Parchim : Poesie, Geschichten und mehr

Club der toten Dichter zu Gast in der Parchimer Stadthalle: Reinhard Repke, Cathrin Pfeifer, Markus Runzheimer und Katharina Franck (v.l.) .
Club der toten Dichter zu Gast in der Parchimer Stadthalle: Reinhard Repke, Cathrin Pfeifer, Markus Runzheimer und Katharina Franck (v.l.) .

Club der toten Dichter gastierte in der Parchimer Stadthalle und begeisterte das Publikum mit vertonten Fontane-Texten

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08. April 2019, 05:00 Uhr

Rot-blaues Licht, sich ständig wiederholende Percussionschläge und keine Bewegung auf der Bühne: ein Intro, das neugierig macht. Neugierig auf das Programm, auf die Musiker, die mit dem „Club der toten Dichter“ Parchim aufs Neue in die Welt der Poesie entführen wollen. Und dann kommen sie, greifen zu ihren Instrumenten und beginnen ihre musikalisch-literarische Reise durch Fontanes Welt. „Guter Rat“ ist die erste Station und erreicht das Publikum mit den ersten Tönen. Sängerin Katharina Franck, von Beginn an mit einer unglaublichen Präsenz auf der Bühne, zeigt an diesem Abend einmal mehr die Bandbreite ihrer Stimme und versteht es gemeinsam mit ihren virtuosen Bandkollegen, stets die richtigen Töne anzuschlagen. Doch warum Fontane? Heinrich Theodor Fontane, der große deutsche Schriftsteller wäre im Dezember diesen Jahres 200 Jahre alt geworden, ein guter Grund, 2019 zum Fontane-Jahr zu erklären und ein guter Grund für Reinhard Repke, Begründer des Clubs der toten Dichter, sich mit dessen Werk zu befassen und bekannte und weniger bekannte Gedichte zu vertonen. Wie großartig ihm das gelungen ist, das erlebte das Publikum in der fast ausverkauften Parchimer Stadthalle am vergangenen Freitagabend. „Flickwerk“, „John Maynard“, „Überlass es der Zeit“, „Mein Herz“ und viele andere wundervolle Fontane-Zeilen transportierte er ins Reich der Töne. Und so wurden aus den Texten des Autors dank des Komponisten ganz ungewöhnliche Lieder, die ins Ohr und ans Herz gehen. Die interessante Kombination der Instrumente, Akkordeon, Bass, Gitarre und verschiedene Percussions, trägt nicht unerheblich zu dieser gelungenen Transformation bei. Mal sind es leise, zarte Töne, die die Musiker anschlagen, dann wieder sind sie kraftvoll und laut, mal rockig, mal liedhaft, gegensätzlich, aber immer im Einklang mit der Wortkunst. Vielfältig präsentierten sich Markus Runzheimer am Bass, Cathrin Pfeifer mit ihrem Akkordeon, Reinhard Repke an der Gitarre und Sängerin Katharina Franck, so vielfältig wie auch das Schaffen Fontanes war. Erstaunlich, wie aktuell manche seiner Texte auch heute noch sind und in Verbindung mit der Musik wirken sie sogar modern.

Als herausragender Vertreter des poetischen Realismus in Deutschland war Fontane, so scheint es heute, seiner Zeit um einiges voraus. Warum sonst wirken seine Gedichte zum Teil wie aus unseren Tagen gesprungen und berühren uns damit auf ihre ganz eigene Weise. Dass sie das nun in Liedform tun, verdanken wir natürlich auch den Kompositionen von Reinhard Repke, der das Publikum nicht nur mit seinen Anekdoten zum Schmunzeln brachte, sondern auch sehr charmant betonte, dass er sich freue, wieder einmal in Parchim zu sein. Und das Publikum honorierte jeden Beitrag mit viel Applaus und ließ den Club der toten Dichter erst nach drei Zugaben und knapp zweieinhalb Stunden von der Bühne. „An einem Sommermorgen/Da nimm den Wanderstab/Es fallen deine Sorgen/ Wie Nebel von dir ab“, heißt es in Fontanes Gedicht „Guter Rat“, der Club der toten Dichter hat seine Gäste mit auf die Reise genommen und sie für diesen Abend ihre Sorgen vergessen lassen.

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