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Lokales

11. Dezember 2017 | 01:31 Uhr

Parchimer wollen ihre Stasi-Akte sehen

vom

svz.de von
erstellt am 05.Sep.2010 | 06:50 Uhr

Parchim | Ungebrochen ist nach nunmehr zwei Jahrzehnten deutsche Einheit das Interesse an den Unterlagen der DDR-Staatssicherheit. Monatlich nimmt die für den einstigen Bezirk Schwerin zustän dige Außenstelle der Bundesbeauftragten in Görslow über 300 Anträge auf Akteneinsicht entgegen. Diese haben sich im ersten Halbjahr auf 1869 summiert. Damit werde die Zahl von 2009 (3683) sicher übertroffen, rechnet die Leiterin der Außenstelle, CorinnaKalkreuth. Denn allein beim MV-Tag kürzlich in Schwerin seien am Stand der Behörde über 500 weitere Anträge ausgefüllt worden, am Tag der offenen Tür in Görslow rund 100 und beim Bürgerberatungstag in Plau am See knapp 50 - alles Termine aus dem zweiten Halbjahr. "Wir wollen den Bürgern die Antragstellung so leicht wie möglich machen. Deshalb sind wir regelmäßig in der Region unterwegs", so Kalkreuth. Ein weiterer Beratungstag wird am 17. November in Lübz sein. "Das Ausfüllen ist ganz unkompliziert und zügig gemacht." Ansonsten können Formulare im Internet her untergeladen oder von der Behörde in Görslow per Post angefordert werden. "Wir brauchen dann die Unterschrift und Legitimation des Antragstellers", erklärt Corinna Kalkreuth die Antragstellung. Dabei sollten auch Stu dien- und andere Wohn orte, der NVA-Standort sowie alle Namen genannt werden, denn es könne durchaus sein, dass in mehreren Außenstellen oder im Zentralarchiv Berlin Unterlagen vorliegen. Wo die Akteneinsicht für den Betreffenden am günstigsten ist, wird alles zusammengetragen.

Von 1992 bis Ende Juni 2010 wurden 109 113 Anträge auf Auskunft sowie Einsichtnahme und Herausgabe von Stasi-Akten gestellt, rund 8000 aus dem Landkreis Parchim. Ab 2000 habe es einen leichten Rückgang gegeben, aber seit 2006 nehme die Zahl wieder zu, und das vor allem bei Erstanträgen. Diese machten etwa drei Viertel aus. Dass so viele Bürger erst jetzt ihre Akte einsehen wollen, habe verschiedenste Gründe, so Kalkreuth. "Manche sagen, in den 90ern waren andere Dinge für sie wichtiger. Andere wollten

immer schon einen Antrag stellen und haben es dann schlichtweg vergessen. Macht nichts, es gibt keine Fristen."

Nach etwa einem Vierteljahr informiert die Behörde, ob Unterlagen vorliegen. Bei Recherchen in mehrere Richtungen könne es ein halbes Jahr dauern. Für Menschen in hohem Alter, mit schwerer Krankheit oder bei Rehabilitierung erfolge eine Eil bearbeitung. Sonst können bis zwei Jahre bis zur Einsicht der Akten vergehen. Diese werden von den Mit arbeitern der Behörde durchgesehen und Bezüge zu anderen Personen anonymisiert, nicht aber Spitzel mit Decknamen. Deren Offenlegung kann dann beantragt werden.

In einer vor Jahresfrist eröffneten Dauerausstellung werden Stasi-Praktiken anschaulich dargestellt. Bis zum Jahresende kommen fünf Tafeln hinzu und in einer Vitrine die Ergebnisse einer Forschungsarbeit am Crivitzer Gymna sium zum Überwachungsnetz in der Region.

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