zur Navigation springen

Parchimer Erfolgsgeschichte : 1,5 Millionen Schilder „made in Pütt“

vom

Mehr als 1,5 Millionen Schilder wurden im Parchimer Betriebsteil der bekannten Max-Jacob-Schilderfabrik schon hergestellt. Dieses Familienunternehmen gibt es nunmehr seit 100 Jahren, seit 20 Jahren auch in Parchim.

svz.de von
erstellt am 03.Dez.2012 | 10:18 Uhr

Ein Leben ohne Schilder kann sich kaum jemand vorstellen. Max Jacob, Sohn eines Stellmachers, hat im Herbst 1912 in Hamburg einen Gewerbeschein beantragt und damit als 20-Jähriger den Grundstein für eine Firma gelegt, die ihr Geld mit der Produktion von Schildern verdient. Seit mehr als zwei Jahrzehnten schreibt sie auch in Parchim eine Erfolgsgeschichte.

Die Max-Jacob-Schilderfabrik, die 1991 am Juri-Gagarin-Ring Räume des früheren VEB Mechanisierung bezog, gehört inzwischen zu den fünf Marktführern im Bereich der Produktion von Verkehrszeichen in Deutschland. „Die Gesamtzahl von Schildern made in Parchim dürfte inzwischen bei rund 1,5 Millionen Stück liegen“, sagt Frank Skrbek, der zu den ersten Mitarbeitern gehörte, die in der Niederlassung vor Ort einen neuen Job bekamen. Zu den Kunden zählen vor allem öffentliche Einrichtungen von Bund, Land, Kreis, Stadt und Gemeinde sowie der Industrie und des Handwerks.

Produziert wird, was die Kunden benötigen: Die Palette reicht von der Ein Euro großen Plakette zur Markierung von Straßenbäumen bis zum 27,5 Meter langen Schild für eine Hamburger Firma. „Eins der größten Exemplare, das in Parchim produziert wurde, steht am Berliner Ring und misst 14 mal 7,5 Meter“, weiß Frank Skrbek zu berichten.

Die Hamburger Firma, die schon in den 80er Jahren expandieren wollte und im Umfeld der Hansestadt kein geeignetes Areal fand, nutzte die Chance nach der Wende, um in den neuen Bundesländern die Produktion zu steigern. Ganz nach dem Motto, in der neuen Zeit werden auch neue Schilder benötigt, startete die Produktion am zweiten Standort in Parchim vielversprechend. Als zunächst reiner Siebdruckbetrieb für Verkehrszeichen mit Versand reichte das bald nicht mehr aus. „Das Zeichen , Baustelle’ war schnell der Renner“, erinnert sich Frank Skrbek. Alleine dieses Schild wird bis heute in mehr als 40 Varianten und Größen von den Kunden geordert.

Längst wurde der Siebdruck in Parchim durch den Digitaldruck ergänzt. Die rund 50 Mitarbeiter der Max-Jacob-Schilderfabrik haben sich ständig auf veränderte Marktbedingungen eingestellt und punkten bei Auftraggebern vor allem mit langjähriger Erfahrung, Flexibilität und modernen Produktionsverfahren. Von ursprünglich rund 40 Herstellern hat sich bis heute nur noch die Hälfte am deutschen Schildermarkt durchgesetzt. So konnten die Parchimer im Vorjahr einen Auftrag aus Polen an Land ziehen. Kurzfristig mussten mehr als 200 zum Teil großformatige Elemente für Verkehrstafeln, die an polnischen Autobahnen auf das dortige Mautsystem hinweisen, digital gedruckt werden. Neben europäischen Standards waren diesmal auch länderspezifische Besonderheiten vor allem bei abweichenden Symbolen zu beachten.
Die Schilderbranche bekommt die schwierige Finanzsituation der Kommunen zu spüren. Vielen Städten und Gemeinden fehlt das Geld, um die Beschilderung von Straßen und Wegen auf dem neusten Stand zu halten. Derzeit laufen auf der Digitaldruckmaschine rund 3600 Folien für Berliner Straßennamenschilder. Auch in Parchim stammt so manches Verkehrsschild aus dem Unternehmen vor Ort. Die Kreisgebietsreform bescherte den Schildermachern ebenfalls neue Aufträge wie das umstrittene Projekt des verkehrsberuhigten Bereiches in der Langen Straße. „Ohne Schilder geht es einfach nicht. Im Alltag lässt sich so einiges regulieren“, ist sich Frank Skrbek sicher.

Aber mitunter staunen selbst die Schildermacher, wenn der Gesetzgeber neue Ideen in die Tat umsetzen will. So gibt es ein neues Schild „Durchlässige Sackgasse“, bei dem Fußgängern und Radfahrern Sonderrechte eingeräumt werden und kaum jemand den Inhalt wirklich versteht. Nicht selten verschwinden die Neuentwicklungen klammheimlich in der Schublade.

Im Hamburger Betriebsteil werden vor allem Schilder für die wachsende Zahl der Radwege produziert. Und auch ein Schild, das es schon in DDR-Zeiten gab – die Eule auf gelben Grund – wird bei Max Jacob noch immer hergestellt.

Die Suche nach Berufsnachwuchs wird auch bei den Schildermachern immer schwieriger. Vorausgesetzt wird ein guter Realschul- oder Abiturabschluss. Dieser Beruf ist für junge Leute geeignet, die über Farbsinn und gutes mathematisches Verständnis verfügen und sich mit dem Computer auskennen. Die Berufschancen stehen gut. „Schilder wird es auch in hundert Jahren noch geben“, ist sich Frank Skrbek ziemlich sicher.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen