Unterwegs in Metropolregion : Mit dem Fahrrad von Hamburg nach Spornitz

Bei der Ankunft: Fridolin Hummel fuhr an einem Tag von Hamburg nach Spornitz-Dütschow.
Bei der Ankunft: Fridolin Hummel fuhr an einem Tag von Hamburg nach Spornitz-Dütschow.

Fridolin Hummel radelte in neun Stunden 159 Kilometer von Hamburg nach Spornitz-Dütschow durch Regen, Sturm und Kälte

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25. Mai 2021, 15:30 Uhr

Spornitz | Manch einer sucht die Herausforderung. So auch der siebzig Jahre alte Wahl-Hamburger Fridolin Hummel, der sich auf seiner Tagesradtour von der Hansestadt bis nach Spornitz, Ortsteil Dütschow, nicht nur der Länge dieser Tour stellte. Schlechte Radwege oder Straßenabschnitte und das Wetter steigerten den Schwierigkeitsgrad für den Fahrer des Trekkingrads ohne E-Unterstützung. Andererseits: Der gebürtige Salzburger hat, österreichisch gesprochen, offenbar „Wadln“. Von Kindesbeinen an stand der Sport obenan, die Lieblingsdisziplin wurde das Laufen.

Doch zu Pfingsten war es oft kalt, es regnete zum Teil oder stürmte. Hummel berichtet, wie eindringlich er von Freunden und Bekannten vor seinem Rad-Abenteuer gewarnt wurde. Aber er blieb bei seinem Plan, wollte seine Lebensgefährtin diesmal mit dem Fahrrad besuchen. Start der Tour war der Ortsteil Hausbruch, im Süden der Metropole. Vierzig Kilo wogen Rad und Gepäck. In zwei roten Fahrradtaschen warteten Müslikraftriegel und Bananen auf den späteren Verzehr. Er rechnete damit, etwa um 17 Uhr am Ziel anzukommen.

Regen weichte Waldwege auf.
F. Hummel
Regen weichte Waldwege auf.

Früh am Morgen ging es los. Der Himmel war wolkig, von Anfang an wehte ein strenger Wind von vorne. Ausgerechnet. Als er Lauenburg, den ersten „Meilenstein“ der Tour, erreichte, waren Rad und Mann noch nicht klitschnass. Aber den Regen fürchtete der Radler ohnehin nicht. Der Sport hat ihn ziemlich unempfindlich gegen banale Erkältungen gemacht. Respekt flößten ihm jedoch zwei Gefahrenquellen ein: mögliche Gewitter und – der Autoverkehr.

Den gibt es auf der B 5 Richtung Boizenburg in Masse. Die ersten circa fünfundzwanzig Kilometer fuhr Hummel zunächst auf sicherem Radweg entlang der Bundesstraße. „Der Radweg ist asphaltiert. Er lässt sich gut fahren“, berichtet Hummel, „und er verläuft in angenehmer Distanz zur Bundesstraße.“

Vor dem Ort Dersenow aber endet der Radweg. Hummel suchte vor der Tour bereits nach einer Alternative, um nicht am Rand der stark befahrenen Bundesstraße weiterfahren zu müssen. „Ich weiß aus Erfahrung, wie gefährlich nahe manch ein Auto an den Radfahrern vorbeischießt, obwohl außerorts ein Abstand von mindestens zwei Metern Vorschrift ist. Auch der Sog der Lastwagen ist nicht zu unterschätzen.“ Also bog er in Dersenow in die Straße „Zum Postweg“ ein.

Umfahrung über den Postweg.
F. Hummel
Umfahrung über den Postweg.

„Keine so gute Idee“, urteilt er im Nachhinein. „Diese Alternativstrecke war teilweise nicht asphaltiert und voller tiefer Schlaglöcher.“ Trotzdem habe es ihm irgendwie Spaß gemacht, hier Slalom zu fahren.

Über Brahlstorf gelangte er auf seiner Umgehungsroute nach Düssin, wo er ein Foto des gigantisch großen Gutsgebäudes der Firma Lunge schoss. So viel Zeit musste sein. Hummel, selbst Teilnehmer unzähliger Marathon- und Bergläufe, war der Firmeneigentümer Ulf Lunge naturgemäß ein Begriff: „Lunge gewann 1983 den Titel Hamburger Meister im Marathon mit Bestzeit 2 Stunden/23 Minuten“, berichtet der wasserfeste Radler.

Firma Lunge in Düssin.
F. Hummel
Firma Lunge in Düssin.

In Düssin produziert Lunge heute gemeinsam mit seinem Bruder Lars Laufschuhe und bequemes Schuhwerk. Hummel aber zog es schnell wieder auf den Sattel. Über Melkof, Jesow und weiter auf der B5, erreichte er schließlich den Meilenstein Pritzier. Die „Umgehung“ war nun gemeistert.

Ein besonderes Highlight, vielleicht auch ein Vorblick auf die Zukunft des Drahtesels, erstaunte den Radler hinter Hagenow: Zwischen Kraak und Rastow entdeckte er eine etwa zwei Kilometer lange Radpiste, neu, spiegelglatt, leise zu befahren. Und seitlich davon eine Reihe Sportgeräte. Ein Bewegungspfad. Hummel überlegte, ob er absteigen und zur Abwechslung ein bisschen turnen sollte?

Aber der Sog der Strecke war stärker und dann auch bald bewältigt. Um halb fünf nachmittags erreichte er Dütschow. Überhaupt nicht erschöpft, fröhlich, hungrig. Sein Resümee: „Es hat wieder irren Spaß gemacht.“

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