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Parchimer Zeitung

14. Dezember 2017 | 03:31 Uhr

Parchim : 42-Tonnen-Triebwagen am Seil

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Viele Besucher beim Tag der offenen Tür bei der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft in Parchim

von
erstellt am 18.Jul.2016 | 05:00 Uhr

Einer der jüngsten Besucher beim Tag der offenen Tür der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (ODEG) in Parchim war gerade mal 6 Jahre alt und kam aus Kalifornien. Schon bei der Taufe eines ODEG-KISS-Zugs in Schwerin am Vormittag war Ian dabei und ließ es sich nicht nehmen, auch das Parchimer Fest zu besuchen. Er macht mit seiner Familie in Schwerin Urlaub und ist absoluter Eisenbahnfan, wie seine Familie bestätigt. Und so staunte er über die Fahrgestelle und über den Unterbau eines Triebwagens, die er in der Werkstatthalle besichtigen konnte. Höhepunkt war für ihn, der später Lokführer werden will, dass er in einem Team einen Triebwagen am Seil ziehen konnte.

Dieser Wettbewerb lockte etliche Schaulustige und einige ließen es sich nicht nehmen, in einem spontan gegründeten Team gegen eine Mannschaft der ODEG und der Ostdeutschen Instandhaltungsgesellschaft (ODIG) anzutreten. Es galt einen Triebwagen mit 42 Tonnen Gewicht mit fünf Erwachsenen über 30 Meter zu ziehen. Das Werkstattteam legte mit 33,64 Sekunden eine gute Zeit vor, das ODEG-Team verbesserte diese Zeit auf 30,66 Sekunden, doch es reichte nicht zum Sieg. Die „Meck-Promis“, ein Team von Besuchern, schlug sie mit 29,60 Sekunden. Die technikbegeisterten Eisenbahnfans kamen in der Werkstatt der ODIG auf ihre Kosten und ließen sich vom Leiter des Betriebes Werkstatt Tobias Wittenbecher die Details erläutern. Ob Fahrgestelle oder das Getriebe, die Motorleistung und vieles mehr – alle Fragen wurden bestens beantwortet.

Im Fahrtrainer konnten die Besucher aus der Sicht eines Triebfahrzeugführers virtuell verschiedene Zugfahrten erleben. „Hier können wir auch verschiedene Situationen simulieren, das ist für die Ausbildung sehr wichtig“, erzählt Karsten Lau. ODEG-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann zeigte sich erfreut über das rege Besucherinteresse und meinte gegenüber unserer Redaktion, dass es „eine richtige Entscheidung war, dieses Fest in Parchim zu feiern“.

Die Kreisstadt ist noch immer der Sitz der ODEG, auch wenn Teile der Südbahnstrecken stillgelegt wurden. „Das merkt man auch heute, aus Lübz war die bequeme Anreise per Bahn nicht möglich. Generell ist diese Region jetzt abgehängt und Schulklassen haben es schwerer bei Klassenfahrten“, resümierte der Geschäftsführer. Für die Zukunft sei man dennoch gut aufgestellt und auch die Ausbildung bei der ODEG hat sich weiter verbessert. „Im September beginnen sechs neue Lehrlinge ihre Ausbildung und das nicht nur in der Werkstatt, sondern auch im Fahrdienst. Letzteres ist neu. Zusammen mit anderen Eisenbahnpartnern konnten wir eine Klasse aufbauen und bieten so jungen Leuten eine fundierte Ausbildung und sichern unserem Unternehmen gute Fachkräfte“, so Schuchmann.

Neben dem DRK war auch die Bundespolizei vor Ort und sorgte mit ihrer Ausstellung eines Unfallautos für Nachdenklichkeit. Dieses Originalfahrzeug, eigentlich nur ein Schrotthaufen, war mit der Bahn in Schleswig-Holstein kollidiert. Die Insassen (89 und 84) überlebten, weil zwei Passanten (20 und 76) sie rechtzeitig aus dem Auto holten. Auch die Folgen eines jugendlichen Übermutes an elektrifizierten Strecken wurde an einem Modell demonstriert und ist derzeit aktuell, denn „ein Zwölfjähriger aus Rostock hatte sich vor einem Jahr mit zwei anderen Jungen an Waggons zu schaffen gemacht und erlitt durch die Hochspannungsleitung mit 15 000 Volt schwere Verbrennungen nach einem Stromschlag“, erzählt Polizeioberkommissarin Monika Hirschke von der Bundespolizei.

Gemeinsam mit Polizeihauptmeister Waldemar Waldeck betreute sie den Stand, an dem auch die Geschicklichkeit getestet werden konnte. „Wir sind oft hier in der Region und viel in Schulen unterwegs“, erzählt Waldeck, denn für ihn und seine Beamten ist die Präventionsarbeit sehr wichtig.

Wie es ist, einen 42 Tonnen schweren Triebwagen mit nur wenigen Handgriffen in Bewegung zu setzen, das konnten die Mädchen und Jungen im Führerstand eines Triebwagens selbst testen. Als Anerkennung erhielten sie den Juniorführerschein, so auch der neunjährige Nevio aus Parchim, Mama Anja Wendland war stolz auf ihren Junior-Triebfahrzeugführer.

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