Regionale Goetheschule Parchim : Corona-Infektion des Schulleiters verunsichert Eltern und Schüler

Der Schulleiter der Regionalen Goetheschule in Parchim hatte ein positives Corona-Testergebnis. Ein Elternbrief verunsichert Schüler und Eltern.
Der Schulleiter der Regionalen Goetheschule in Parchim hatte ein positives Corona-Testergebnis. Ein Elternbrief verunsichert Schüler und Eltern.

Gerüchte und ein Elternbrief sorgen für Aufregung in der Regionalen Schule „Johann Wolfgang von Goethe“ in Parchim.

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26. November 2020, 15:45 Uhr

Parchim | Die Corona-Infektion des Schulleiters Peter-Michael Dreeser von der Regionalen Schule „Johann Wolfgang von Goethe“ in Parchim sorgt für Verunsicherung unter Schülern und Eltern. Und bei dem Schulleiter selbst.

Unter den Schülern verbreitete sich am Sonntag das Gerücht, der Schulleiter sei positiv auf das Coronavirus getestet worden. Zwei Tage später, am Mittwoch erhielten die Eltern einen Brief von Dreeser selbst, mit dem Betreff „Information zur Erkrankung an Covid-19“.

Nur Schulleiter in Corona-Quarantäne

Darin bestätigt Dreeser bei einem freiwilligen Corona-Test am vergangenen Freitag positiv auf den Erreger getestet worden zu sein. Das Gesundheitsamt schickte ihn in Quarantäne. Das Kollegium, das Schulamt und der Schulelternrat seien informiert, schreibt er weiter.

Der Schulleiter hatte den Brief mit dem Ziel geschickt „die Sorge der Eltern um ihre Kinder etwas herabzusetzen.“ Doch das Vorhaben ging schief. Die Sorge blieb. Der Brief erklärt nicht, warum ausschließlich der Schulleiter in Quarantäne sei und nicht auch die Schule. Dreeser verwies dazu auf das Gesundheitsamt.

Die Eltern erwarteten nach einem positiv-getesteten Lehrer eine amtlich angewiesene Quarantäne und die Verfolgung möglicher Infektionsketten durch das Gesundheitsamt, was nicht geschah. Auch, weil Dreeser drei Tage vor dem positiven Testergebnis noch die 5. und 6. Klassen unterrichtete. Dies bestätigt er gegenüber der SVZ.

Besorgte Eltern meldeten sich bei der SVZ, zusammen mit dem eingescannten Elternbrief des Schulleiters. Für sie blieb die wichtigste Frage offen:

Warum gibt es keine Quarantäne für Schüler, die in der vergangenen Woche Kontakt mit dem Direktor hatten?

Nachgefragt beim Gesundheitsamt des Landkreis Ludwigslust-Parchim, der zuständigen Behörde. Der Fall des Schulleiters und das positive Ergebnis sind bekannt.

Das Gesundheitsamt erklärt, das Vorgehen entspricht dem Standardverfahren des Robert-Koch-Instituts (RKI). Der Schulleiter wurde am Freitag getestet und am Sonnabend informiert, zeigte aber keinerlei Symptome.

Keine Gefahr für Schüler

In dieser Situation gelte eine vorgeschriebene Kontaktrückverfolgung für zwei Tage vor dem Testergebnis. Da der persönliche Schulunterricht drei Tage zurückliege, sei eine Quarantäne für die Regionale Schule nicht notwendig gewesen, sagt das Gesundheitsamt.

Das ist die ordnungsgemäße Vorgehensweise nach RKI. Für die Schüler gab es keine Gefährdung. Entscheidend ist neben dem Test, dass der Schulleiter keinerlei Symptome zeigte. Landkreissprecher Andreas Bonin


Für Schulleiter Peter-Michael Dreeser sei die Situation bitter, sagt er gegenüber der SVZ. Das Thema Corona nehme er sehr ernst und nun stehe er im Zentrum eines Gerüchts.

Insgesamt sechs Mal nahm er an den freiwilligen Tests für Lehrkräfte teil. In der Schule habe er sogar die Maskenpflicht auf dem Schulhof angeordnet und nun das. „Auch meine Kollegen habe ich informiert und alle Menschen, mit denen ich tatsächlich Kontakt hatte in den zwei Tagen zuvor. Alle wurden negativ getestet“, sagt Peter-Michael Dreeser.

Der Schulleiter arbeitet nun in Quarantäne weiter. Falls die nächsten Tests negativ ausfallen würden, kann er ab kommenden Mittwoch wieder regulär arbeiten gehen.

Kommentar von Armin Kung: Unglückliche Kommunikation

Corona nervt nicht nur, sondern löst auch Ängste aus. Der Schulleiter hatte nach seinem positiven Test-Ergebnis eigentlich alles richtig gemacht und trotzdem ging etwas schief.
Wäre sein Elternbrief zwei Tage eher erschienen und hätte detaillierter erklärt, wie und warum keine Gefahr für die Kinder bestehe, wäre die Aufregung vermutlich kleiner ausgefallen. Auch eine Meldung der Schulbehörden oder des Gesundheitsamtes an die Eltern hätten ausgereicht.
Doch die kleine Leerstelle genügte, um aus Verunsicherung Gerüchte entstehen zu lassen. Und diese sind so hoch ansteckend, wie das Virus selbst.
Der Fall ist auch ein Hinweis für andere Institutionen: Kommuniziert bei Corona schnell, direkt und unmissverständlich mit möglichen Betroffenen.


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