Spornitz : Kirchturm-Retter arbeiten sich bis zur Spitze vor

Sind immer wieder beeindruckt, wie es hinter der Fassade vorwärts geht: Fördervereinsvorsitzende Annett Bieber, Hartmut Link vom Kirchengemeinderat und Pastor Ulrich Kaufmann.
Sind immer wieder beeindruckt, wie es hinter der Fassade vorwärts geht: Fördervereinsvorsitzende Annett Bieber, Hartmut Link vom Kirchengemeinderat und Pastor Ulrich Kaufmann.

Spornitzer Gotteshaus wird seit diesem Jahr saniert. Hauptfinanzierung für die nächste Bauetappe im Schiff steht.

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14. August 2020, 13:50 Uhr

Spornitz | „Wir sind gut im Rennen“, freut sich Pastor Ulrich Kaufmann. Anfang 2020 begann mit den Bauarbeiten am Kirchturm die etappenweise Komplettsanierung des Spornitzer Gotteshauses. Seitdem haben sich die Handwerker Schritt für Schritt von unten Richtung Kirchturmspitze vorgearbeitet. Bis November wird auch das Kupferdach mit einer neuen Eindeckung glänzen. Außerdem werden die Ziffernblätter der Kirchturmuhr restauriert. Sie steht seit etwa zwei Jahren still.

Handwerker vollbringen eine Meisterleistung

Was für eine Herausforderung die Arbeiten in dem nach oben hin immer schlanker werdenden Turm sind, offenbart sich bei einem Blick hinter die Fassade. Zusammengefasst könnte man sagen: Wenn nicht bald etwas passiert wäre, hätte der Turm eher früher als später stillgelegt werden müssen. Pastor Kaufmann beschreibt das Schadensbild, das die Handwerker – alle Gewerke kommen aus der Region – vorfanden: An allen vier Wänden ist das Mauerwerk gerissen, und zwar von oben nach unten einmal durch. Um den Turm zu stabilisieren und damit das Mauerwerk nicht weiter auseinanderdriftet, mussten zusätzlich Anker aus Stahl eingezogen werden.

Dramatische Schäden am Gebälk

Dramatische Auswirkungen erreichten über Jahrzehnte hinweg die Schäden am Gebälk. Nicht selten waren ganze Balken verrottet. Der Kampf um jedes erhaltenswerte alte Stück Holz sowie die Erneuerung nicht mehr zu rettender Balken verlangt den Zimmerleuten unter teilweise äußerst beengten Bedingungen alles ab. Pastor Kaufmann, Harmut Link vom Kirchengemeinderat und die Mitstreiter vom Kirchenförderverein können nur immer wieder andächtig staunen, wie viel Fingerspitzengefühl und Berufserfahrung gefragt sind, um eine solche Aufgabe mit Muskelkraft, einfachen Holzkeilen oder Wagenheber zu meistern.

Förderverein 2014 auf den Weg gebracht

Die Spornitzer haben lange Zeit geduldig auf die Sanierung ihrer Kirche hingearbeitet. Als vor sechs Jahren der Förderverein zur Rettung des Gotteshauses aus der Taufe gehoben wurde, lag der Focus zunächst auf dem Kirchenschiff, in dem bereits vor Jahren eine Notsicherung vorgenommen werden musste. Weil es um den Turm aber noch schlechter bestellt war und vor allem aus logistischen Gründen wurde der Bauablauf umgestellt.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörten auch Christiane Schirdewahn und Annett Bieber. „Ich wollte nur mitmachen“, beschreibt Annett Bieber, seit 1996 Spornitzerin, ihre Motivation. Geprägt durch den Großvater, der am Historischen Museum in Schwerin in leitender Position tätig war, hatte sie schon immer eine Affinität zu denkmalgeschützten Gebäuden, die eine Geschichte erzählen können.

Alle Beteiligten ziehen an einem Strang

Als sich 2014 bereits eine Woche nach einer gut besuchten Informationsveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus der Verein gründete, sah sich Annett Bieber im Vorstand wieder. Und war plötzlich Fördervereinsvorsitzende. Das Ehrenamt macht ihr vor allem so viel Spaß, weil das gesamte Bauprojekt von einem so guten Miteinander aller Beteiligten geprägt ist. Kirchengemeinde, Förderverein, die Bauverwaltung im Kirchenkreis, Ausführende vor Ort – es passt einfach.

Nächstes Jahr geht es im Kirchenschiff weiter

In trockenen Tüchern ist seit dem Frühjahr die Hauptfinanzierung der zweiten Bauetappe. Im kommenden Jahr soll das Kirchenschiff in Angriff genommen werden – wiederum mit öffentlichen Mitteln von Bund und Land. „Sonst hätten wir dieses große Vorhaben nicht stemmen können“, gibt Pastor Kaufmann zu bedenken. Nachdem bereits für die Turmsanierung 271 000 Euro aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes zur Rettung national bedeutsamer Denkmäler flossen, sind für den nächsten Bauabschnitt 238 500 Euro aus diesem Fördertopf zugesagt.

Termintipp

Kirche zum Tag des offenen Denkmals geöffnet

Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September möchten Pastor Ulrich Kaufmann sowie der Förderverein die Kirche öffnen. Auf Besucher wartet eine vom Pastor kommentierte Dia-Show, die nahe bringt, was im Kirchturm Großartiges passiert ist und wie es mit dem Bauen in Spornitz 2021 weitergeht.
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