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Paukenschlag : Albus streicht endgültig die Segel

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Alternative Liste für Bürgernähe, Umwelt und Soziales aufgelöst / Mitgliederschwund / Vermögen geht an alternatives Jugendprojekt

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2014 | 13:11 Uhr

Was war das für ein kommunalpolitischer Paukenschlag. Bei der Kommunalwahl im Frühjahr 2004 stellt der Szenewirt Norbert Wiencke die Bewerber der etablierten Parteien mit einem grandiosen Ergebnis (1392 Stimmen) in den Schatten. Angetreten war er zusammen mit drei Mitstreitern als Spitzenkandidat für die erst wenige Wochen zuvor gegründete Wählergemeinschaft  Albus. Und deren  Name war Programm: Alternative Liste für Bürgernähe, Umwelt und Soziales. Damit konnte man auch in der Kleinstadt Parchim punkten.

Zehn  Jahre später sind die Illusionen verflogen: Fünf der zuletzt noch sieben Albus-Mitglieder beschließen am 3. April 2014 die sofortige Auflösung. „Leider sind aktive Mitstreiter immer weniger zu finden. Die ursprüngliche Albus-Mitgliedschaft hat aufgrund von Abwanderung unserer jüngeren Mitstreiter oder aus Altersgründen wichtige Kräfte verloren. Die Auflösung war somit unumgänglich“, begründet Frontmann Norbert Wiencke den drastischen Schritt.

Spätestens beim Blick in die aktuelle Bewerberliste stand fest, dass Albus zur bevorstehenden Kommunalwahl in Parchim nicht mehr antritt. Der Wählergemeinschaft war längst die Luft ausgegangen. Dabei waren acht mehr oder weniger politisch engagierte Frauen und Männer vor zehn Jahren mit dem erklärten Ziel, frischen Wind ins Rathaus zu bringen, angetreten. „Wir haben einiges erreicht und in der Lokalpolitik und Verwaltung Spuren hinterlassen“, gibt sich Norbert Wiencke selbstbewusst. Zu den größten Albus-Erfolgen zählt der bisherige Chef, dass ihr oberstes Anliegen, mehr Transparenz zu schaffen, sich zumindestens in einigen Köpfen verankert habe. „Da besteht allerdings noch viel Entwicklungspotenzial. Vielleicht erfasst dies eines Tages sogar den zeitweiligen Ausschuss, der den von Albus auf den Weg gebrachten Bürgerhaushalt ins Laufen bringen soll“, meint Wiencke. Stolz verweist er auf  Aktivitäten, die die Handschrift von Albus tragen. Stadtmarketing, Skaterbahn, Kinderfeste, Hilfe für Katzeninitiative, Konzepte für das Giebelhaus und die Unterstützung der Initiative „Parchim zeigt Gesicht gegen Rechts“ gehören dazu.

In der Stadtvertretung blies Wiencke & Co. heftiger Gegenwind ins Gesicht. Da gab es den Vorstoß im November 2006, mit einem Ehrenkodex der Korruption einen Riegel vorzuschieben. Einige empfanden es sogar als  „persönliche Beleidigung“. Das Ansinnen wurde parteiübergreifend abgeschmettert. Erst nach zäher Diskussion verständigte man sich 2008 auf Antrag von Albus, die Protokolle der öffentlichen Stadtvertreter- und Ausschussitzungen ins Internet zu stellen. Das von der alternativen Liste maßgeblich initiierte Stadtmarketing kostete der Stadt viel Geld und scheiterte kläglich. Gleiches droht aus Sicht der scheidenden Albus-Spitze ihrem Lieblingskind, dem Bürgerhaushalt.

In der zu Ende gehenden Wahlperiode hat Brigitte Kowalsky, die nach dem Wahldebakel vor vier Jahren für Norbert Wiencke in die Stadtvertretung kam, die Fahne für Albus hoch gehalten. Doch als Mitglied der CDU-Fraktion musste sie  enge Grenzen akzeptieren.

Brigitte Kowalsky sieht nach „spannenden Jahren“ ihre politische Zukunft im Kreisparlament. Auf Listenplatz Nummer 2 kandidiert sie für die Grünen. „Wir lagen schon immer auf der gleichen Wellenlänge. Ulrike Seemann-Katz und Andreas Katz, die heute die Grünen im Land führen, gehörten  zu den Gründungsmitgliedern von Albus“, erinnert Brigitte Kowalsky. Norbert Wiencke, der zwischenzeitlich mit den Piraten Stammtische organisiert hat, will sich als Privatperson weiter einmischen.

Das „Restvermögen von Albus“ – rund 250 Euro   –  wird  dem Verein „Alternative Jugend Parchim e.V.“ gespendet. „Auch sie haben immer mal wieder mit Widerständen aus der Verwaltung und Politik gekämpft. Und sie setzten sich gegen rechtsradikale Tendenzen ein“, sagt Wiencke. Bei einem Osterfest für Kinder sollen der Alternativen Jugend am 19. April das Geld und kleine Albus-Geschenke übergeben werden.

 

 

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