 1127 als „Wüstung“ (aufgegeben und verlassen) auftaucht. Gefundene Keramik datiert jene Siedlung auf die jüngere und sogar mittlere Slawenzeit zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert und zeigt sie damit wesentlich älter als geglaubt. Nach Lehrstuhlleiter Prof. Frank Nikulka werden die Hamburger Studenten und Wissenschaftler auch im nächsten Sommer wieder herkommen. Vielleicht ist dann ja auch schon Rolf Schulzes Doktorarbeit zum Thema spruchreif.

 


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