Flucht und Ankommen : Dokumentarfilm über Parchim wird Grundlage für den Unterricht

Die Filmemacherinnen Julia Gechter (l.) und Johanna Huth auf einem Balkon ihres Wohnhauses in Berlin-Kreuzberg.
Die Filmemacherinnen Julia Gechter (l.) und Johanna Huth auf einem Balkon ihres Wohnhauses in Berlin-Kreuzberg.

Für „Nach Parchim“ von Julia Gechter und Johanna Huth wurde Unterrichtsmaterial zum Thema Flucht und Ankommen entwickelt

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13. April 2021, 16:11 Uhr

Parchim | Der kleine Junge mit den dunklen Haaren und den braunen Augen hat sich hinter einer Gardine versteckt und sieht aus dem Fenster. Es ist ein Fenster in der Parchimer Weststadt, und der siebenjährige Moner vermisst seine Eltern. Er kam 2015 allein mit seinem älteren Bruder aus Syrien hierher. Wenn sein Vater, der ihm eineinhalb Jahre später folgen darf, mit zitternder Stimme erzählt, wie seine beiden älteren Söhne vom Assad-Regime ermordet wurden und er deshalb seine beiden jüngeren auf die gefährliche Reise nach Deutschland schickte, stockt einem das Herz.

Julia Gechter und Johanna Huth, deren Eltern in Parchim aufgewachsen sind, haben über Moner und die 1945 nach Parchim geflüchtete Ulla Struck den Dokumentarfilm „Nach Parchim“ gedreht. „Ich war eine Fremde“, erzählt die 2017 verstorbene Ostpreußin Ulla im Film über ihre Ankunft in Parchim.

Universelle Dokumentation über Flucht

Der zweite Teil einer Parchim-Trilogie wurde 2018 unter anderem auf dem Filmkunstfest Schwerin gezeigt und gewann den Wir-Vielfaltspreis. „Wir wollten unser Augenmerk auf die Universalität von Flucht richten“, sagt Johanna Huth in einem Interview. Das ist den beiden Filmemacherinnen in ihrer 22-minütigen Dokumentation so gut gelungen, dass anhand des Films Unterrichtsmaterial zum Thema Flucht und Ankommen entwickelt wurde.

Neben dem Film und vielfältigen Anleitungen für verschiedene Unterrichtseinheiten enthält das Material auch ein Interview mit Julia Gechter und Johanna Huth. Das Material ist geeignet für Jugendliche ab der achten Klasse. Es umfasst Bausteine zu den Themen „Filmerschließung“, „Flucht und Asyl“, „Fremdsein, Vorurteile und Diskriminierung“ sowie „Deutschland als Migrationsgesellschaft“.

Vorstellung auf dem Filmkunstfest sorgte für Aufmerksamkeit

„Durch die Vorstellung auf dem Filmkunstfest und den Preis ist 2018 die Landeszentrale für politische Bildung MV auf uns aufmerksam geworden“, erzählt Johanna Huth. Sie schneidet derzeit in ihrer Kreuzberger Filmproduktionsfirma an einer Dokumentation über den Putsch in Myanmar, seit elf Jahren pflegt sie enge Beziehungen zu den dortigen Filmemachern. Julia Gechter ist gerade in Elternzeit. „Dann hat sich Wolfgang von Rechenberg sehr dafür eingesetzt, dass die Dokumentation als Unterrichtsmaterial für Schulen aufbereitet wird.“

Deutschlandweite Zusammenarbeit

Der bekannte Parchimer gehört zum Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe). Jana Haak, Fraktionschefin der SPD in der Stadtvertretung, ist derzeit noch Vorsitzende des Landesverbandes. An der Erarbeitung des didaktischen Materials arbeiteten außerdem das Pädagogisch-Theologische Zentrum Stuttgart und zwei evangelische Schulstiftungen mit, die Federführung hatte Friedenspädagogin Hannah Geiger.

„Die haben das toll gemacht“, lobt Johanna Hut. Der Film wurde immer wieder Schülern gezeigt und anhand der so gesammelten Erfahrungen das Unterrichtsmaterial für verschieden Altersgruppen entwickelt. „Eigentlich sollte dann alles vor einem Jahr auf einem Schulleiterkongress vorgestellt werden, aber der musste durch Corona ausfallen.“ So versuchen die beiden Dokumentarfilmerinnen wenigstens über ihre Facebook-Seite Parchim-Trilogie auf das Erscheinen des Unterrichtsmaterials aufmerksam zu machen.

Auch dritter Teil der Trilogie ist fertig

Apropos Trilogie: „Unser dritter Film über Parchim – der erste war ja „Der Fährmann und seine Frau“ – ist inzwischen fertig und wurde 2019 auf den Nordischen Filmtagen in Lübeck gezeigt“, berichtet Johanna Huth. Für „In Arbeit“ begleiteten die Dokumentarfilmerinnen über mehrere Monate das Geschehen hinter den Kulissen im Parchimer Jobcenter. „Wegen Corona konnten wir ihn noch nicht im Parchimer Movie Star zeigen. Aber das wird nachgeholt.“

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