Parchim : Ab Montag wird am Wall gefällt

So schön sollen die Wallanlagen auch in den kommenden Jahrzehnten wieder aussehen. Auch dafür wird gefällt.
So schön sollen die Wallanlagen auch in den kommenden Jahrzehnten wieder aussehen. Auch dafür wird gefällt.

Stadt nennt Gründe, warum 101 Bäume weichen müssen. Experten einig. Bürger sind verunsichert. Fertigstellung in einem Jahr.

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13. Januar 2018, 05:00 Uhr

Die gute Nachricht zuerst: Wenn die jahrelangen Planungen aufgehen, werden die Wallanlagen schon in einem Jahr komplett grunderneuert mit vielen alten und neuen Bäumen wieder zum Spaziergang einladen. Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille. Fest steht auch: Mit Beginn der kommenden Woche starten hier umfangreiche Fällarbeiten. Obwohl die Stadt in den zurückliegenden Monaten ihr Projekt sowohl auf Bürgerveranstaltungen und in Fachausschüssen mehrfach vorgestellt hat, war bis vor wenigen Tagen nur Insidern bekannt, dass 101 von rund 350 vorhandenen Bäumen weichen sollen. Der Aufschrei war groß. „Ich bin überaus entsetzt, was man einfach so machen kann“, brachte es Gerd Schlippe auf den Punkt und sprach offenbar vielen damit aus dem Herzen. Anrufe im Stadthaus und jede Menge Leserzuschriften an die Parchimer Zeitung folgten. Nachdem zunächst „Schweigen im Wald“ herrschte, äußert sich nun Frank Schmidt als Chef des zuständigen Fachbereiches gegenüber der Parchimer Zeitung. „Es müssen Bäume gefällt werden, aber von einem ,Kahlschlag’ kann man nun wirklich nicht sprechen. Die Zahl ist nur ein Teil der Wahrheit“, gibt Frank Schmidt zu bedenken. 101 Bäume seien nicht hundert stattliche Bäume, sondern vielfach Wildwuchs, Totholz, erkrankte Exemplare oder behindern den wertvollen Bestand“, stellt Schmidt klar. „Wir haben gründlich gearbeitet, mehrere Gutachter einbezogen sowie jede Entscheidung nach Alternativen abgewogen und dies in den Gremien beraten“, betont der Fachbereichsleiter.

Jürgen Gärtner, langjähriger Stadtvertreter und bekannt als Mann, der den grünen Daumen in jede noch so kleine Umweltwunde legt, kannte die genauen Zahlen der beabsichtigten Fällungen zwar bis vor wenigen Tagen auch nicht, hat sich aber sofort auf den Weg ins Stadthaus gemacht. „Ich kann die Gründe jetzt nachvollziehen. Wenn wir der Parkanlage langfristig eine Perspektive geben wollen, müssen wir handeln. Ich hätte mir zwar auch gewünscht, dass nicht gleich so viele Bäume auf einmal gefällt werden, aber es macht Sinn“, meint er.

Mehr als 1,2 Millionen Euro – darunter ca. 400 000 Euro der Stadt – werden eingesetzt, um die Wallanlagen nach historischem Vorbild von Grund auf zu erneuern. „Wir pflanzen 140 neue Bäume. Die stehen auf einer Bestandsliste aus dem 19. Jahrhundert“, sagt Karola Kimmen, die an diesem Projekt seit Jahren arbeitet. Schon in einem Jahr soll alles umgesetzt sein.

Kommentar "Vertrauen ist kostbar" von Wolfried Pätzold

Da wird ein Projekt angepackt, dass historische Dimensionen hat. Wenn eine Stadt über ein Juwel wie die Parkanlage am Wall verfügt, ist sie in der Verantwortung, das Erbe auch für künftige Generationen zu erhalten.   Wie sehr das den Nerv der Parchimer Bürger trifft, wurde dieser Tage klar. Wie ein Stich ins eigene Herz haben es viele empfunden, als sie in ihrer Zeitung erfuhren, dass Dutzende Bäume gefällt werden sollen. Dass die Dimension nicht einmal den Mitgliedern der Ausschüsse bekannt war, ist fraglich. Dabei lässt sich alles sachlich erklären. Transparenz ist das Zauberwort. Vertrauen ist kostbar und darf nicht zum Spielball werden.
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