Gaststätten unter Druck : Gastro-Hilfe in der Kritik

Gastwirt Fred Rzehorz will auf jeden Fall seinen Betrieb mit allen Mitarbeitern durch die Krise führen. Aber die Hoffnung schwindet.
Gastwirt Fred Rzehorz will auf jeden Fall seinen Betrieb mit allen Mitarbeitern durch die Krise führen. Aber die Hoffnung schwindet.

Die Novemberhilfen für geschlossene Gaststätten liegen in der Praxis deutlich unter 75 Prozent.

von
27. November 2020, 16:00 Uhr

Parchim | Die Gaststätten sind coronabedingt geschlossen, erhalten aber finanzielle Unterstützung vom Staat – diese Aussage sorgt für eine gewisse Beruhigung in der Öffentlichkeit. Die Politik verspricht 75 Prozent des Novemberumsatzes aus dem Jahr 2019, der zugeschossen wird. Gastwirt Fred Rzehorz aus Rom erschrak, als der Steuerberater ihm sagte, was von den Novemberhilfen wirklich übrig bleibt:

Mehr als 20 Prozent von den angeblichen 80 Prozent bekomme ich nicht. Fred Rzehorz, Inhaber der Gaststätte „Zum Römer“.


Was die Politik selten in Kameras und Mikrofone sagt: Die staatliche Unterstützung wird nicht pauschal bezahlt. Bisherige staatliche Leistungen werden auf die Novemberhilfe angerechnet. Abgezogen wird zum Beispiel das Kurzarbeitergeld für die Angestellten.

Gastwirt Rzehorz überlebt wirtschaftlich durch Essenslieferungen außer Haus, mit denen er zwischen Parchim, Goldberg und Lübz Kunden mit Mittagsmahlzeiten versorgt. Auch diese letzten Einnahmen werden von seinen November-Hilfen abgezogen. „Sie machen mich nervlich und wirtschaftlich kaputt“, so Rzehorz.

„Keine Wirkung der Maßnahmen erkennbar“

Die Monate November und Dezember sind für Gaststätten die umsatzstärkste Zeit im Jahr. Unternehmen und Betriebe, Vereine und Familien treffen sich typischerweise zu Advents- und Weihnachtsessen. Nicht zu vergessen Silvester.

Obwohl der Teillockdown nur bis 20. Dezember offiziell festgelegt ist, rechnet keiner der von uns gefragten Gastwirte mit einem einträglichen Weihnachtsgeschäft. Wie auch im Schlosshotel Frauenmark. Dessen Betreiber Harald Gropengießer kritisiert die aktuellen Pläne, dass Hotels für die Weihnachtsfeiertage Gäste aufnehmen dürfen. „Die Hotels dürfen dann aufmachen und das Restaurant bleibt geschlossen. Das ist doch ein Verlustgeschäft, wenn man nur für drei Tage öffnen darf. Ich verliere weniger Geld, wenn ich geschlossen bleibe. Das macht doch alles keinen Sinn“, so Gropengießer.

Der Hotelinhaber kritisiert die Maßnahmen als Sündenbock-Politik. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die Neuinfektionen nicht sinken, obwohl die Gastronomie geschlossen ist. „Hätten die Schließungen eine Wirkung gezeigt, müsste doch etwas erkennbar sein“, sagt er.

Keine Planbarkeit

Tobias Warncke, Inhaber der Gaststätte „Zur Schleuse“ in Garwitz versucht das Geschäft mit einer Weihnachtskarte zum Liefern am Laufen zu halten, wie auch die anderen Gastwirte. „Ich hatte noch die Hoffnung, Weihnachtsgäste in geschlossenen Kleingruppen empfangen zu können, aber nun werden wir Ente, Rouladen oder Zanderfilet zum Liefern anbieten“, so Warncke.

Hoffnung auf Sonderweg

Silvia-Carmen Schulz, die Inhaberin der Gaststätte „Zum Eichenkrug“ in Domsühl, hat noch eine kleine Hoffnung. Sie verweist auf die vergleichsweise niedrigen Zahlen im Norden: „Vielleicht entscheidet sich Frau Schwesig doch für Lockerungen in Mecklenburg bei den Restaurants“. Und sie ergänzt: „Wir haben doch einen besseren Hygieneschutz als jeder Supermarkt."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen