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Parchimer Zeitung

23. November 2017 | 23:25 Uhr

Erntezeit : Abschied von der Rübe in Rom

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Immer weniger Bauern in der Region bauen Zuckerrüben an. In diesem Jahr ist bei der Agrargenossenschaft in Rom die letzte Ernte.

von
erstellt am 26.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Über Jahrzehnte hat die Agrargenossenschaft in Rom Zuckerrüben angebaut. In diesem Herbst wird zum letzten Mal gerodet. Für den Betrieb lohnt sich die Hackfrucht nicht mehr. Eine ganze Reihe von Landwirten in Mecklenburg, die weit entfernt von den nächsten Zuckerfabriken wirtschaften, haben sich bereits von der Rübe verabschiedet.

„Das goldene Kalb ist lange geschlachtet“, sagt Dr. Volker Toparkus, der Chef des Agrarbetriebes in Rom. In der Vergangenheit war die Zuckerrübe eine rentable Beikultur. Zwischen 3,50 Euro und bis zu fünf Euro bekamen die Landwirte für einen Doppelzentner. Sowohl die Rübenanbauer, die nach festgelegten Quoten ablieferten, als auch die Zuckerfabriken wurden von der Europäischen Union subventioniert.

Da die Römer einen Aktienanteil an Nordzucker erworben hatten, bekommen sie in diesem Jahr für einen Teil der Ernte noch 3,50 Euro, für den anderen Teil sind es nur noch 2,30 Euro. Zudem werden jetzt nicht mehr die Transportkosten ins rund 140 Kilometer entfernte Uelzen subventioniert. Die Agrargenossenschaft hat ihre Zucker-Aktien mittlerweile verkauft. Es gibt – auch in der Region – noch Landwirte, die auf die Zukunft der Rübe bauen.

Die Agrargenossenschaft in Grebbin gehört nicht dazu. Sie hat bereits im vergangenen Jahr ihren Rübenanbau eingestellt. Die Grebbiner hatten nur Lieferrechte, die seit diesem Jahr quasi nichts mehr wert sind, aber keiner Aktien. Solche Anteile zu kaufen, kam für sie nicht in Frage, erfuhr SVZ von Juniorchef Mirko Stecker. Die hohen Transportkosten zur Zuckerfabrik nach Uelzen hätten die Bauern übernehmen müssen, so Stecker. „Je weiter man weg ist, desto schwieriger.“

1991 wuchsen die Zuckerrüben noch auf 37 000 Hektar im Land Mecklenburg-Vorpommern, jetzt sind es rund 23 000 Hektar, erfuhr SVZ von Frank Schiffner vom Landesbauernverband. Wobei allein 20 000 auf Vorpommern entfallen – rund um die einzig verbliebene Zuckerfabrik des Landes in Anklam, die von dem niederländischen Unternehmen Suiker Unie betrieben wird. Gute Nachricht für die Rübenbauern in Vorpommern: Anklam will seine Kapazität sogar noch hochfahren, sagt Schiffner.

In Mecklenburg sieht es weniger hoffnungsvoll aus: Basis für den hiesigen Rübenanbau war die Zuckerfabrik in Güstrow. Seitdem der Eigentümer Nordzucker den Standort vor zehn Jahren geschlossen hatte, haben viele Landwirte den Anbau der Hackfrucht aufgegeben. Die Ernte derjenigen, die übrig blieben, wird zum Nordzucker-Werk nach Uelzen in Niedersachsen gefahren – über 100 Kilometer weit.

Doch das lohnt sich für viele nicht mehr, seit dieses Jahr in der Europäischen Union die Marktordnung wegfiel, die Mindestpreise und Abgabemengen garantierte. Der hiesige Zucker-Markt war bis dahin abgeschottet. Dabei lagen die Preise auf dem Weltmarkt klar unter denen in Europa. Seitdem die Quote weggefallen ist, hat der Rübenanbau in Deutschland und in der gesamten Europäischen Union stark zugenommen, so Schiffner. Mindestpreise gibt es nicht mehr. „Wie bei der Milch bewegen wird uns auf dem Weltmarkt.“

Die letzte Rübenernte in Rom hat es in sich. Zu Wochenbeginn war sie gestartet, musste aber auf Grund des matschigen Bodens abgebrochen werden. Man komme derzeit mit keinem Trecker auf den Acker, sagt Toparkus. Er rechnet mit einer durchschnittlichen Ernte. Die Feuchte hat dem Wachstum gut getan, die Sonne hat gefehlt, was sich negativ auf den Zuckergehalt ausgewirkt hat.

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