Pingelhof : 3500 Bunde fürs Scheunendach

Und heute geht es los: Reetdachdeckermeister Frank Kasper (l.) hat sich mit dem Vorstand des Fördervereins zur Bauanlaufberatung getroffen.
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Und heute geht es los: Reetdachdeckermeister Frank Kasper (l.) hat sich mit dem Vorstand des Fördervereins zur Bauanlaufberatung getroffen.

Heute beginnt die Sanierung des Reetdaches einer denkmalgeschützten Scheune auf dem mehr als 400 Jahre alten Pingelhof

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22. Mai 2018, 05:00 Uhr

Wenn das Wetter mitspielt, geht es heute los. Dachdeckermeister Frank Casper wird am Morgen mit seinem Team von Plate aus nach Alt Damerow fahren, um einer mehr als 200 Jahre alten Scheune ein stilvolles und vor allem historisch angemessenes neues Dach zu geben. Ort und Material sind keineswegs alltäglich. Neu eingedeckt wird eins der prägenden Gebäude des legendären Pingelhofensembles, das mit mehr als 400 Jahren zu den ältesten erhaltenen Bauerhöfen im Norden gehört. Es wurde im 19. Jahrhundert mit Reet eingedeckt. Ende der 1980er-Jahre war es trotz akuter Materialengpässe gelungen, das Dach mit neuem Reet aufzufrischen. „Die Eindeckung war einfach zu schwach. Mehr war damals nicht möglich“, gibt Hermann Freude, seinerzeit LPG-Vorsitzender und Initiator der Rettung des Hofes und bis heute engagiertes Fördervereinsmitglied, zu bedenken.

Im Sommer 2017 hat sich Pingelhof-Fördervereinschef Hans-Werner Beck mit seinen Mitstreitern zur Krisensitzung vor Ort getroffen. Der Blick zum Dach der alten Scheune gleich neben der Eingangspforte versprach nichts Gutes. Das Reet warf unübersehbare Dellen und frisches Grün gedeiht längst in luftiger Höhe. „Das Scheunendach muss dringend erneuert werden. Damit steht die Substanz der mit über 400 Jahren ältesten erhalten gebliebenen Hofanlage auf dem Spiel“, so sinerzeit das Fazit. Eine grobe Kostenschätzung ließ aufhorchen: Um die 50 000 Euro wird ein neues Reetdach für die Pingelhofscheune kosten. Der Förderverein handelte schnell, stellte einen Antrag bei der Lokalen Aktionsgruppe Warnow-Elde-Land (LAG WEL) und konnte überzeugen. Vor kurzem wurde ein symbolischer Scheck übergeben. Für den Eigenanteil von bis zu 20 Prozent muss der Förderverein aufkommen. „Wir hoffen auf weitere Sponsoren“, sagt Hans-Werner Beck.

Die Firma von Frank Casper verfügt über 25-jährige Erfahrung und ist Mitglied der Reetdachdeckerinnung von Mecklenburg-Vorpommern. Casper wohnt selbst in einer reetgedeckten Büdnerei aus dem Jahre 1632. Das hochwertige Reet für den Pingelhof kommt direkt von den Ufern am Schwarzen Meer aus der Ukraine. 3500 Bund werden benötigt. Für Besucher des Pingelhofes, der weiter dienstags bis sonntags geöffnet bleibt, ist in den kommenden Wochen zu erleben, wie altes Handwerk lebt.

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